Erfahrungsbericht | Meine Sustainability Challenge bei tatkräftig e.V.

Wie habe ich beim tatkräftig e. V. unterstützen können? 

Der tatkräftig e. V. hat es sich in diesem Jahr zur Aufgabe gemacht, nicht nur etwas für die soziale Nachhaltigkeit zu tun, sondern ab sofort auch Einsätze für die Umwelt anzubieten. Auch wenn einige der Einsätze sich bereits vorher um die Natur gedreht haben, wie z. B. das Aufräumen von Außenanlagen, soll nun der Fokus spezifisch auf die ökologische Nachhaltigkeit gelegt werden. Aus diesem Grund startet zu Beginn des Jahres 2021 die neue Initiative: tatkräftig fürs Klima!  

Ich konnte den Verein vor allem bei den notwendigen konzeptionellen Arbeiten unterstützen. Neben einfachen Rechercheaufgaben zu möglichen Einsatzpartnern ging es vor allem darum konkrete Projektideen zu entwickeln und im Rahmen der Akquise von Einsatzpartnern bei Marketingaufgaben zu unterstützen. Zum Ende meines Einsatzes beim tatkräftig e. V. konnte ich gemeinsam mit einer Freiwilligengruppe einen Gemeinschaftsgarten in Hamburg auf Vordermann bringen. Hierbei haben wir neue Wildhecken gebaut, Unkraut gejätet und sowohl Blumen als auch Bäume gepflanzt. Auch wenn als Nebeneffekt das Bewusstsein für nachhaltiges Verhalten geschärft werden kann, geht es in erster Linie darum, am Ende einen Beitrag für Andere geleistet zu haben, der einen bleibenden Eindruck bei den Helfern und Geholfenen hinterlassen hat. Ziel des tatkräftig e. V. ist es schließlich, Freiwilligen durch die vielfältigen Hilfs- und Begegnungseinsätze den Wert von ehrenamtlichem Engagement zu vermitteln und im gleichen Zug Organisationen und Vereine, die täglich großes leisten bei ihrer Arbeit zu unterstützen. 

Film zur Initiative tatkräftig fürs Klimahttps://vimeo.com/470162531 

 


Alena Werner, Digistainable 2018

HINTERGRUND

Das Modul „Sustainability Challenge“ im vierten Semester unseres Studiengangs lässt uns, die Studierenden, selbst aktiv werden und soll uns motivieren, ein selbstgewähltes Thema zu behandeln. Wir definieren eigene Projektaufgaben, die durch die Mitwirkung in einer sozialen Initiative oder Nachhaltigkeitsorganisation bearbeitet werden sollen. Teil des Projekts ist die Reflexion des Erlebten, der gemeinsame Austausch sowie die Inspiration der interessierten Öffentlichkeit. Dabei lernen wir die Herausforderungen unserer Zeit selbst zu erkennen und anzunehmen. Der Ausbruch aus der eigenen Komfortzone ist ausdrücklich erwünscht.

WAS IST TATKRÄFIG E.V.?

Der tatkräftig e. V. ist ein Einstiegsformat ins Engagement: Menschen, die sich bisher noch nicht engagiert haben, sollen begeistert werden den ersten Schritt ins Ehrenamt zu tun. Seit 2012 haben sich so schon über 6.000 tatkräftig-Freiwillige engagiert und damit einen großen Beitrag für die Hamburger Gesellschaft leisten können. Nach dem Prinzip 1 Team. 1 Tag. 1 Ziel. organisiert der tatkräftig e. V. eintägige Hilfseinsätze mit mindestens fünf Freiwilligen, um anderen Menschen zu unterstützen. Dabei geht es neben der konkreten Hilfe, besonders um die Begegnungen auf Augenhöhe, neue Perspektiven, Spaß – und vor allem: Lust auf mehr Engagement! Die Freiwilligen-Gruppen bestehen entweder aus privaten Gruppen oder aus Firmen, die die Einsätze als Team absolvieren. 

Erfahre mehr und unterstütze selbst: https://tatkraeftig.org/


Die Onboarding-Woche: Digital, Nachhaltig, Kreativ.

Das sind wir, die Studierenden des Studiengangs DTS 2020

Unsere DTS Reise begann am Donnerstag, den 08.10.2020 mit der Einführungsveranstaltung als erster Bestandteil des Moduls „Learning Journey“. Trotz der geltenden Corona-Einschränkungen ermöglichte es uns die kleine Gruppengröße in der neuen und modernen Lernumgebung der HSBA zusammenzukommen. Im Raum angekommen, war zu spüren: „Es liegt etwas in der Luft“. Nicht nur wir Studierenden, sondern auch die Lehrenden um die Studiengangsleiterin Frau Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner, waren voller Erwartung auf die erste Begegnung in der neuen Lerngemeinschaft. Wie wird die Reise aussehen? Was kommt auf uns zu? Und nicht zuletzt: Wer sind wir? Das sind Beispiele für Fragen, die vermutlich vielen von uns währenddessen durch den Kopf gingen. Und sie sollten nicht unbeantwortet bleiben. Denn das Onboarding in der ersten Vorlesungswoche war darauf ausgelegt eben diese Fragen zu beantworten.

Pünktlich um 09:00 Uhr am 19.10.2020 starteten wir vollzählig in die erste Vorlesungswoche. Zur Vorbereitung auf die erste Veranstaltung, hatte jede/r von uns die Aufgabe bekommen, sein/ihr Digital Sustainable Goal (SDG) vorzustellen (siehe Foto).  Unsere Präsentationstechnik wurde schon am ersten Tag auf die Probe gestellt. In der nächsten Aufgabe stand Teamfähigkeit und logisches Denken auf dem Prüfstand. Es galt augenscheinlich unentzifferbare Texte in Gruppen aus jeweils 4-5 Studierenden zu entschlüsseln. Getreu dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ blieben wir nicht in den Kleingruppen, sondern bündelten unsere Ressourcen und entzifferten die Hieroglyphen gemeinsam im Kursverbund. Der Text verriet, dass es bei der darauffolgenden Veranstaltung am Freitag, den 23.10.2020 ein Buffet geben sollte, das wir selbst organisieren, damit für ein gemeinsames Mittagessen gesorgt ist.

Nicht nur das Buffet glänzte am Freitagmorgen mit einer großen Auswahl, auch der Tag versprach spannend und vielfältig zu werden. Frau Prof. Dr. Susanne Hensel-Börner und Johanna Schnurr hatten sich Aufgaben überlegt, die uns nicht nur zu einem Team formen, sondern mitunter aus unseren Komfortzonen herausholen sollten. Der Fokus der kommenden eineinhalb Tage lag auf zwei Themen: Zum einen auf uns selbst und unseren persönlichen Stakeholdern und zum anderen auf der visuellen Darstellung der 17 SDGs in Form von Avataren.
Den Start des Onboarding-Wochenendes bildete eine Gruppenarbeit zum Thema Stakeholder. Welche unterschiedlichen Stakeholder hat jede/r Einzelne/n von uns (z.B. Familie, Arbeitgeber & Freunde)? Welche Ansprüche und Erwartungen haben sie? Und sind diese gerechtfertigt? Mit diesen drei Leitfragen setzten wir uns auseinander. Neben dem guten Gefühl die erste Aufgabe im Team erfolgreich bewältigt zu haben, gab es einen gemeinsamen Konsens. Wir waren uns einig, dass man selbst ein eigener, anspruchsvoller Stakeholder ist und diesen, neben allen anderen externen Ansprüchen, nicht vergessen sollte. Zudem stellten wir fest, dass der Anspruch unseren eigenen Erwartungen und denen anderer Stakeholder gerecht zu werden, ein gewisses Stresspotential birgt.
Um unsere größten Herausforderungen mitzuteilen und um neue Anregungen und Denkansätze kennenzulernen, wurden wir vor die Aufgabe gestellt, uns in der Mittagspause auf ein „Geh-Spräch“ in Zweiergruppen einzulassen. Ein „Geh-Spräch“ läuft wie folgt ab: Nacheinander hat jede(r) 7min Redezeit, in welcher er/sie die Gelegenheit nutzen kann, dem/der  Gegenüber von seinen/ihren persönlich größten Herausforderungen zu berichten. In dieser Zeit hat der/die andere die Aufgabe aktiv zuzuhören, muss aber schweigen. Nachdem die Zeit abgelaufen ist, wechseln die Rollen. Sobald beide jeweils 7 min Redezeit hatten, darf gemeinsam über die geteilten Herausforderungen gesprochen werden. Was sich zu Beginn eher fremd anfühlte, entpuppte sich am Ende als eine wertvolle Erfahrung, aus der wir nicht nur über uns selbst, sondern auch über den/die jeweils andere(n) etwas lernen konnten.

Für das „Geh-Spräch“ hatten wir unsere Komfortzone bereits verlassen müssen. Ein weitaus größerer Schritt aus dieser Zone heraus, war für die unterschiedlichen Bestandteile der Avatar-Erstellung vonnöten. Es galt kreativ zu werden. Mit Schere, Wachsmalstiften und Klebestift gingen wir ans Werk und erstellten aus Zeitungsausschnitten zu jedem SDG ein Moodboard. Als wäre das für uns (zum großen Teil) Wirtschaftswissenschaftler nicht schon genug Herausforderung, sollten wir im Anschluss unsere Avatare zeichnerisch zum Leben erwecken. Ob digital oder analog – der Kreativität war keine Grenzen gesetzt. Als auch diese Aufgabe am Freitagnachmittag als erfolgreich abgeschlossen galt, entließ man uns in den verdienten Feierabend. Am Samstagmorgen ging es mit dem Ziel, die Avatare digital zum Leben zu erwecken, frisch ans Werk. Wir entschieden uns für den folgenden Lösungsvorschlag: Die analogen Zeichnungen werden digitalisiert. Mithilfe unserer Stimmen lassen wir die Avatare lebendig werden. Das Resultat ist eine digitale Präsentation, in welcher jeder SDG-Avatar sein Ziel und seine Vision vorträgt.

DTS20 Avatare

Bild: Sustainable Development Goal 16 als Avatar

Fazit

Wir finden: Auf das Ergebnis kann man stolz sein. Die Teamdynamik, die sich während des Onboarding-Wochenendes entwickelte, zeigt uns, zu was wir als Team fähig sind. Denn am Freitagabend hat noch keine/r mit einem Ergebnis wie diesem gerechnet.

Müde, aber mit der Erkenntnis uns auf eine spannende DTS-Reise zu begeben, starten wir mit voller Kraft und Vorfreude in unser erstes Semester.

Lina Kühne, Digistainable 2020

Was ist ein Moodboard?

Als Mood-Board oder auch Moodboard bezeichnet man ein wichtiges Präsentations- und Arbeitsmittel, das in allen Design- und Kommunikationsberufen zum Einsatz kommt. Es handelt sich dabei um eine Collage aus Bildern beliebiger Arten, die zum Beispiel eine genaue konkrete Richtung präsentieren oder bei der visuellen Erklärung von Kontexten helfen

Quelle: credia. o.J. “Mood-Board.” November 1, 2020. https://www.credia.de/mood-board/.


Erfahrungsbericht | Meine Sustainability Challenge bei der Hamburger Turnerschaft von 1816 r.V.

Seepferdchen Schwimmkurse bei der Hamburger Turnerschaft von 1816 r.V.  

Die Fähigkeit zu schwimmen und sich sicher im Wasser zu bewegen ist lebensnotwendig, sobald man sich ins Wasser begibtAus diesem Grund habe ich mich entschieden meine Erfahrungen aus 15 Jahren Schwimmleistungssport weiterzugeben und Kindern das Element Wasser näher zu bringen. Zusammen mit der Hamburger Turnerschaft von 1816 r.V. (HT16) habe ich überlegt, wie ich am besten unterstützten kann. Die Warteliste der Seepferdchen Schwimmkursein denen Kinder die ersten Erfahrungen im Wasser machen, beträgt aktuell etwa 2-3 Jahre, sodass das das vorgesehene Alter von 4-6 Jahren oft überschritten wird. Am 07.01.2020 konnten wir daher einen Seepferdchen Kurs mit Kindern zwischen 6 und 8 Jahren starten. 

Zusammen mit Sophie, einer weiteren Übungsleiterin, traf ich mich dienstags um 16 Uhr mit den Kindern an der Schwimmhalle im Seeadlerstieg um zwei Stunden gemeinsam schwimmen zu lernen.  

Die ersten Tage waren geprägt von spielerischen Übungen, wie „Herr Fischer, Herr Fischer wie tief ist das Wasser“ oder „Ringe tauchen“, wodurch der Umgang mit dem Element Wasser spielerisch erlernt werden konnte.  

Zur Wassergewöhnung gehört auch, dass die Kinder ohne Angst sicher auf dem Wasser „schweben“. Gerade in Rückenlage ist diese Übung eine Herausforderung gewesen, da Wasser ins Gesicht und in die Nase laufen kann. Die Aufgabe von Sophie und mir war es, Hilfestellung zu leisten und beispielsweise den Kopf in Rückenlage zu stabilisieren oder einfach in der Nähe zu sein und dadurch Sicherheit auszustrahlen. 

Nachdem wir coronabedingt leider eine längere Pause einlegen mussten, konnten wir Anfang Juli beginnen die Grundkenntnisse der Schwimmstile Rücken und Kraul zu üben 

Für mich gehörte der Schwimmsport 15 Jahre lang mit mindestens 20 Stunden pro Woche zum Leben dazu, wodurch die Grundelemente, wie die Atmung oder der Armzug, selbstverständlich geworden sind. Bei den Kindern gab es allerdings oft Momente, wo nicht alle Bewegungen zusammen funktioniert haben, da die Konzentration auf der gerade besprochenen Übung lag. So wurde beispielsweise der Beinschlag vergessen, wenn sich auf die Armbewegung konzentriert wurde. Dadurch wurde die Wasserlage beeinflusst und der Armzug konnte nicht richtig ausgeführt werden.  

Diese komplexen Bewegungen aufzubrechen und Stück für Stück Kindern in einfacher Sprache zu erklären, stellte für mich die Herausforderung bei den Schwimmkursen dar. Ich konnte oft direkt sehen, wie eine Bewegung verbessert werden musste, allerdings musste ich lernen diese Korrektur kindgerecht zu vermitteln. Nach der Schwimmeinheit habe ich mich daher oftmals mit Sophie ausgetauscht, die bereits mehr Erfahrung in der Schwimmausbildung hatIch wollte verstehen, wie ich Inhalte besser vermitteln kann.  

Das Highlight war die Seepferdchen Prüfung am Ende des Kurses. Die Kinder mussten allein vom Beckenrand springen und 25m in Bauch- oder Rückenlage schwimmen, wobei vor allem eine sichere Atmung erkennbar sein musste. Außerdem galt es einen Ring aus schultertiefem Wasser heraufzuholen und die Baderegeln zu kennen. 

Die Kinder wurden für das erfolgreiche Ablegen dieser Aufgaben mit einer Urkunde, einem Aufnäher und einer Tüte Süßigkeiten belohnt 

Für Sophie und mich war dies ein sehr schöner Abschluss und die meisten Kinder werden wir in den Freischwimmerkursen der HT16 wiedersehen, da ein Seepferdchen Abzeichen noch nicht ausreicht, um unbeaufsichtigt sicher allein zu schwimmen. 

 


Max Claussen, Digistainable 2018

HINTERGRUND

Das Modul „Sustainability Challenge“ im vierten Semester unseres Studiengangs lässt uns, die Studierenden, selbst aktiv werden und soll uns motivieren, ein selbstgewähltes Thema zu behandeln. Wir definieren eigene Projektaufgaben, die durch die Mitwirkung in einer sozialen Initiative oder Nachhaltigkeitsorganisation bearbeitet werden sollen. Teil des Projekts ist die Reflexion des Erlebten, der gemeinsame Austausch sowie die Inspiration der interessierten Öffentlichkeit. Dabei lernen wir die Herausforderungen unserer Zeit selbst zu erkennen und anzunehmen. Der Ausbruch aus der eigenen Komfortzone ist ausdrücklich erwünscht.

WAS IST DIE HAMBURGER TURNERSCHAFT, DER HT16?

Der HT16 ist einer der ältesten Sportvereine der Welt und hat weit über 5.000 Mitglieder. Er findet sich in den Stadtteilen Hamm, Horn und Billstedt und besitzt drei große vereinseigene Anlagen: das Sport- und Freizeitzentrum am Sievekingdamm, den Sportpark Öjendorf und das HT16 Fitness-Studio.

Unter den Sportarten finden sich unzählige Ballsportarten, aber auch Schwimmen, Triathlon und Kampfsportarten sind dabei. Der Freizeitsport ist breit gefächert vertreten und auch Rehasport findet sich im Angebot wieder.

Neben der natürlich eigenen sportlichen Betätigung werden auch immer wieder Übungsleiter gesucht, also melde dich und werde Teil des HT16!

Erfahre mehr und unterstütze selbst: www.HT16.de


Erfahrungsbericht | Meine Sustainability Challenge bei Oclean

Hamburgs verdreckte Ecken – Zwischen Gold und Spritzen 

Der Studiengang Digitale Transformation und Nachhaltigkeit an der Hamburg School of Business Administration (HSBA) hat einiges mit ihren Studierenden vor. Neue Module, Praktiken und Arbeitsmethoden sorgten unter anderem dafür, dass ich als gestärkte und erfahrenere Person aus den vergangenen Semestern hervorgetreten bin. Wäre das Studium nicht schon herausfordernd genug, startete das Modul „Sustainability Challenge (SC) im vierten Semester. 

Bereits vor Antritt der SC ist mir eine gemeinnützige Initiative über Instagram durch ihre Projekte ins Auge gesprungen. Nämlich mit sogenannten Clean-Ups: Aufräum-Aktionen in Hamburg zum Sammeln von Müll und gleichzeitig von Karmapunkten. Nicht nur die Aktion selbst hat meine Aufmerksamkeit geweckt, sondern die beeindruckende Organisation und Planung darum herum. Es zeigte sich eine starke Community, die über das Diskutieren von Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein hinaus aktiv ist. Alle mit einem gemeinsamen Ziel und, am Ende eines jeden Clean-Ups, mit einem kühlen Getränk in der Hand. 

So fand ich meinen Weg zur gemeinnützigen Organisation Oclean. Bereits der erste digitale Austausch mit Marie, einer der drei Gründerinnen und Schwestern, war äußerst positiv und bereits sehr thematisch geprägt. Ich habe sofort bemerkt: Die Mädels sind mit Herzblut dabei, innerhalb kürzester Zeit ein eingespieltes Team geworden und im Nachhaltigkeitsumfeld von Hamburg fest etabliert. Zwar unterstützen die regelmäßigen Clean-Ups gewissermaßen die musterhafte und funktionierende Stadtreinigung Hamburg, aber in erster Linie geht es darum, gemeinsam als Hamburger Community für unsere Stadt und Umwelt einzustehen. 

Mein erster und wichtigster Clean-Up: 

Wie man es nicht anders von der Oclean Planung kennt, werden die Clean-Ups im Vorfeld über Social-Media angekündigt, @oclean.hamburg, und ein Treffpunkt in Hamburg vereinbart. Ja, vereinbart. Denn jeder Hamburger ist dazu aufgerufen, besonders schmutzige Plätze an Oclean zu reporten, damit ein potenzieller nächsten Clean-Up dort geplant werden kann. Nicht weit vom Treffpunkt entfernt, kamen mir die ersten Personen mit gebrandeten Eimern und Greifzangen entgegen. Keine 100 Meter weiter war ein Informationsstand postiert, an welchem die Organisatorinnen nicht nur das komplette Equipment zum Müllsammeln bereitstellten, sondern auch Personen über die Umweltsituation aufklärten und zum Beispiel Handaschenbecher verteilten. 

Ausgestattet mit Handschuhen, Eimer und Greifzange ging es los. Die ersten Griffe mit der Zange führten ins Nichts. Das kann doch nicht so schwer sein!“, sagte ich mir. Nach weiteren Greifversuchen und einigen wenigen Erfolgen, Zigaretten und Kronkorken aufzuheben, nahm ich mir einen festen Bereich vor. Als damaliger frischer Nichtraucher entstand ein kontroverses Gefühl, während sich mein Eimer mit Zigarettenstummeln füllte, und ich mir gleichzeitig bewusst wurde, wie häufig ich Zigaretten in den vergangenen Jahren auf dem Boden warf. Ein beschämendes Gefühl, wenn man sich ansieht wie 30-50 Personen rund um dich herum allein damit beschäftigt sind, Zigaretten auRitzen und Büschen zu kratzen. 

Diese Bewusstseinsveränderung ist der positivste Aspekt und lässt mich weiterhin Handlungen und Verhaltensweisen erneut hinterfragen. Darüber hinaus waren die Gespräche mit anderen aktiven Helfern oder interessierten Passanten sehr aufschlussreich und informativ. Ein Teil unter Gleichgesinnten zu sein, in welcher eine grundlegend positive Stimmung herrschte, hat mich extrem bereichert und kann ich nur jedem ans Herz legen.  

Es kam nicht selten vor, dass einige erstaunliche Gegenstände gefunden wurden: Vom Ehering bis hin zu Bargeld war alles dabei. Meine „Erfolge“, in diesem Sinne, sind das ausfindig machen von genutzten Drogenspritzen (fürchterlich) und ein Goldarmband am Hamburger Hafen. Ich kann nur sagen, ich werde Oclean weiterhin unterstützen und bin ausgesprochen froh hier meinen Beitrag für die Umwelt zu leisten! 

 


Tim Geringer, Digistainable 2018

HINTERGRUND

Das Modul „Sustainability Challenge“ im vierten Semester unseres Studiengangs lässt uns, die Studierenden, selbst aktiv werden und soll uns motivieren, ein selbstgewähltes Thema zu behandeln. Wir definieren eigene Projektaufgaben, die durch die Mitwirkung in einer sozialen Initiative oder Nachhaltigkeitsorganisation bearbeitet werden sollen. Teil des Projekts ist die Reflexion des Erlebten, der gemeinsame Austausch sowie die Inspiration der interessierten Öffentlichkeit. Dabei lernen wir die Herausforderungen unserer Zeit selbst zu erkennen und anzunehmen. Der Ausbruch aus der eigenen Komfortzone ist ausdrücklich erwünscht.

WAS IST OCLEAN? 

Oclean ist eine im Sommer 2019 gegründete gemeinnützige GmbH mit Sitz in Hamburg. Die Schwestern Hannah, Lena und Marie wollen mit ihren Projekten die Menschen dazu ermutigen, nicht mehr nur über Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein zu diskutieren, sondern einfach mal aktiv zu werden. 

Um dieser Mission nachzukommen veranstaltet Oclean regelmäßige Clean-Ups in ganz Hamburg, für ein gemeinsames und sauberes Hamburg. Oclean sorgt dafür, dass jeder seinen persönlichen Beitrag für eine saubere Umwelt leisten kann. Darüber hinaus organisieren die Schwestern Workshops und Firmen-Clean-Ups, in welchen gezielt auf alltägliche Umweltprobleme und -fragen eingegangen wird. 

Erfahre mehr und unterstützte selbst: www.oclean.hamburg


HafenCity – ein nachhaltiges Stadtkonzept?!

MoinAn was denkst du, wenn du an die HafenCity der Stadt Hamburg denkst?  

Vor ein paar Wochen waren dies noch die Worte, die mir persönlich in den Sinn kamen: 

  • Prestige  
  • Luxuswohnungen 
  • Steuergelder
  • Riesige U-Bahn-Stationen  

Zugegebenermaßen hielt es sich hierbei um meine Vorurteile über den neuen StadtteilNichtsdestotrotz wurde das (Nachhaltigkeits-Konzept der HafenCity bereits vielfach kontrovers diskutiert. Beispielsweise ist im Fazit einer Studie des Hamburger Zukunftsrats aus dem Jahr 2010 folgender Satz zu finden: Die HafenCity ist nicht das strahlende Modellprojekt für vollkommene Nachhaltigkeit, als das die Werbemedien der HafenCity GmbH und des Hamburg-Marketing den Stadtteil gerne herausstellen“ (Menzel, 2010).  

Nun ist die Studie schon zehn Jahre alt und das Projeksowie der Bau entsprechend fortgeschritten – da mag es wertvoll sein, nochmal einen Blick auf die HafenCity zu werfen!

Dieser Beitrag besteht nicht nur aus einer Web-Recherche zur aktuellen Entwicklung des Stadtkonzepts, sondern auch aus meinen Eindrücken einer Führung durch die HafenCity im Oktober 2020Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich euch einen kleinen Eindruck vom HafenCity-Konzept vermitteln, indem ich euch unterteilt nach den drei Säulen der Nachhaltigkeit ausgewählte Projekte und Themen vorstelle.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Im Bereich der ökonomischen Nachhaltigkeit geht es unter anderem um nachhaltiges Wirtschaften. Dazu gehört beispielweise eine Strategie, die es ermöglicht, dass Investitionen nicht auf dem Rücken zukünftiger Generationen getätigt werden – bei der also keine bis wenige Schulden aufbaut werden (Schulz 2020) 

Wie sieht es bei der HafenCity mit den Themen Investitionen und Schulden ausBereits 1991 begann die Stadt Hamburg mit dem stückweisen Rückkauf der Grundstücke des Freihafens. Dieser gehörte somit vor Planungs-/ Baubeginn größtenteils der Stadt, die dann „ungestört“ Europas größtes Stadtentwicklungsprojekt planen konnte. Überwiegend finanziert wird das gesamte Bauvorhaben nicht aus Steuergeldern, sondern aus den Grundstücksverkaufserlösen eben dieser sich im städtischen Eigentum befindlichen Grundstücke. Die für die Stadtteilentwicklung zuständige HafenCity Hamburg GmbH beschäftigt sich im Namen der Stadt mit Entwicklungstätigkeiten (bspw. Infrastrukturplanung)die Grundstücke selbst werden dann aber an (private) Bauherren verkauft. Somit finanziert sich das Stadtprojekt im Grunde genommen selbst (HafenCity 2020a, HafenCity 2020b).

Ökologische Nachhaltigkeit

Bei der ökologischen Nachhaltigkeit geht es im Allgemeinen um den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser, Energie und endlichen RohstoffenZudem sollen Schäden am Ökosystem durch die Förderung von Biodiversität vermieden werden (Schulz 2020).  

An dieser Stelle möchte ich mit euch einen Blick auf die Gebäude der HafenCity werfen. Bauvorhaben, die bis zum Jahr 2007 bereits final unterzeichnet waren, unterlagen hinsichtlich der Nachhaltigkeit tatsächlich nur rechtlichen Baubestimmungen, wie beispielweise der Energie-einspar-Verordnung. Ein spezifischer Fokus der HafenCity auf Nachhaltigkeit in der Vergabe der Bauprojekte war nicht zu erkennen (Menzel 2020). Doch das änderte sich mit der Einführung eines eigenen Umweltzeichens der HafenCity, dem ersten Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen in DeutschlandDurch das Umweltzeichen wird sichergestellt, dass die Gebäude im besonderen Maße nachhaltige Konzepte verfolgen, da es Voraussetzung und Kriterium für die Auswahl der Bauvergaben ist (2020c).  

Zusätzlich gibt es auch besondere Konzeptgebäude wie ein Cradle-to-Cradle Wohnhochhaus und ein „Null-Emissionen“ Gebäude , welches der neue Unternehmenssitz der HafenCity Hamburg GmbH wird.  

Dennoch ist die HafenCity nicht perfekt. Erschreckt hat mich persönlich, dass trotz allem Fokus auf Nachhaltigkeit in der HafenCity ein neuer Kreuzfahrtterminal entsteht. Ziel dahinter ist natürlich, dass ankommende Touristen direkt in der erweiterten Innenstadt ankommen und konsumieren können. Zwar verweist die HafenCity Hamburg GmbH auch auf alternative Antriebe wie LNG und die Einplanung der Emissionen in naheliegende Gebäudekonzepte  (HafenCity2020d) – dennoch scheint das Ganze nicht unbedingt zusammenzupassen.

Soziale Nachhaltigkeit

Soziale Nachhaltigkeit stellt den Menschen in den Mittelpunkt (Schulz, 2020)Der reine Bau von Prestigewohnungen würde dieser Grundsäule widersprechen – aber was sind überhaupt die Wohnkonzepte der HafenCity 

Insgesamt soll die HafenCity 16.000 Menschen ein Zuhause bieten. Dabei werden Miet- und Eigentumswohnungen in unterschiedlichen Preisniveaus angeboten. Die HafenCity Hamburg GmbH gibt an, dass die Mieten „durchschnittlich um 2–3 /qm höher als in vergleichbaren frei finanzierten Neubauten der inneren Stadt sind“ (HafenCity 2020e). Ausgenommen ist hier der geförderte Wohnungsbau, für diesen werden aufgrund der gestiegenen Miet- und Kaufpreise seit 2011 ein Drittel der Wohnbaugrundstücke ausgeschrieben (Geförderte Wohnungen liegen bei 6,50 /qm - 13,00 /qm) (2020e). Der Guide in der Führung erzählte, dass zudem Bauprojekte bevorzugt werden, die soziale Nachhaltigkeit direkt fördern. Er nannte beispielsweise ein Inklusions-Studentenwohnheim bei dem Studenten ohne Behinderung zusammen mit jungen Menschen mit Behinderung wohnen und ein Wohnhaus einer Baugemeinschaft, bei der die einzelnen Bewohner gemeinsam am Plan ihres neuen Wohnhauses beteiligt waren. Mehr zum Thema Wohnen in der HafenCity findet ihr hier.

Ist die HafenCity nun ein nachhaltiges Stadtkonzept?

Um eine fundierte Aussage über die Nachhaltigkeit der HafenCity zu treffen, ist dieser Blogbeitrag sicherlich nicht ausreichend. Doch das war auch nicht zwingend mein ZielMein persönlicher Eindruck ist, dass in der HafenCity schon einige spannende nachhaltige Ideen und Konzepte umgesetzt werden und nicht nur darüber geredet wird! Toll finde ich auch, dass sich jeder kostenlos über Führungen oder einen Besuch im Osaka Nachhaltigkeits-Pavillon über das Stadtkonzept informieren kann (genaueres hier). Vielleicht habe ich den ein oder andern dazu motiviert die Thematik nochmal genauer zu betrachten. Meine Vorurteile habe ich durch genaueres Hinschauen auf jeden Fall hinterfragt und meine Meinung angepasst! Vielleicht habe ich nun auch dein Interesse für die HafenCity geweckt?

 

Viel Spaß beim Erkunden!  

Susanne EngelhardtDigistainable 2019 

 

Quellen:

HafenCity. 2020a. „Daten & Fakten zur HafenCity Hamburg“. https://www.hafencity.com/de/ueberblick/daten-fakten-zur-hafencity-hamburg.html. zugegriffen am 26.10.20. 

HafenCity. 2020b. “Chronik der HafenCity“. https://www.hafencity.com/de/chronik-der-hafencity.html. zugegriffen am 26.10.20. 

HafenCity. 2020c. „Ein Zeichen für die die Nachhaltigkeit: Das Umweltzeichen HafenCityhttps://www.hafencity.com/de/konzepte/ein-zeichen-fuer-die-die-nachhaltigkeit-das-umweltzeichen-hafencity.html. zugegriffen am 26.10.20. 

HafenCity. 2020d. „Kreuzfahrtterminal: reduzierte Emissionen in der HafenCityhttps://www.hafencity.com/de/konzepte/kreuzfahrtterminal-reduzierte-emissionen-in-der-hafencity.html. zugegriffen am 26.10.2020. 

HafenCity. 2020e. „Was kostet Wohnen in der HafenCity?”https://www.hafencity.com/de/faq-wohnen-arbeiten/was-kostet-wohnen-in-der-hafencity-.html. zugegriffen am 26.10.2020. 

Menzel, Jochen. 2010. „Wie nachhaltig ist die HafenCity Hamburg?. Hamburger Zukunftsrat. https://www.zukunftsrat.de/fileadmin/pdf/stadtentwicklung/2010_hafencity_kurzstudie_ZR.pdfzugegriffen am 29.10.20. 

Schulz, Sven Christian. 2020. „Drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Wirtschaft und Soziales“. https://utopia.de/ratgeber/drei-saeulen-der-nachhaltigkeit-modell/zugegriffen am 26.10.20


Erfahrungsbericht | Meine Sustainability Challenge bei der Sprachbrücke-Hamburg e.V.

Anfang September stehe ich nun endlich vor den Menschen, die ich seit April jede Woche digital getroffen und kennengelernt habe. Strahlende Gesichter, lautes Geschnatter und Verständigung auf Deutsch mit Händen und Füßen. 
Das sind wir gewohnt, denn wir sind eine Gruppe, von Sprachbrücke-Hamburg e.V.  Wir als Gruppen haben uns digital gefunden, um Stück für Stück Deutsch zu lernen mit vor allem dem Ziel die Alltagssprache zu verbessern.

Nach guten 5 Monaten Kennenlernen konnten wir es nun nicht mehr aushalten und haben unser wöchentlich digitales Mittwochsabend stattfindendes Treffen zu den Landungsbrücken verlegt. 
An diesem Nachmittag und Abend spazieren wir durch den Elbtunnel. Dabei unterhalten wir uns über Hamburg, Ebbe und Flut, die Tiefe des Elbtunnels und bestaunen den Blick auf die Hamburger Skyline. Aber wie sind wir zu diesem Punkt gekommen. 

Ich spul mal kurz zurück.
Ich bin Johanna, 27 Jahre alt und Duale Studentin des Studiengangs Digital Transformation & Sustainability an der HSBA. In unserem Modul Sustainability Challenge habe ich mich dafür entschieden als Gesprächsleiterin bei Sprachbrücke-Hamburg e.V. mich zu engagieren. 
Ein Engagement, dass die Kommunikation in den Vordergrund stellt, konnte ich mir für die Challenge gut vorstellen. Noch dazu der Kontakt zu Menschen aus unterschiedlichen Kulturen machte mich einerseits nervös andererseits aber auch neugierig. 
Voller guter Vorsätze kontaktiere ich in den ersten Januarwochen das Team-Büro von Sprachbrücke-Hamburg e.V. und wurde herzlichst begrüßt. 

Es folgte eine Vorbereitungsphase-  noch vor Corona – ein Infoabend mit vielen Tipps, wie man am besten Gesprächsrunden leitet, ein Beratungsgespräch mit der Projektverantwortlichen, um meine persönlichen Fragen zu klären und einige Organisationstelefonate zur Abstimmung der ersten Hospitationen bei anderen Gesprächsrunden. 
Mir fiel hierbei vor allem auf, dass mein junges Alter ungewöhnlich für die Projektleiterinnen war.
Das wunderte mich einerseits – engagieren sich Mitte-zwanzig-Jährige nicht mehr in der Gesellschaft? – andererseits motivierte es mich auch, weil ich gerne zeige, dass unsere Generation verantwortungsbewusst und empathisch Gesprächsrunden leiten kann. 
Mit der Corona Krise, die die Organisation überraschte, wurde der anfängliche Plan über Bord geworfen Face 2 Face Gruppen zu leiten Der Schock wurde schnell überwunden und die pragmatische Art der Organisation zeigte sich nun von Vorteil. Agilität durch flexible Strukturen und ein starkes Netzwerk. Das kam mir aus dem Studium bekannt vor und zeigte sich genau jetzt. 
Das Team Büro fing nach nur zwei Wochen CoronaLockdown wieder an Gesprächsleiter für diesmal digitale Gesprächsrunden zu suchen.
Gut, dass wir auch Digitale Transformation studieren. Ich meldete mich als eine der Ersten, digitale Gesprächsrunden zu leiten.  Nach einer Tool-Einführung und einem Austausch mit anderen Online-Gesprächsleitern wurde ein fester Link erstellt mit dem es nun jeden Mittwoch um 18:00 Uhr heißt, einloggen und schnacken. 
Die Startphase war abwechslungsreich –  viele unterschiedliche Teilnehmer, viele Erfahrungswerte und viele Faktoren die die Moderation einer solchen Runde beeinflussen. Noch dazu sprang mein Gesprächsleiter Partner ab und ich bekam zum Glück eine herzliche tolle neuen Partnerin an die Hand. 
Inzwischen hat sich eine feste Gruppe von drei Frauen und einem Mann etabliert. Eine Iranerin, eine Argentinierin, eine Lettin und ein Chinese sind inzwischen zu guten Bekannten geworden, über die man den Job, die Familiensituation und natürlich die Corona-Situation kennt. Inhatlich arbeiten wir pro Woche mit einem Fokus Thema, zu dem wir uns austauschen. Das hilft das Gespräch tiefer zu gestalten und das Wort immer Mal an unterschiedliche Personen geben zu können. So kenn ich nun von unseren 4 Teilnehmern das Lieblingsessen, die Art wie man in ihren Ländern heiratet oder auch übersetzte Sprichwörter. Kleine Anekdoten, wie das die Iranerin es an ihrem ersten Nikolaus in Deutschland eine Frechheit fand, dass ihre Nachbarin ihr ein Geschenk vor die Tür gelegt hatte und dies noch nicht mal persönlich übergeben hat, sind die vielen Beispiele die unsere Gespräche so lebhaft und lustig machen.  

Aber was habe ich nun alles gelernt und was nehme ich mit?
Erstens, sprachlich: Verwandtschafts-Grade auf Deutsch zu lernen ist eine riesen Hürde (sind Tanten immer die Ehefrauen der Onkels?), nur noch schlimmer ist es deutsche Verben konjugieren lernen zu müssen. 
Zweitens, persönlich: Kontinuität beim Ehrenamt ist das allerwichtigste. Teilnehmer möchten mit Dir und nicht irgendjemandem sprechen. Vertrauen und Authentizität erleichtern es für die Gruppe eine angenehme leichtfallende Gesprächsatmosphäre zu generieren
Drittens, kulturell: Von Traditionen, Blickwinkeln und kultureller Vielfalt zu erfahren zeigt mir immer wieder wie Vielfältig unsere Welt ist und wie tolle unterschiedliche Ebenen es gibt. Und noch dazu, ist es für mich das beste Pflaster gegen das akute Fernweh, welches auf jeden Fall zu Zeiten von Corona wächst.
Viertens, gesellschaftlich: Ein Verein der auf Ehrenamt basiert ist richtig gefordert und hinter wirklich allem steckt viel mehr Aufwand als man glaubt. Hierfür ein riesen Dank an das Team Büro. Und wie schön ist es, dass es weiterhin das Bedürfnis von Menschen gibt, sich auch persönlich zu sehen und miteinander zu sprechen. Das persönliche Treffen hat uns in der Gruppe noch viel enger zusammengebracht.  

Für mich als Fazit: Eine Stunde die Woche bringt so viel Abwechslung und Freude in mein Leben. Das ist eine sehr gut investierte Stunde für mich und auch für die Teilnehmer der Sprachbrücke eine Bereicherung auf sozialer und sprachlicher EbeneEs ist so inspirierend ein Teil davon zu sein.  

 


Johanna Kröger, Digistainable 2018

HINTERGRUND

Das Modul „Sustainability Challenge“ im vierten Semester unseres Studiengangs lässt uns, die Studierenden, selbst aktiv werden und soll uns motivieren, ein selbstgewähltes Thema zu behandeln. Wir definieren eigene Projektaufgaben, die durch die Mitwirkung in einer sozialen Initiative oder Nachhaltigkeitsorganisation bearbeitet werden sollen. Teil des Projekts ist die Reflexion des Erlebten, der gemeinsame Austausch sowie die Inspiration der interessierten Öffentlichkeit. Dabei lernen wir die Herausforderungen unserer Zeit selbst zu erkennen und anzunehmen. Der Ausbruch aus der eigenen Komfortzone ist ausdrücklich erwünscht.

WAS IST DIE SPRACHBRÜCKE-HAMBURG?

Die Sprachbrücke-Hamburg e.V. bietet kostenlosen Gesprächsrunden auf Deutsch für Zugewanderte. Die Gesprächsrunden fördern den alltagsnahen Sprachgebrauch, erweitern den Wortschatz, geben Orientierungshilfe und Einblicke in die deutsche Kultur. Dabei verbindet sie Theorie und Praxis: Statt Vokabeltest und Grammatikprüfung zählt hierbei die Unterhaltung – das Zuhören, Erleben und Gebrauchen von Sprache. Es werden immer viele Gesprächsleiter gesucht, also melde dich und werde Teil von Sprachbrücke-Hamburg e.V.!

Erfahre mehr und unterstütze selbst: https://www.sprachbruecke-hamburg.de/ 


Review der "Out of Office"-Ausstellung

Das Museum der Arbeit in Barmbek in Zusammenarbeit mit dem Bucerius Lab präsentierten in der Zeit vom 7. November 2018 bis 19. Mai 2019 eine Ausstellung, die den Namen „Out of Office“ trug. Diese Ausstellung sollte zeigen, wie künstliche Intelligenz und Robotik unsere Arbeit, aber auch das tägliche Leben verändern können. Der technologische Fortschritt des 21. Jahrhunderts und die damit verbundene industrielle Revolution schreitet uneingeschränkt voran. In fast jeder Branche werden Prozesse automatisiert und damit Arbeitsvorgänge effizienter gestaltet. (Museum der Arbeit 2020)

Am 9. Mai 2019 durften wir uns selbst ein Bild davon machen und die Ausstellung besuchen. Die Ausstellung zeigte anhand 11 Stationen, welche fundamentalen Umbrüche durch Künstliche Intelligenz und Roboter teilweise bereits stattfinden und welche uns in Zukunft noch bevorstehen können. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ und wie gehen wir damit um, wenn wir uns in Zukunft die Arbeit mit Maschinen teilen? Werden wir als Menschen überhaupt noch gebraucht, oder wird die Arbeit komplett durch Maschinen ersetzt werden können? Es ist verständlich, dass die Fragen vielen Menschen aufgrund der Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz Kopfschmerzen bereiten.

Die kurze Antwort auf „was Künstliche Intelligenz“ ist, dass es darauf ankommt, wen man fragt. Ein Laie mit einem flüchtigen Verständnis von Technologie würde sie mit Robotern in Verbindung bringen. Sie würden sagen, dass die Künstliche Intelligenz eine endzeitähnliche Gestalt ist, die selbständig handeln und denken kann. Wenn man einen KI-Forscher nach künstlicher Intelligenz fragt, würde er sagen, dass es sich dabei um eine Reihe von Algorithmen handelt, die Ergebnisse produzieren können, ohne dass sie explizit dazu angewiesen werden müssen. (Schmieder 2019)

Zusammengefasst bedeutet künstliche Intelligenz also:

  • Eine von Menschen geschaffene intelligente Einheit.
  • In der Lage, Aufgaben intelligent auszuführen, ohne explizit angewiesen zu werden.
  • In der Lage, rational und menschlich zu denken und zu handeln.

Ziel der Ausstellung ist es, die Dimension der Veränderung zu erkunden und eine Orientierung in der Diskussion zu geben. Welche Folgen hat es, dass Maschinen schon heute Daten im großen Maße verwalten und dem Menschen zunehmend das Denken abnehmen? Schon jetzt leben wir mit KIs zusammen – sie stecken in Smartphones und verstehen unsere Sprache, sie beobachten uns im Internet, montieren unsere Autos, bewerten im Auftrag von Versicherungen unsere Gesundheit, spekulieren mit unserem Geld. (Museum der Arbeit 2020)

 

Fest steht: Die künstliche Intelligenz ist nicht dazu da, uns zu ersetzen. Sie erweitert unsere Fähigkeiten und macht uns besser in dem, was wir tun. Weil KI-Algorithmen anders lernen als Menschen, sehen sie die Dinge anders. Sie können Beziehungen und Muster erkennen, die uns entgehen. Diese Partnerschaft zwischen Menschen und KI bietet viele Möglichkeiten. Das kann sie:

  • Analytik in Industrien und Bereiche bringen, in denen sie derzeit nicht ausreichend genutzt wird.
  • die Leistung bestehender Analysetechnologien verbessern.
  • wirtschaftliche Barrieren, einschließlich Sprach- und Übersetzungsbarrieren abbauen.
  • vorhandene Fähigkeiten erweitern und uns besser machen in dem, was wir tun.
  • sie geben uns ein besseres Sehvermögen, ein besseres Verständnis, ein besseres Gedächtnis und vieles mehr.

Durch die Digitalisierung, Roboter und KI stehen wir vor einer neuen Stufe des Wandels. Sie hat das Potenzial, die Infrastruktur der Arbeitswelt fundamental zu verändern – sowohl zum Positiven als auch Negativen. Die künstliche Intelligenz wird jede Branche verändern, aber wir müssen ihre Grenzen verstehen. Die prinzipielle Begrenzung der KI besteht darin, dass sie aus den Daten lernt. Es gibt keine andere Art und Weise, wie Wissen einbezogen werden kann. Das bedeutet, dass alle Ungenauigkeiten in den Daten sich in den Ergebnissen widerspiegeln werden. Und alle zusätzlichen Schichten der Vorhersage oder Analyse müssen separat hinzugefügt werden.

Die heutigen KI-Systeme sind für eine klar definierte Aufgabe ausgebildet. Das System, das Poker spielt, kann weder Solitär noch Schach spielen. Das System, das Betrug aufdeckt, kann nicht Auto fahren oder eine Rechtsberatung geben. Tatsächlich kann ein KI-System, das Betrug im Gesundheitswesen aufdeckt, nicht genau Steuerbetrug oder Betrug bei Garantieansprüchen aufdecken. (Kärner 2018)

Mit anderen Worten, diese Systeme sind sehr, sehr spezialisiert. Sie konzentrieren sich auf eine einzige Aufgabe und sind weit davon entfernt, sich wie Menschen zu verhalten. Wir brauchen uns also keine Sorgen machen, dass KI oder Roboter uns als Menschen ersetzten, jedoch sollten wir uns an eine gemeinsame Zukunft gewöhnen.

 

Hashtags:

#artificalintelligence #KI #Robotik #Internetofthings #maschinellesLernen #deepLearning #Industrie4.0 #Alexa #BigData #transformation #futurework

 

Isabelle Eckartz, Digistainable 2018


Quellen:

Kärner, Kevin. 2018. Digitale Wirtschaft : Wie künstliche Intelligenz und Robotik unsere Arbeit und unser Leben verändern. Frankfurt am Main, 22. Mai.

Museum der Arbeit. 2020. Out of Office. 19. März. Zugriff am 3. Oktober 2020. https://www.outofoffice.hamburg.

Schmieder, Vanessa Carolin. 2019. Künstliche Intelligenz als Substitut menschlicher Arbeit – Die Zukunft mittelständischer Verwaltungsprozesse im Kontext der Digitalisierung. Wiesbaden: Springer Gabler.


Ist Nachhaltigkeit messbar?

Aufgrund der zunehmenden Erkenntnis eines kaum revidierbaren Klimawandels durch menschliche Einflüsse, sind Politik und Gesellschaft gezwungen sich heutzutage verstärkt mit den daraus resultierenden Konsequenzen zu beschäftigen. Verhandlungen über ein effizientes, gerechtes und durchsetzbares Abkommen über Emissionsreduktionen und sozialer Gerechtigkeit auf globaler Ebene scheiterten Jahrzehnte lang. Mit der Agenda 2030 haben die Vereinten Nationen im September 2015 erstmals Entwicklungsziele für alle Staaten verabschiedet. Im Mittelpunkt der Agenda steht ein ehrgeiziger Katalog mit den 17 sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs).

 

Die zentrale Frage der Nachhaltigkeitspolitik und der festgehaltenen Maßnahmen, ist die Messbarkeit. Dieser Aufgabe haben sich bereits viele Organisationen und Unternehmen gestellt, indem sie Messinstrumente für nachhaltiges Handeln entwickelt haben. Die Organisationen oder Unternehmen nutzen verschiedene Daten, zum Beispiel Länder- oder Kundendaten, als Basis für diese Messinstrumente und zeigen als Ergebnis die Auswirkungen nachhaltigen oder nicht nachhaltigen Handelns.

 

Die Herausforderungen für die Messbarkeit von Nachhaltigkeit beginnen bereits bei der Definition dessen, was als Nachhaltigkeit verstanden wird. Denn sowohl Unternehmen als auch Organisationen haben bis heute keine globale, einheitliche Definition von Nachhaltigkeit und Messung entwickeln können (vgl. Singh et al. 2009, 191). Das macht die Vergleichbarkeit und Überprüfungen der jeweiligen Messungen schwierig. Hinzukommen fehlende Daten oder deren schlechte Qualität, unterschiedliche Methoden und Indikatoren, die dazu führen, dass Nachhaltigkeit derzeit nicht einheitlich und ganzheitlich gemessen wird. Dementsprechend sind auch bisherige Bemühungen zur Messung von Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Und doch haben heutige Messungen und ihre Ergebnisse hohe Relevanz für die politische und gesellschaftliche Entscheidungsfindung.

 

Im Modul „Forschungsprojekt“ haben wir daher die Zeit genutzt, um uns mit der Messung von Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Dafür haben wir Messinstrumente, die sich mit Nachhaltigkeit im Sinne der ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte auseinandersetzen, freizugänglich sind und entweder Länderübergreifend oder für den Einzelnen zugänglich sind.

Messinstrumente für Länder Messinstrumente für den Einzelnen
Ecological Footprint Explorer Global Footprint Calculator
SDG Index & Dashboard Footprint Calculator
SDG Tracker Werde Klimatarier
Environmental Performance Index Ein guter Tag
Climate Action Tracker Henkel Footprint Calculator
CoolClimate Calculator

 

Für die genannten Messinstrumente wurde eine Nutzwertanalyse durchgeführt, deren Bewertungskriterien die folgenden waren:

  • Konstruktvalidität
    • Welche Aspekte der Nachhaltigkeit wurden betrachtet
    • Wie detailliert wurden die Aspekte beleuchtet
  • Datenqualität
    • Datenaktualität
    • Einsicht und Zugänglichkeit der Daten
    • Wissenschaftlichkeit der Datenquellen
    • Anzahl der verwendeten Quellen
  • Transparenz der Methodik
  • Bezug zu den SDGs
  • Usability des Messinstruments
  • Transferpotenzial

Auf Basis der Nutzwertanalyse wurde bestätigt, dass es kein einheitliches Verständnis und somit Zielbild für Nachhaltigkeit gibt, was sehr kritisch zu bewerten ist. Auf ein Zielbild hinzuarbeiten, das nicht einheitlich ist und verschiedene Aspekte incentiviert, macht eine globale Sichtbarkeit und Transparenz von nachhaltigem Verhalten und Erreichen der SDGs zunehmend schwierig.

Auf Individuen-Ebene überzeugte der Global Footprint Calculator, und auf Länder-Ebene der SDG Index & Dashboard. Dabei ist auffällig, dass alle Messinstrumente auf der Ebene des Einzelnen besser abschneiden in den Bereichen „Usability“, „Transferpotenzial“, wobei hier die Schwächen der Länder-Messinstrumente liegen, die hingegen bei „Datenqualität“ und „Konstruktvalidität“ überzeugen. Eine Zusammenarbeit und Austausch wäre somit neben der Verbesserung der Datenqualität und einheitlichen Verständnisbildung sinnvoll.

Insgesamt müssen bisherige Bemühung vorhandener Messinstrumente gewürdigt werden, Nachhaltigkeit messbar zu machen. Denn auch wenn sie noch großes Potenzial für Verbesserung aufweisen, versuchen sie sich der Thematik anzunehmen. Während der Erstellung der Arbeit wurde deutlich, dass dies ein mitunter zähes Unterfangen sein kann und es viele Hürden für Nachhaltigkeitsforschung gibt, wie fehlende Daten und mangelnde Datenqualität, uneinheitliche Definitionen, eine Vielzahl an verwendeten Messmethodiken und einen immer drängenderen Bedarf für fundierte Messinstrumente, die die richtige Entscheidungsgrundlagen für nachhaltige Entscheidungsfindung liefern können. Doch bereist Nelson Mandela wusste: „It always seems impossible until it’s done.“

 

Lisa Frommhold, Digistainable 2018


Bild:

Beispiel des besten Individuum-Messinstruments – https://www.footprintcalculator.org/food1


Wie nachhaltig sind Kryptowährungen?

Die Leitwährung der Kryptowährungen, der Bitcoin, hat bereits öfters mit einem hohen Energieverbrauch für negative Schlagzeilen gesorgt. Aktuell liegt der Verbrauch bei 46 Terawattstunden im Jahr. Das ist in etwa so viel, wie das 11 Millionen Einwohnerland Jordanien.[1] Weiterhin ist anzumerken, dass dies lediglich der Energiebedarf von Bitcoins ist. Der große Energiebedarf unterliegt dem Funktionsprinzip der Bitcoins, dem “Proof-of-Work” Verfahren. Im Grunde genommen, gibt es die Bitcoins als Belohnung für das Lösen von mathematischen Aufgabenstellungen mithilfe von Rechenleistung. Dies wird im Fachjargon “Mining” genannt. Das Lösen dieser Aufgaben ist notwendig, um Transaktionen innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes zu verifizieren. Ohne diese würde das Netzwerk wiederum anfällig werden für Manipulationen und der Nutzen des Bitcoins wäre nicht mehr gegeben. Das bedeutet, dass mit einer jeden Transaktion eine hohe Rechenleistung abverlangt wird von einer Vielzahl an Rechnern, um die einzelne Transaktion zu verifizieren. Die potenten Rechner dahinter müssen also mit umweltbelastender Energie unterhalten werden, was den Bitcoin nicht sehr nachhaltig darstellen lässt.

 

Mit einer Marktkapitalisierung von über 60 % ist der Bitcoin zurzeit die Leitwährung, da dieser Pioniersaarbeit im Bereich der Kryptowährungen geleistet hat. Doch mittlerweile sind weiterentwickeltere Währungen wie Ether hinzu gekommen. Ether ist nahezu bei einer Marktkapitaliserungsquote von 13 % und stellt damit die zweitgrößte Kryptowährung dar.[2] Noch setzt auch Ether auf das Proof-of-Work Verfahren, wenn auch mit einem effizienteren und damit halb so hohen Energieverbrauch wie der Bitcoin. Um diesen Verbrauch noch weiter zu senken, sind neue Verfahren entstanden. Ether hat aus diesem Grund angekündigt auf das “Proof-of-Stake” Verfahren zu wechseln. Dadurch ist eine Verifizierung nicht mehr durch eine hohe Anzahl an Teilnehmern von Rechnern notwendig, sondern lediglich von einem durch Zufall ausgewähltem. Um eine Manipulation auch durch den einen Teilnehmer zu verhindern, muss dieser Ether als Pfand hinterlegen. Wird eine Manipulation entdeckt, wird der Pfand einbehalten. Dadurch kann der Energiebedarf um 99 % gesenkt werden und stellt eine nachhaltige Alternative zu den existierenden realen Währungssystemen dar.[3]

 

Der Nutzer selbst hat folglich die Möglichkeit Einfluss auf den Nachhaltigkeitsaspekt von Kryptowährungen zu nehmen. Weiterhin ist eine Regulierung bereits seit längerem ein politisches Thema. Eine große Hürde stellt die zwingend notwendige Zusammenarbeit aller Länder der Welt dar. Denn durch die digitale Beschaffenheit der Kryptowährungen sind länderspezifische Regulierungen kaum wirksam. Günstige Energiekosten sind ein starker Anreiz für die Wahl eines Mining-Standortes. Zwei Drittel der Rechenleistung soll somit aus asiatischen Ländern kommen, wo erneuerbare Energien noch nicht weit verbreitet sind.[4] Können sich die neueren Kryptowährungen und Verfahren durchsetzen, so kann der Nachhaltigkeitsaspekt des Währungshandels stark verbessert werden. Auch ist zu beachten, dass die digitalen Währungen im Vergleich zu den real existierenden keines energiebedürfigen Intermediär wie bspw. einer Bank bedürfen und somit als nachhaltige Alternative zu den reellen Währungen zu betrachten sind.

 

Dominik Winkel, Digistainable 2018


Quellenangaben:

[1] https://www.ingenieur.de/technik/forschung/bitcoin-produktion-verbraucht-fast-so-viel-strom-wie-irland/ (28.7.2020)

[2] https://coinmarketcap.com (Stand 20.9.2020)

[3] https://t3n.de/news/ethereum-energieverbrauch-senken-1135664/ (7.1.2019)

[4] https://www.ingenieur.de/technik/forschung/bitcoin-produktion-verbraucht-fast-so-viel-strom-wie-irland/ (28.7.2020)

 

Photo von Taylor VickUnsplash


Buchtipp: Dave Eggers – The Circle

Unser erster Buchtipp aus dem DTS 2018. Innerhalb unseres Studiums lesen wir sehr viele wissenschaftliche Arbeiten und Texte, doch auch hier hilft der Blick über den Tellerrand, um sich mit Zukunftsszenarien auseinander zu setzen. Deshalb möchten wir Euch heute das Buch „The Circle“ von Dave Eggers vorstellen und empfehlen.

„The Circle“ – ein Buch, dass Dave Eggers bereits 2013 veröffentlicht hat und durch die Verfilmung mit Emma Watson und Tom Hanks in den Hauptrollen noch einmal erneut Aufmerksamkeit erhalten hat. Zusammengefasst geht es darum wie die Internetfirma „The Circle“ nicht nur seine Mitarbeiter durch die Grenzenlosigkeit des Netzes und sozialer Medien beeinflusst, sondern auch seine Kunden und letzten Endes auch die Weltpolitik. Mae, eine eher hoffnungslose junge Frau bekommt durch die Hilfe ihrer Studienfreundin Annie die Chance für „The Circle“ zu arbeiten. Das hippe, trendige Unternehmen, das alles und noch mehr für seine Mitarbeiter und Kunden tut. Oberste Maxime soll sein, allen Menschen die gleichen Möglichkeiten und Erlebnisse zu ermöglichen. Die drei Charaktere, die das Unternehmen leiten sind dabei entscheidend. Der Gründer und Herz des Unternehmens, möchte das Internet für etwas positives nutzen, den Menschen „echten“ Mehrwert bringen. Doch im Verlauf des Buches, bekommt diese Grundidee einen ziemlich bitteren Beigeschmack. Denn was ist „echter“ Mehrwert durch eine Internetfirma? Und können Menschen mit weniger Möglichkeiten an den Erlebnissen anderer durch Social Media wirklich „teilhaben“?

Für mich haben sich einige Gedanken ergeben, die ich gerne mit Euch teilen möchte und die sich schlecht in einem vollständigen, runden Satz oder Text bringen lassen, deshalb geht es jetzt etwas stichpunktartig weiter:

„The Circle“ ist eine mächtige Firma, die durch den Wunsch nach Perfektion und Vollendung strebt. Perfektion und Vollendung sind nicht schlecht, aber das, was das Ganze problematisch macht, ist, dass „The Circle“ jedem Menschen das Recht einräumt, zu wissen. Das Recht eines jeden sollte es sein, alles über jeden zu wissen. Jemandem etwas nicht zu erzählen, es nicht zu teilen, ist Diebstahl. Nur wer wissen kann, kann vollkommen sein. Nur wenn alle alles wissen können, ist die Welt gerecht, gut und gesund. Die Grundidee ist, dass man durch das Teilen positive Erfahrungen und Erlebnisse mit anderen Menschen hat, und durch Überwachung keine schlechten Dinge tut, weil andere dann wissen würden, was man getan hat. Privat bleiben oder sein, ist Diebstahl. Wählen ist Pflicht. Überwachung ist notwendig. Wissen ist nicht nur Macht, sondern Menschenrecht.

Es gibt sicherlich viele Punkte, an denen man ansetzen kann, um dieses Buch zu empfehlen. Für mich war am spannendsten, dass auf dem Weg zum vollkommenen „Alles-Wissen-können“ drei Aspekt im Vordergrund standen:

  1. Man will nicht alles wissen, wie Mae’s Eltern oder Ex-Freund.
  2. Alles wissen zu können oder zu haben, kann unglaublich ermüdend und langweilig sein, so wie die Textpassagen, in denen Mae ihre sozialen Netzaktivitäten beschreibt (Auf den Kommentar antworten, in der Gruppe posten, etc.). Das ist langweilig. Das Buch beschreibt das hervorragend. Das echte Leben leben ist spannend und lebendig. Kommentare schreiben und lesen eher weniger.
  3. Man kann nicht alles wissen.

Der Aspekt des Wissens steht für mich – offensichtlich – im Mittelpunkt des Buches. Die Überwachung macht natürlich Angst und beklemmt, aber um diesen Eintrag nicht ausufern zu lassen, bleibe ich zunächst beim Wissen. Lest das Buch und wenn Ihr das anders seht, lasst uns dazu gerne diskutieren!

Von den genannten Punkten ist für mich der dritte der relevanteste. Man kann nicht alles wissen. Egal, wie viel sozialen Druck „The Circle“ erst auf seine Mitarbeiter und dann seine Kunden und die Politiker ausübt, mit der Begründung, nur wer alles weiß, kann gut sein, nur wer alles teilt, ist gut – man kann nicht alles wissen. Unser Gehirn ist sicherlich im Stande, mehr Wissen anzuhäufen, als wir ihm zumuten, aber man kann nicht wirklich wissen und Sicherheit in all unsere Fakten setzten. Und nicht alle können alles wissen. Denn generelles Wissen ist schon aufgrund unserer unterschiedlichen Wahrnehmung nicht möglich (Hier empfiehlt sich das Buch von Daniel Kahnemann „Thinking fast, thinking slow“). Wir nehmen alle unterschiedlich wahr und bilden uns daraus unsere subjektive Wahrheit und wir können nie wissen, was der andere als Wahrheit oder Wissen definiert beziehungsweise weshalb. Es gibt kein absolutes Wissen und keine absolute Wahrheit. Das Ganze passt nämlich hervorragend zu Kants elementarer Frage: „Was kann ich wissen?“ Und das ist der Grund, weshalb ich jedem dieses Buch empfehlen kann. Das Buch setzt sich aus meiner Sicht mit den elementarsten philosophischen Fragen auseinander. Oder anders gesagt, es gibt mir als Leser den Raum, die Fragen zu stellen und ich bin meinen Antworten auf diese Fragen ein bisschen näher gekommen:

Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? (Kant)

Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, würde ich diese Fragen folgend beantworten (das heißt nicht, dass ich es immer so tun würde oder dass das meine festen Antworten sind, sondern möchte lediglich zum Nachdenken anregen)

Was kann ich wissen? Man kann nicht absolut wissen. Es gibt keine absolute Wahrheit und es hat nichts mit Vollkommenheit zu tun, nach vollkommendem Wissen zu streben. Denn Vollkommenheit ist erstens subjektiv und für jeden etwas anderes und zweitens ist vollkommenes, absolutes Wissen unmöglich und ein Paradoxon, dass sich nicht durch extensives Teilen von Erlebnissen und extreme Überwachung lösen lässt. Was möglich ist, ist eine eigene Wahrheit, ein eigenes Wissen zu haben. Dieses Wissen 1:1 mit jemandem zu teilen hingegen ist unmöglich und sollte nicht als Diebstahl betrachtet werden.

Was soll ich tun? „The Circle“ zwingt seine Mitarbeiter, Kunden und Politiker nicht, transparent zu sein. Zumindest nicht offensichtlich. Doch die Freiwilligkeit ist trügerisch und die Effekte sozialer Erwünschtheit sind extrem. Sozialer Druck wird stärker ausgespielt als klare Anweisungen und Pflichten. Was soll ich tun? Transparent sein, wenn man dem Circle glaubt. Ich glaube, dass man immer im Rahmen seiner eigenen Wahrheit handeln sollte. Was man selbst weiß, kann man nutzen, um sein Handeln zu bestimmen. Dabei ist das Streben nach Wissen die richtige Handlung. Aber nicht, wie der Circle beschreibt, nach vollkommendem Wissen. Sondern nach reflektiertem Wissen, eigenem Wissen und humanem Wissen.

Was darf ich hoffen? Ich hoffe, dass es nie so weit kommt, wie in dem Buch beschrieben. Darf ich das hoffen? Ich weiß es nicht. Ich kann es nur hoffen. Aber in meiner Wahrheit und nach meinem Wissen, sind die meisten Menschen nicht machtgierig und nicht völlig abgefahren. Klar, wir wollen eigentlich alle gut sein. Das ist das, was die Basis für die Ideologie des Circles ist – der Mensch möchte gut sein. Und ich glaube, dass wir das als Basis nutzen können, um nicht so zu enden, wie „The Circle“ beschreibt.

Gerade mit Blick auf Corona-Anordnungen und unser Vertrauen oder auch Nicht-Vertrauen in Fakten machen die Fragestellungen, die dieses Buch aufwirft auch heute sehr relevant. Unternehmen, Individuen und Staaten müssen in diesen Tagen Entscheidungen für eine Neuausrichtung der wirtschaftlichen Aktivitäten treffen und hier wird bereits deutlich, dass wir aufgrund von VUCA-Einflüssen nicht alles wissen können.

Und genau das ist, was im DTS vermittelt wird: Wie gehe ich mit Unsicherheit und Ambivalenz der Daten um und treffe nachhaltige Entscheidung auf Basis von der Einordnung des vorhandenen Wissens. Dementsprechend ist sowohl das Buch, als auch der Besuch auf den anderen Seiten unsers Studiengangs es definitiv Wert.

 

Lisa Frommhold, Digistainable 2018