Digitalsustainable

Das Duett zwischen Digitaler Transformation und Nachhaltigkeit

Author : Lisa Ochmann

From Ideas to Impact: Encouraging Change for a Digital and Sustainable Tomorrow

This year’s Concluding Conference, organized annually by the MSc Digital Transformation & Sustainability students, stands out as a pinnacle in their master’s journey. Held under the theme „From Ideas to Impact: Encouraging Change for a Digital and Sustainable Tomorrow,“ the event showcased 16 short presentations. These weren’t just summaries of their thesis projects; they were catalysts for the digital and sustainable evolution of our lives and workplaces. The first part of the event took place on February 26, 2024, from 1:00 pm to 3:45 pm. The first two speakers delved into the idea of “Scenarios as Tools for Strategic Decisions” and “Twin Transformations,“ illustrating how technology and sustainability must collaborate for a successful sustainable future in our organizations and the societies they operate in. The discussions continued, touching upon the major themes of sustainability and digital transformation, foundational pillars of the Master’s Program, which came alive through projects on topics like food packaging and sustainable coffee farming. Presentations were delivered in both German and English, reflecting the international flavor of the master class. It was like a puzzle coming together, leaving everyone with new perspectives and tools to drive sustainability at various scales and formats. Throughout the talks, two participating students, Annika and Xenia, kept the breaks lively. They posed questions, engaging the audience with personal insights and acting as friendly guides, aiding in the understanding of all the projects. Another presentation tackled how the  Healthtech industry can think about collaborating with startups, and another one got more technical though his analysis on using SAP’s traceability solutions for climate impact drivers on water and land used. They shared a plan to use digital tools to spark new ideas while keeping things eco-friendly. It was like finding a balance between being creative and being responsible to our Earth. Another presentation emphasized the need to use the right tools for explaining your impact story – a challenging task considering the difficulty in measuring impact. By the end of the session, you could feel the excitement in the room. Each presentation painted a picture of a future where we use tech to make a real difference. The students left us with a lot to think about, and we left feeling hopeful about the possibilities. Annika and Xenia played a big role too. They kept the energy high during breaks, making the whole event more enjoyable. It was clear they were just as passionate about the topics as the students. It was an afternoon were we didn’t just learn about sustainability and digital approaches. We saw the future can be shaped through the individual input of each and one of us as part of a global community. It was an inspiring way to spend an afternoon – thinking about the world we live in and how we can make it better with the help of technology and a bit of creativity. Carolina Engels

Zwischen Struktur und Herz: Eine Reise der Hingabe und Selbstfindung

Ich bin es gewohnt, in meinem regulären Job eine vorgegebene Struktur zu haben, wo ich auch genau weiß, wie ich mich einsetzen muss und im Gegenzug auch zu messen, was der Outcome ist, welchen ich geleistet habe. In dem Altenheim habe ich mich in einem Umfeld befunden, welches für mich unstrukturiert ist, wo es unklar war, was für einen Mehrwert ich beitragen kann und es auch schwer zu messen ist, was ich bewirkt habe. Ich würde gerne sagen das ich mich mittlerweile dort etwas „eingearbeitet“ habe, aber das benötigt definitiv mehr, als „nur“ 40 Stunden dort zu arbeiten. Wenn ich beispielsweiße andere Freiwillige sehe, die dort sind, merke ich wie wenig eingearbeitet ich bin. Es ist eine sehr ehrbare Arbeit, die sehr viel Respekt und Wertschätzung braucht. Doch man gibt sein Bestes und versucht sich so gut es geht einzubringen. Es gibt unterschiedliche Aktivitäten, die man vornehmen kann, aber man muss sich die selbst suchen. Es gibt innerhalb der Betreuungsarbeit wenig „Struktur“, da jeder Mitarbeiter seinen Tag komplett mit seinen zugewiesenen Bewohnern selbstständig plant. Man kann in der Betreuungszeit zwischen 09:30 Uhr und 17:45 Uhr mit den Einwohnern Zeitung lesen, Gymnastik machen, Spaziergänge durchführen, Biographiearbeit erleben und auch tatsächlich zusammen mit den Bewohnern Feste planen. In der Woche, wo ich da war, habe ich zusammen mit einer Mitarbeiterin und einem Bewohner, der noch relativ „fit“ ist, die Grillfeier organisiert. Dafür wurde uns von der Einrichtungsleitung ein Budget geben, welches wir vollkommen ausgenutzt haben. An der Feier haben Mitarbeiter und Bewohner teilgenommen. Auch gibt es eine Art Raum, der sich „Snözelraum“ nennt. Hier werden Bewohner die unter starker Unruhe, Demenz, Multipler Sklerose und Morbus Parkinson leiden, gebracht, damit sie sich entspannen können. Der Raum wird abgedunkelt, Entspannungslichter eingeschaltet und Musik, welche der Bewohner in seiner Vergangenheit gehört hat (Biographiearbeit) eingeschaltet. Diese Methoden waren mir nicht bekannt und ich empfand dies als sehr lehrreich, vor Allem deswegen, weil ich aus einem komplett anderen Bereich komme. Besonders beeindruckend ist die ehrenamtliche Mitarbeiterin Natasha, ehemaliges Model für große Firmen, die seit 20 Jahren einmal wöchentlich im Heinrich-Sengelmann-Haus erscheint, um sich mit den Bewohnern zu beschäftigen. Ihre Hingabe und Kreativität sind bewundernswert, und ich selbst empfinde es als herausfordernd, meine Zeit in einem Umfeld zu verbringen, das sowohl Leid als auch Freude, Lachen und Spaß birgt. Obwohl meine Zeit im Heinrich-Sengelmann-Haus mir viel Freude bereitete, erkenne ich, dass diese Art von Arbeit nicht meine Bestimmung ist. Die intensive emotionale Verbundenheit fällt mir schwer, insbesondere angesichts von Leid und Tod. Dennoch erwäge ich, ein Ehrenamt anzunehmen, um den Menschen, die jahrzehntelang für unsere Gesellschaft gearbeitet haben, eine Freude zu bereiten. Nicht jeder mag „bespaßt“ werden, aber viele Bewohner schätzen Gespräche, Spiele, Betreuung und Feste. Diese Erfahrung war für mich unbeschreiblich, und ich bin dankbar, dass ich sie machen durfte. Carolina Engels

Häuser für Waisenkinder in Kenia

Eine in Kenia lebende deutsche Zahnärztin besucht die Kinder im MOCC-Wohnhaus. Es wird vor Ort eine kleine Zahnarztpraxis improvisiert und die Kinder werden in Zehnergruppen eingeteilt. Mund auf, Augen zu, aaah – alles ok! Oder eben nicht, dann bitte warten. Betäubungsspritze, Zange in die Hand – raus war der kariöse Milchzahn. Manchmal rollen Tränen, manchmal hat jemand große Angst, aber die meisten Kinder sind ganz tapfer. Für den Zahn-Tag in Siaya hat eine erfolgreiche Spendenaktion bewirkt, dass alle Kinder eine neue Zahnbürste bekommen und eine Übung zum Zähneputzen gemacht werden konnte. Fangen wir vorne an: Das Mbaga Orphaned Children’s Center, kurz MOCC, ist ein Verein in der Kleinstadt Siaya, Kenia. Der Verein hat dort ein Waisenhaus und eine Schule gebaut. Dies geschah in Kooperation mit dem deutschen Verein „Häuser für Waisenkinder e.V.“. In enger Zusammenarbeit konnten die Gebäude realisiert werden, welche derzeit 180 Kinder beherbergen und 30 Arbeitsplätze geschaffen haben. Vor Ort werden Abläufe wie z.B. Bauvorhaben, Betrieb der Schule und des Waisenhauses oder das Pflegen der eigens angebauten Farm koordiniert. Die Notwendigkeit für die Arbeit der Vereine lässt sich anhand einiger Zahlen feststellen: Rund 58% der in Siaya und Umgebung lebenden Menschen lebt unterhalb der Armutsgrenze und ca. 30% der Kinder wachsen in ungeordneten Verhältnissen auf. Viele Alleinerziehende, vor allem Mütter, können ihre Kinder nur notdürftig versorgen. Die Notwendigkeit der Unterstützung haben wir im Laufe unserer Sustainability Challenge und unserem Engagement bei „Häuser für Waisenkinder“ erlebt. Neben eigenen Aufgaben, auf die wir gleich auch noch eingehen möchten, ist ein wichtiger Teil unseres Ehrenamtes gewesen, die Situation vor Ort zu verstehen. Wir haben alle zwei Wochen einen virtuellen Jour Fix mit den Vereinsmitglieder:innen aus Deutschland sowie Kenia und haben allerlei Einblicke in das Leben und die Kultur vor Ort bekommen können. Gestartet wird der Call mit einem Update aus den verschiedenen Arbeitskreisen. Diese lassen sich grob mit folgenden Schlagworten zusammenfassen: „Siaya Updates aus der Schule und von den Kindern“, „Gesundheitspflege“, „Landwirtschaft“, „Bau“ und „Patenschaften“. Besonders spannend sind für uns die Updates aus Siaya, weil wir dadurch einen vielschichtigen Einblick in das Leben der Kinder vor Ort bekommen können. Dabei geht es sowohl um Themen wie den Besuch einer Zahnärztin in den Schulklassen als auch um bedrückende Einblicke in das Leben einzelner Kinder, wie Gewaltvorkommnisse, Sorgerechtskonflikte oder schlechte Wohnverhältnisse. Bewundernswert ist für uns immer die Hingabe der Vereinsmitglieder:innen für die Kinder vor Ort und für ihre Arbeit im Verein. Darüber hinaus war für uns spannend zu lernen, dass der Verein auf das nachhaltige Bauen hinwirkt, insbesondere durch den Lehmbau von Gebäuden. Außerdem haben sie im Laufe der Jahre eine eigene Farm aufgebaut, wo sie für die Versorgung der Kinder eigene Lebensmittel anbauen. Ein Gespür und Verständnis für die Lebenssituation vor Ort zu bekommen, war im Laufe unseres Ehrenamtes ein Hauptthema. Vor allem in unserem eigenen Projekt zum „Female Empowerment“ ist uns dies besonders aufgefallen. Der Verein hatte schon länger im Hinterkopf auch für Frauen vor Ort eine Möglichkeit der Unterstützung zu schaffen. Die „Förderung von Mädchen und Frauen zur wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Gleichstellung“ ist gemäß Satzung ein Zweck des Vereins. Die Hintergründe für die Notwendigkeit für Female Empowerment in Kenia sind vielfältig. Vor allem leiden Frauen unter Diskriminierung und der männlichen Dominanz in der Gesellschaft: Frühe Schwangerschaften, arrangierte Ehen und Schulabbrüche sind die häufigsten Gründe, die die Frauen in den Kreislauf der Armut führen, aus dem sie sich aus eigener Kraft nicht befreien können. In unseren gemeinsamen Arbeitssessions haben wir verschiedenste Handlungsfelder identifiziert, bei denen wir uns einen Mehrwert für die Frauen vorstellen können. Kern unserer Überlegungen war es, den Frauen mit verschiedenen Workshops Wissen zu vermitteln. Einerseits in Form von Schulungen, die sie im täglichen Leben unterstützen. Themen sind hier Familienplanung, Körperpflege, Menschenrechte und Gesundheit. Auf der anderen Seite haben wir uns auf die ökonomische Weiterbildung fokussiert. Die Frauen sollen die Möglichkeit bekommen, sich in verschiedensten Berufsbereichen zu bilden, wie bspw. Landwirtschaft, Friseure oder Schneiderei. In den Workshops sollen sie die Möglichkeit bekommen, eigene Ideen auszuarbeiten und befähigt werden, Jobs auszuführen und die Selbstständigkeit zu finanzieren. Aber treffen diese Workshops überhaupt die Bedürfnisse der Frauen? Um diese Frage klären und die Bedürfnisse der Frauen optimal adressieren zu können, haben wir eine Umfrage für die Frauen vor Ort ausgearbeitet, in der wir abgefragt haben, wobei sich die Frauen Unterstützung wünschen und wie wir dabei helfen können. Ein Learning ist unter anderem, dass alles etwas länger dauert im länderübergreifenden Austausch – deshalb haben wir zur Zeit des Abschlusses dieses Blogbeitrags noch nicht die finalen Ergebnisse der Umfrage vorliegen. Ein weiterer Teil unseres Projektes ist es herauszufinden, mit welchen Projekten HfW Female Empowerment vor Ort in Siaya zukünftig umsetzen kann. Es haben bereits einzelne Workshops vor Ort stattgefunden, jedoch fehlt ein konkretes Konzept und eine Finanzierung für weitere Aktivitäten. Neben der Vorbereitung der Umfrage haben wir demnach verschiedenste Projekte in Ost-Afrika gesucht, mit denen HfW und MOCC vor Ort kooperieren können. Für uns ist während des Ehrenamtes besonders spannend, stärkere Einblicke in Maßnahmen zur Erreichung der SDGs 1-5 zu bekommen. SDG 1: Keine Armut SDG 2: Kein Hunger (Hunger beenden, Ernährungssicherheit, nachhaltige Landwirtschaft) SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen (Gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen zu fördern) SDG 4: Hochwertige Bildung (Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern) SDG 5: Geschlechtergleichheit (Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen) SDG 10: Weniger Ungleichheiten (innerhalb und zwischen Staaten) Unsere eigenen Tätigkeiten im Ehrenamt haben insbesondere auf SDG 5 und SDG 10 eine Auswirkung. Wir versuchen durch die Workshop-Ideen gezielt Frauen zu befähigen, zukünftig Jobs auszuüben und unabhängig werden zu können. Darüber hinaus werden durch Themen wie Gesundheit, Menschenrechte oder Hygiene die Eigenständigkeit gefördert und Lebensqualität langfristig verbessert. Uns hat das Ehrenamt insgesamt geholfen, durch die Einblicke in eine andere Kultur und die Lebensweisen vor Ort ein stärkeres Verständnis über die verschiedenen Lebensstandards zu bekommen. Das Verständnis davon, dass die SDGs sich in verschiedenen Ländern ganz unterschiedlich ausprägen und der Bedarf an den Maßnahmen anders ausfällt, ist uns besonders aufgefallen. Vor allem durch das Projekt „Female

Die ideale Stellenausschreibung für Green Jobs

Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im Jahr 2018 circa 289 000 Beschäftigte in Deutschland mit sogenannten Green Jobs. Dies entsprach ein Anstieg von etwa 9,6 Prozent gegenüber dem Green Job Sektor aus dem Vorjahr (vgl. Bocksch 2020). Aus dem Druck für Unternehmen, sich zu nachhaltigen Organisationen zu transformieren, erhöht sich auch die Anzahl der neuen Stellenausschreibungen in diesem Bereich. Im Zuge dieses Trends entwickelten Redman und Wiek (2021) das Framework für Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung. Die einzelnen Kompetenzen des Frameworks sind aus der Abbildung 1 zu entnehmen. Eine genaue Erklärung aller Kompetenzen findet ihr in dem hier verlinkten Video. Abbildung 1: Framework für Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung (in Anlehnung an Brundiers et al. 2021, 21 und Redman und Wiek 2021, 7) Im Rahmen einer Forschungsarbeit untersuchten wir 365 Stellenausschreibungen für Green Jobs in der IT-Branche in Deutschland, wobei wir feststellten, dass keine der 13 Kompetenzen von Redman und Wiek in den untersuchten Stellenausschreibungen namentlich erschien. Die fehlende Integration der Kompetenzen in den Stellenausschreibungen deutet darauf hin, dass den Unternehmen das Framework von Redman und Wiek noch nicht bekannt ist oder als nicht relevant empfunden wird. Doch wenn Unternehmen aktuell in ihren Stellenausschreibungen nicht nach den richtigen Kompetenzen suchen, wie sieht dann eine ideale Stellenausschreibung aus? Ein*e Bewerber*in muss nicht alle Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung in sich vereinen. Jedoch sollten die Stellenausschreibungen der Green Jobs so formuliert sein, dass sie die Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung namentlich erwähnen und die Herausforderungen der Praxis berücksichtigen. Somit könnte eine ideale Stellenausschreibung wie folgt aussehen: Abbildung 2: Ist-Soll-Vergleich einer exemplarischen Stellenausschreibung für Green Jobs Die linke Seite bildet den Ist-Zustand einer exemplarischen Stellenausschreibung ab. Hierbei handelt es sich um eine Stellenausschreibung, die aus dem untersuchten Datensatz stammt und im verlinkten Video verwendet wurde. Jedoch nennt diese Stellenausschreibung nur implizit die Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung. So sind die aufgeführten Anforderungen in der Stellenausschreibung den folgenden Kompetenzen indirekt zuzuordnen: Punkt zwei: Werteorientiertes Denken Punkt vier: Strategisches Denken Punkt fünf: Systemisches Denken Punkt sechs: Responsives Projektmanagement Die rechte Seite der Abbildung dient als Beispiel einer idealen Stellenausschreibung. Hierbei wurde die linke Stellenausschreibung umgeschrieben, sodass sie die Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung nun namentlich im Anforderungsprofil aufführt. Ausschlaggebend ist auch, dass die Qualifikation „ein abgeschlossenes Studium …“ nicht mehr als verpflichtend eingestuft wird, sondern als wünschenswert. Diese Anpassung ist darauf zurückzuführen, da Wissen und Fähigkeiten lehrbar sind und ggf. nachgeschult werden können, wohingegen die Nachschulung von Kompetenzen nicht möglich ist (vgl. Erpenbeck et al. 2017, 14–17). Was für Vorteile bringt die Neuausrichtung von Stellenausschreibungen für Unternehmen mit sich? Anhand der Neuausrichtung der Stellenausschreibungen kann sichergestellt werden, dass Unternehmen in dem Meer von Bewerber*innen die besten Nachhaltigkeitsagent*innen von morgen finden, die dabei helfen Nachhaltigkeitsprobleme zu antizipieren und Strategien für Interventionen und Umgestaltungen in Richtung Nachhaltigkeit zu entwickeln. Zusätzlich dienen die Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung auch als Hilfestellung für Bewerber*innen, um sich auf zukünftige Jobs vorzubereiten, die persönlichen Stärken zu identifizieren und sich von anderen Bewerber*innen zu differenzieren. Nicki Saee, Torge Stahl, Nicolai Vornbäumen   Quellen: Bocksch, René. 2020. „Steigende Relevanz von “Green Jobs”“. Statista Infografiken. 29. Juni 2020. Zugriff am 03.06.2023. https://de.statista.com/infografik/22129/anzahl-der-beschaeftigten-im-umweltschutzbereich-nach-sektoren. Brundiers, Katja, Matthias Barth, Gisela Cebrián, Matthew Cohen, Liliana Diaz, Sonya Doucette-Reming- ton, Weston Dripps et al. 2021. „Key competencies in sustainability in higher education—toward an agreed-upon reference framework.“ Sustain Sci 16 (1): 13–29. Zugriff am 6. Dezember 2022. https://doi.org/10.1007/s11625-020-00838-2. Redman Aaron und Arnim Wiek. 2021. „Competencies for Advancing Transformations Towards Sustainability.“ Front. Educ. 6. Zugriff am 15. Dezember 2022. https://doi.org/10.3389/feduc.2021.785163. Titelbild: https://unsplash.com/de/fotos/GOMhuCj-O9w

Mit SchülerInnen die Zukunft gestalten

Ich bin Torge und Student im Master of Science Digital Transformation & Sustainability an der HSBA. In unserem Modul Sustainability Challenge stehe ich vor der Aufgabe, mich gesellschaftlich zu engagieren und ich möchte euch heute gerne mit auf meine Reise nehmen. Auf der Reise stelle ich mich der Herausforderung an Schulen zu gehen und mit SchülerInnen der Oberstufe in einem Workshop über die Herausforderungen der Zukunft zu diskutieren, um somit einen Beitrag zum SDG 4 – Hochwertige Bildung zu leisten. Außerdem möchte ich den SchülerInnen aufzeigen, wie vielfältig der Themenkomplex der nachhaltigen Entwicklung ist und welche Kompetenzen benötigt werden, um den Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung, demografischer Wandel oder Ressourcenknappheit zu begegnen. Mein erarbeiteter Workshop besteht aus vier Modulen, der von den SchülerInnen die Anwendung verschiedener Kompetenzen erfordert: Analytisches und systemisches Denken: Vor welchen Herausforderungen stehen wir, wie sind diese miteinander vernetzt und wie betreffen uns diese schon heute? Zukunfts- und Werteorientiertes Denken: Wie soll eine Zukunft aussehen, in der wir leben wollen und was ist uns in dieser Zukunft wichtig? Change-Management und Kommunikationsfähigkeit: Welche Personengruppen sind von Problemen und Lösungsansätzen betroffen und wie müssen wir mit diesen kommunizieren, um Veränderung erfolgreich zu implementieren? Meine Reise beginnt mit einer 11. Klasse am Freiherr-vom-Stein Gymnasium in Oldenburg in Holstein. Im Feedback des Moduls rund um das Climate Action Planning Game spiegeln mir die SchülerInnen wider, dass Ihnen durch das Rollenspiel deutlich wurde, wie schwierig es ist trotz eines gemeinsamen Ziels Kompromisse zu finden.     Dieses Feedback bekomme ich auch von einer 11. und 12. Klasse am Gymnasium Bondenwald, meiner zweiten Station. Es ist insbesondere der 12. Klasse anzumerken, dass sie sich bereits viel mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt hat. So liefern die SchülerInnen im Modul rund um das Thema nachhaltige Städte großartige Lösungsvorschläge, wie Städte nachhaltiger, inklusiver und gesünder gestaltet werden könnten. Dabei entwickeln die SchülerInnen eine Stakeholder-Matrix und stellen dar, welche Personengruppen der Stadt von den heutigen Problemen, aber auch von den zukünftigen Lösungsvorschlägen in welcher Form betroffen sind. Die letzte Station auf der Reise meiner Sustainability Challenge ist meine Heimatschule, die Inselschule Fehmarn. Hier hatte ich die Möglichkeit, mit einer 11., 12. und 13. Klasse ins Gespräch zu kommen. Zwar lag im bisherigen Lehrplan der Klassen das Thema Nachhaltigkeit noch nicht so stark im Fokus wie an meinen vorherigen Stationen, trotzdem können die SchülerInnen im Einstiegsmodul sehr gut erklären, wie die verschiedenen Herausforderungen Klimawandel, Ressourcenknappheit, Flucht und Migration, demografischer Wandel und Digitalisierung auf systemischer Ebene zusammenhängen. Weiterhin finde ich es bemerkenswert, wie die SchülerInnen im Climate Action Planning Game proaktiv auf andere Gruppen zugehen, verhandeln und sich auch als Gruppe immer wieder selbst hinsichtlich ihrer Entscheidungen kritisch hinterfragen. Mich stimmt es hoffnungsvoll, dass das Thema Nachhaltigkeit immer mehr Relevanz an den Schulen bekommt und die SchülerInnen auch Lust auf das Thema haben. Meiner Meinung nach ist es für die Lehrenden wichtig, Nachhaltigkeit interaktiv begreifbar zu machen. Eine Haltung ist nichts, was es auswendig zulernen gilt. Was bringt es mir, alle SDGs herunterbeten zu können, wenn ich gar nicht weiß, wie ich ganz konkret in meinem echten Leben dazu beitragen kann, die SDGs zu erfüllen? Dieses Feedback haben mir auch manche SchülerInnen auf meiner Reise gegeben. Mein Tipp ist daher: Konkrete Beispiele aus dem echten Leben heranziehen und zeigen, dass auch junge Menschen schon heute die Kompetenzen besitzen, etwas in ihrer ganz persönlichen Umwelt zu verändern.Ein großer Dank geht an alle Schulen und Lehrkräfte, die mir den Raum für die Workshops gegeben haben und an die SchülerInnen, die großartig mitgemacht und diskutiert haben! Torge Stahl

Kulturelle Vielfalt für mehr Akzeptanz und Toleranz 

Wie leben unbegleitete minderjährige Geflüchtete nach ihrer Ankunft in Deutschland? Im Rahmen meiner Sustainability Challenge engagiere ich mich bei der Stiftung Sozialpädagogisches Institut (SPI). Die Stiftung SPI setzt sich in diversen Bereichen wie Sucht und Prävention, Wohnung und Betreuung, aber auch Flucht und Einwanderung ein. Heute möchte ich euch gerne auf meine Reise für die Sustainability Challenge mitnehmen, bei der ich unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Erstaufnahmestellen in Berlin betreue. Die Lebensumstände vor Ort: Die Unterkunft befindet sich im Hinterhaus eines herkömmlichen Gebäudes. Insgesamt wohnen dort circa 55 Jugendliche. Viele der Geflüchteten kommen aus dem Afghanistan, Syrien, Iran, dem afrikanischen Raum oder der Ukraine und sind laut ihren Dokumenten 15-17 Jahre alt.  Angekommen in der Unterkunft, wird dem Jugendlichen ein Zimmer zugewiesen. Wenn die Räumlichkeiten es ermöglichen, wird versucht jedem Jugendlichen ein eigenes Zimmer zu geben, um interkulturelle Konflikte und Meinungsunterschiede zu vermeiden. Im Durchschnitt warten die Jugendlichen sieben Monate auf ihren Interviewtermin, welcher die Voraussetzung für den weiteren Asylprozess ist. Bis dahin dürfen sie nicht an dem üblichen Schulalltag teilnehmen und auch keine Arbeit beziehen. Somit verbringen sie die meiste Zeit in der Unterkunft, was oft zu Langeweile, Auseinandersetzungen und Streitigkeiten führt. Meine Erfahrungen: Im alltäglichen Umgang mit den Jugendlichen merke ich, wie liebevoll, aber auch liebebedürftig die Kinder sind. Beim Öffnen der Tür werde ich immer von mehreren Jugendlichen herzlich begrüßt, gefragt wie es mir geht und mir wird immer Essen angeboten. Diese Fürsorglichkeit und Freundlichkeit beeindruckt mich. Zusammen mit den Jugendlichen unternehme ich verschiedene Dinge: Mansour, ein Junge aus Afghanistan, freut sich immer, mit mir Schach spielen zu können. Woche für Woche wird er besser. Zu Beginn gewinne ich jedes Schachspiel, nach einigen Wochen, ist er jedoch unschlagbar. An einem schönen Sommertag sitzen wir gemeinsam in einer Runde von zehn Jugendlichen und Mitarbeiter*innen oben auf der Dachterrasse und bringen Jordan, einem Geflüchteten aus Kamerun, das Kartenspiel „UNO“ bei. Das Spiel wird hitzig. Alle zeigen Ehrgeiz, sind mit Herzblut dabei und kämpfen um den Sieg. Am Pfingstfreitag kommen die Jungs, Sherial und Mansour auf mich zu und wollen Deutsch lernen. Zusammen üben wir Vokabeln und im Anschluss gibt es ein kleines Diktat. Mit einer weiteren Mitarbeiterin und neun Jugendlichen gingen wir an einem Samstagnachmittag zum Straßenfest „Karneval der Kulturen“. Dort tanzen die Jungs zu unterschiedlicher Musik. Man merkt ihnen an, wie sie für einen kurzen Augenblick ihren schwierigen Alltag vergessen und den Moment einfach genießen. Jeder Tag in der Unterkunft verläuft anders. An manchen Tagen sind die Jugendlichen gut gelaunt und haben Lust, mit einem zu reden, an anderen sind sie eher verschlossen und ziehen sich zurück. Dennoch merke ich, wie viel Freude ich Menschen allein mit meiner Anwesenheit bereiten kann. Denn schließlich ging es nie darum, etwas Außergewöhnliches mit den Jugendlichen zu unternehmen, sondern schlichtweg einfach darum, ihnen Gesellschaft zu leisten, auch wenn man an manchen Tagen nur schweigend nebeneinandersitzt. Diese Erfahrung werde ich immer positiv in Erinnerung behalten und kann es jedem nur nahelegen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Nicki Saee

Ehrenamt bei Viva con Aqua

Ein Sozialstaat wie Deutschland ist unter anderem auch stark auf das ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung angewiesen. Obwohl „der Anteil freiwillig engagierter Menschen in den letzten zwanzig Jahren gestiegen ist“ (Simonson u. a. 2022, 1), haben einige Organisationen und Vereine besonders nach der Corona-Pandemie zu kämpfen wieder genug Personen für das Ehrenamt zu motivieren. Die Sustainbility Challenge durfte ich im Rahmen des Masterstudiums bei dem Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. erbringen. Viva con Agua hat es sich zur Aufgabe gemacht, Zugang zu sauberem Trinkwasser, Sanitärversorgungen und Hygiene weltweit zu garantieren. Dabei setzt der Verein auf positiven Aktivismus und nutzt Konzerte, Festivals, Sport- und Kunstveranstaltungen, um Spenden zu sammeln. In ganz Deutschland gibt es verschiedene Crews, die sich regional für die Organisation und deren Repräsentation bei verschiedensten Veranstaltungen einsetzen, damit möglichst viele Spenden zusammenkommen. Da besonders diese Veranstaltungen während der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten, konnten viele der ehrenamtlichen Crews nur wenige Spenden in diesem Rahmen auftreiben. Zusätzlich kam es dazu, dass die Crews immer weniger ehrenamtliche Helferinnen und Helfer verzeichnen konnten. Meine ehrenamtliche Aktivitätsspende bestand darin, die lokalen Crews bei ihrer Präsenz auf den Sozialen Medien zu unterstützen, damit diese auf den Plattformen Werbung für den Purpose von Viva con Agua sowie für ihre eigene Crew machen können. Aufgrund von zum Teil sehr gering besetzten Crews in den verschiedenen Städten, blieb besonders in letzter Zeit die öffentliche Präsentation auf den einzelnen Instagram-Kanälen eher auf das wichtigste beschränkt. Ich durfte im Zuge meiner ehrenamtliche Aktivitätsspende mit Hilfe der Plattform „Canva“ Vorlagen für Instagram-Posts erstellen sowie vorhandenes Videomaterial sichten und schneiden, damit dieses in Form von Kurvideoformaten wie Instagram-Reels, YouTube-Shorts und TikToks benutzt werden können. Besonders diese Videoformate sind hilfreich, da durch diese mehr Personen auf den Plattformen erreicht werden können als durch alleiniges Bildmaterial. Zuerst habe ich mich durch die verschiedenen Accounts der Crews geklickt, um zu identifizieren, welche Inhalte dort relevant und gewollt sind. Darauf aufbauend habe ich einzelne Content-Rubriken erstellt, z.B. Einladungen für das nächste Crew-Treffen, eine Darstellung über die Spendensumme, die bei den Konzerten gesammelt wurde, eine Anleitung, wie man der Crew beitreten kann und noch viele mehr. Bei diesen Aufgaben konnte ich meine Kreativität im Rahmen des festgelegten Design-Rahmens ausleben und hatte großen Spaß an der Erstellung der Beiträge. Auch das Sichten des Videomaterials war spannend, da man so noch einmal einen Einblick der vielen coolen Veranstaltungen bekommen hat. Mein Fazit: Ehrenamt kann und darf Spaß machen und muss nicht immer in der Form stattfinden, wie man sich das manchmal vorstellt.   Wenn auch du Lust hast großartige Leute zu treffen, kostenlos auf Konzerte zu gehen und dabei auch noch ganz viel Gutes zu tun, dann melde dich bei deiner lokalen Crew unter: https://www.vivaconagua.org/mach-mit/mitmachen/ oder registriere dich direkt für einzelne Veranstaltungen: https://pool3.vivaconagua.org Anna Gerbig

Heckenretter für Artenvielfalt & Klimaschutz

Im Rahmen meiner Aktivitätsspende im Modul Sustainability Challenge engagiere ich mich seit Januar für den Heckenretter e.V.  „Warum Hecken?“ – könnte man sich fragen und genau diese Frage habe auch ich Alexandra Werdes (Alex), Gründerin des Vereins, gestellt. Die Hecke (norddeutsch: Knick) ist als Arten- und Klimaschützerin viel zu lange unterschätzt. Der gemeinnützige Heckenretter e.V. hat das Ziel, die wertvollen Ökosystemleistungen der Hecke ins gesellschaftliche Bewusstsein zu bringen: Rund 7.000 Tierarten leben in, um und unter der Hecke. Hecken binden – neu gepflanzt auf Ackerland – langfristig genauso viel CO2 wie Wald (380 t/ha) und sind deshalb unsere heimlichen Klimahelden.    Um dafür zu sorgen, dass mehr dieser heimlichen Klimahelden gepflanzt werden, habe ich mich entschieden meine Aktivitätsspende für den Verein zu vollbringen. An meinem ersten Tag im Büro der Heckenretter macht Alex mich zunächst mit der formellen Arbeit des Vereins vertraut. Aktuell steht eine Siegelbewerbung an, bei der ich als Außenstehende tatkräftig unterstützen kann. Gemeinsam füllen wir das Bewerbungsformulars aus und ich stelle gezielt Nachfragen, die für Alex bereits selbstverständlich, für Außenstehende jedoch sehr erwähnenswert sind. Gleichzeitig lerne ich durch das Ausfüllen bereits sehr viel über den Verein, seine Strukturen und die Arbeitsweisen. Auch die Cloud des Vereins lerne ich an diesem Tag kennen. Sie ermöglicht es, den Verein remote zu unterstützen. Durch meine berufsbedingten Kenntnisse im Bereich des Online-Marketings und Social Media vereinbaren wir, dass mein nächstes Projekt ein Leitfaden für die Nutzung von Instagram sein wird. Durch die Möglichkeit mit der Cloud remote zu arbeiten, kann ich die Fertigstellung der Siegelbewerbung sowie den Leitfaden an meinen nächsten Einsatztagen von zu Hause aus erarbeiten.  Bis dato hat die Arbeit für den Verein viele Parallelen zu meinem Job-Alltag, denn auch dieser findet am Laptop im Home Office statt. Am 18. März steht nun jedoch der Frühling so gut wie in den Startlöchern und die erste Pflanzaktion des Jahres steht an. Hierfür besuchen wir mit etwa 50 freiwilligen Helfer:innen den Eichhof in Großbarkau. Dort finden wir eine bestehende Hecke vor, die an einigen Stellen nachgepflanzt werden muss. Die Helfer:innen werden dafür in zwei Gruppen unterteilt. Während meine Gruppe sich um die Pflege der Fläche kümmert, beginnt die andere Hälfte bereits an den entsprechend gekennzeichneten Flächen nachzupflanzen. Zur Pflege der Fläche müssen sämtliche Bei- und Unkräuter unmittelbar um die Hecke entfernt werden, da diese der Hecke die Nährstoffe aus dem Boden entziehen. Nach etwa zwei Stunden tauschen wir unsere Aufgaben. Endlich kann auch ich meine ersten Hecken einpflanzen. Dafür wird zunächst das entsprechende Loch ausgehoben, anschließend wird die Hecke aus ihrem Topf genommen und die Wurzeln aufgelockert. Abschließend wird sie eingepflanzt und reichlich gegossen.  Nach dem erfolgreichen Pflanztag darf ich Alex weiterhin bei einem Drehtag unterstützen, an dem ein TV-Beitrag über die Arbeit des Vereins produziert wird. Insgesamt bietet mir mein Engagement für den Verein also vielseitige Einblicke und Unterstützungsmöglichkeiten. Seid ihr neugierig geworden? Dann würde ich mich freuen, euch bei der nächsten Pflanzaktion als Helfer:innen zu treffen.  Wir sind ein noch junges Projekt und können Mitstreitende an vielen Stellen gebrauchen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, wie du dich einbringen kannst. Um Heckenretter:in zu werden, musst du kein Vereinsmitglied sein. Gerne nehmen wir dich auch in unseren Helfer:innen Pool für kleinere Aufgaben auf, die punktuell immer mal anfallen – sei es Pakete packen oder Einkaufen vor einer Veranstaltung. Vielleicht hast du aber auch Lust, Teamer:in bei unseren Pflanzaktionen zu werden oder dein eigenes kleines Projekt zu übernehmen. Wir können gerne gemeinsam herausfinden, was das passende Engagement für dich ist. Schreib einfach eine Mail an post@heckenretter.org. Annika Heming

Zukunft mitgestalten: Wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit das Morgen verändern

Rückblick auf eine erfolgreiche Abschlussveranstaltung Am 27. Februar 2023 fand zum dritten Jahr in Folge die Concluding Conference des Studiengangs Digital Transformation & Sustainability an der Hamburg School of Business Administration statt. Unter dem Titel „Zukunft mitgestalten: Wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit das Morgen verändern“ veranstalteten wir Studierenden des Jahrgangs 2020 eine insgesamt siebenstündige Konferenz, in der wir die Ergebnisse unserer Masterarbeiten präsentierten. Den Zuschauenden bot sich damit ein breites inhaltliches Angebot an wissenschaftlichen Untersuchungen zu zeitaktuellen Herausforderungen sowie die Möglichkeit mit uns in den inhaltlichen Dialog zu treten. Um möglichst Vielen die Teilnahme zu ermöglichen und auch Interessierte außerhalb Hamburgs erreichen zu können, teilten wir die Concluding Conference in zwei Teile: eine Online-Veranstaltung (13-17h) und eine Face-to-Face-Abendveranstaltung (ab 18h). Erstere umfasste dabei insgesamt zwölf Vorträge in den Themenclustern Soziales, Ökonomie und Ökologie, welche sich an den drei Nachhaltigkeitsdimensionen orientierten. So beinhaltete das Cluster Soziales beispielsweise einen Vortrag von Hjördis Denker zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Nachhaltigkeit und Glück. Im Cluster Ökonomie behandelte Nils Mönckeberg, wo und wie Unternehmen mit der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien beginnen können und im Cluster Ökologie berichtete Steffen Meuwesen über Gründe, warum in der Dachbegrünungsbranche wertvolle Rohstoffe aktuell auf der Deponie landen, anstatt wiederverwertet zu werden. Bei der Abendveranstaltung in den Räumlichkeiten der HSBA mit etwa 60 Gästen, trugen dreiweitere Studierende ihre Forschungsergebnisse vor. So berichtete Lucas Krassau über kulturelle Einflüsse bei ethischem Kleidungskonsum, Maximilian Kadus fand eine Antwort darauf, warum aktuelle Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Unternehmen meist nur ineffektive Tropfen auf den heißen Stein sind und Jonah Francke sprach über den Digitalisierungsgrad von Behörden und dessen Bedeutung für die Obdachlosenhilfe. In anschließenden Fokusgruppen kam es dann zu intensiven Diskussionen dieser drei Themen zwischen Gästen und uns Studierenden. Das klare Ziel: Silos aufbrechenNachhaltigkeit braucht Wandel. Und Wandel funktioniert nur dann, wenn die Bereitschaft für die Veränderung auch vorhanden ist. Bereits zu Beginn unseres Studiums hatten wir Studierenden uns deshalb das Ziel gesetzt, den Status Quo permanent in Frage zu stellen und unser im Studium erlangtes Wissen nach außen zu tragen. Unserer Meinung nach sollten Informationen zu den Themen Digitale Transformation und Nachhaltigkeit nämlich über alle Disziplinen hinweg für alle Menschen verfügbar sein. Nur so kann eine Gesellschaft zu nachhaltigem Denken, Handeln und Erleben sensibilisiert werden. Da die Concluding Conference gleichzeitig die Abschlussveranstaltung unseres Jahrgangs markierte, stand für uns damit fest, dass diese eben auch genau das verkörpern soll: Öffentlicher Zugang zu wertvollen Informationen über verschiedenste Themen und Diskussionen im Kontext Digitale Transformation und Nachhaltigkeit hinweg. Dabei war ebenso elementar, dass auch der diverse Berufshintergrund von uns Studierenden abgebildet wird, indem alle als Subject-Matter-Expert ihres Bereiches/ihrer Branche auftreten und so bestehende Silos durchbrechen.   Herausfordernd, aber äußerst zufriedenstellend Ohne Frage braucht eine Veranstaltung wie die Concluding Conference intensive Planung und Organisation. Insbesondere das technische Setup des digitalen Veranstaltungsteils forderte Geschick und Leistung im Team – schließlich musste aus zwei Räumen der HSBA gestreamt, ständige Referent:innen-Wechsel gemanagt und zeitliche Abläufe eingehalten werden.  So brauchte es u.A. eine professionelle Moderation über den Tag hinweg, als auch Regisseur:innen, welche permanent die Live-Schaltung technisch überwachen. Dank unserer über die letzten zwei Jahre intensivierten Fähigkeiten, im Team gut zusammen zu arbeiten sowie zielorientiert zu kommunizieren, gelang uns ein reibungsloser Veranstaltungsablauf mit insgesamt 90 Zuschauenden. Zudem mündete der Tag in eine erfolgreiche Abendveranstaltung mit etwa 60 Gästen, welche konstruktive Diskussionsimpulse beitrugen und auf die Vorträge und Hintergründe der Studierenden eingingen. Insgesamt blicken wir damit auf eine großartige Concluding Conference zurück. Neben der guten Zusammenarbeit untereinander, zeigte sich ebenso, wie eng der Studiengang in den letzten zwei Jahren zusammengewachsen ist und wie sich Freundschaften entwickelt haben. Abschließend möchten wir uns für die technische Unterstützung und das Sponsoring der Abendveranstaltung bei der HSBA bedanken. Weiterer Dank geht an BAUM e.V. und FORUM NACHHALTIG WIRTSCHAFTEN für die Erwähnung unserer Events in den Fachkreisen der Mitglieder und Leser:innen. Der größte Dank gilt jedoch unserer Studiengangsleitung, Frau Prof. Dr. Hensel-Börner und Herr Prof. Dr. Michael Höbig. Danke für Ihren Einsatz für uns Studierende, für die Impulse, für die individuelle Betreuung, für Ihre Ehrlichkeit und für die Motivation, dass wir durchaus positiv in die Zukunft blicken können!Florian David Körner

Ökologische und soziale Folgen des westlichen Kleidungskonsums

Für die meisten Menschen in westlich geprägten Gesellschaften ist ein neues Kleidungsstück seit vielen Jahren Kompensationsinstrument Nummer eins für vielerlei persönliche Leiden. Ob eine schlechte Note in der Schule oder der Universität, Stress mit Eltern oder Freunden, eine Trennung oder hoher Erfolgsdruck im Büro, häufig werden die eigenen negativen Gefühle und Emotionen durch eine physische Shoppingtour oder volle Onlinewarenkörbe kompensiert. Leider ist die Freude über neue Sneaker oder einen neuen Lieblingspullover nicht von Dauer und so müssen neue Reize (häufig in Form neuer Kleidungsstücke) für die nächsten positiven Gefühle sorgen. Einmal in diesem Hamsterrad gefangen, ist es schwierig sich daraus zu befreien. Dabei geht eine derartige persönliche Kompensationssystematik nicht nur zum Leidwesen Ihres persönlichen Geldbeutels, sondern auch der ökologischen Verfassung des Planeten und der sozialen Verfassung von tausenden Arbeitenden in Entwicklungs- und Schwellenländern, die unter prekären Bedingungen für einen unterdurchschnittlichen Lohn, sieben Tage in der Woche arbeiten – häufig bereits im Kindesalter (u.a. Niinimäki et al. 2020; Centre for Sustainable Fashion et al. 2022; Ellen MacArthur Foundation and Circular Fibres Initiative 2017; Amed et al. 2020; Niebank 2018). Ein Faktum, dass auf individueller Ebene leider allzu oft unterschätz und durch global agierende Modekonzerne, verdrängt, verharmlost und kleingeredet wird. Obwohl sich in den letzten Jahren einiges in Sachen ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit von Bekleidungsstücken getan hat, sind ein Großteil der derzeitig global praktizierten Produktions- und Distributionsprozesse weiterhin weit davon entfernt ökologisch und sozial nachhaltig zu sein (WWF 2022). Zumindest wenn man ökologische und soziale Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie nach Catrin Joergens (2006) wie folgt zusammenfasst und definiert: „fashionable clothes that incorporate fair trade principles with sweatshop- free labor conditions while not harming the environment or workers by using biodegradable and organic cotton.“ Die Sichtbarkeit der ökologischen und sozialen Probleme in der Kleidungsbranche stellt ein zentrales Problem bei der individuellen Sensibilisierung für genannte Themen da. Leider haben viele Menschen nicht die geringste Vorstellung davon, was Ihr Kleidungskonsum für ökologische und soziale Folgen generiert. Was unter anderem darin begründet liegt, dass Menschen in Deutschland mit einem Großteil dieser Folgen niemals direkt konfrontiert werden, da Sie nicht in dem für Sie sichtbaren Bereichen existieren. Die Verschmutzung von Flüssen und Seen durch die Verknappung giftiger Chemikalien und der Einsatz von Kinderarbeit finden nicht in einem Hamburger Vorort statt, sondern tausende Kilometer entfernt in den Produktionsgebieten der weltweiten Kleidungsindustrie in Indien, Bangladesch, Vietnam und China. Ohne aktives Engagement in Form von Recherche bekommt der Ottonormalverbrauchende hierzulande also erstmal nichts von den Folgeschäden seines Kleidungskaufes mit. Dabei gibt es durchaus Studien, welche die Folgen des Kleidungskonsums ziemlich genau skizzieren. Leider findet dieses Wissen allzu selten seinen Weg in populärwissenschaftliche Magazine und Zeitschriften, wodurch eine bessere Sensibilisierung für die ökologischen und sozialen Folgen westlichen Kleidungskonsums unter anderem an dem mangelhaften Transfer von Studienergebnissen in den breiten öffentlichen Diskurs hinein scheitern. Bezogen auf die rein ökologischen Folgen westlichen Kleidungskonsums veröffentlichte das deutsche Umweltbundesamt im Jahr (2021) eine Studie, die nicht nur konkrete Richtwerte für die globale Bekleidungsindustrie benannte, sondern auch, zwecks besserer Verständlichkeit, in globale Relation setzte. Während der Anteil der globalen Bekleidungsindustrie lediglich rd. 0,6% am weltweiten Einkaufsvolumen einnimmt, ist der Industriezweig trotzdem für mehr als rd. 1% der weltweiten Treibhausgasemissionen, für rd. 5% der weltweit verbrauchten Chemikalien, für rd. 1,1% der weltweiten Wasserentnahmen aus Gewässern und Grundwasser, für rd. 4% der gesamten jährlich ausgebrachten Düngermenge, für rd. 6% der weltweit verbrauchten Pestizide und für rd. 16% der weltweit verbrauchten Insektizide verantwortlich. Auch speziell auf Deutschland bezogen führte die Studie modellierte Richtwerte an, welche die ökologischen Folgen des Kleidungskonsums verdeutlichten. Im Jahr 2015 verursachte der deutsche Bekleidungskonsum durchschnittlich 135 Kilogramm Treibhausgase pro Kopf, was etwa der Emissionsmenge einer PKW-Fahrt von Flensburg an den Bodensee entspräche. Darüber hinaus verbraucht der deutsche Bekleidungskonsum jährlich ca. 17.200 Liter Wasser pro Kopf. Ein Teil dieses Wassers wird aus Grundwasser und Gewässern abgepumpt und somit der lokalen Bevölkerung als Trinkwasser und zum dortigen Lebensmittelanbau entzogen, was besonders in Gebieten mit saisonaler Wasserknappheit wie beispielsweise in Indien, ein großes Problem für die hiesige Bevölkerung darstellt. Trotz einer wachsenden Sensibilisierung westlicher Konsumierenden aufgrund von Aufklärungskampagnen zahlreicher NGO´s und/oder Eigeninitiative bleibt letztendlich die Frage, was kann jeder selbst tun, um die negativen ökologischen und sozialen Folgen von westlichem Bekleidungskonsum zu minimieren. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass deutsche Verbraucher im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr kaufen und sich gleichzeitig die Tragedauer von Kleidungsstücken in den letzten 15 Jahren halbiert hat (Perschau et al. 2017), ist die Antwort denkbar einfach – Kleidungsstücke länger tragen und wenn es doch ein neues Kleidungstück sein muss, eher auf Seconhand setzten. Bis zur gänzlich nachhaltigen Produktion und Distribution von Bekleidung ist es noch ein weiter Weg. Trotzdem haben Sie, die Konsumierenden, es in der eigenen Hand und können vor jedem neuen Einkauf entscheiden, ob es wirklich neue Kleidungsstücke sein müssen oder ob nicht auch Seconhand-Kleidungsstücke in vielen Fällen eine Alternative bieten. So würden nicht nur die Treibhausgasemissionen von Produktion und Distribution reduziert, sondern auch der Wasserverbrauch in Ländern mit ohnehin wenig Grundwasser gesenkt werden. Zusammenfassend würden mehr Seconhand-Kleidungsstücke nicht nur Ihrem Geldbeutel guttun, sondern durch weniger Nachfrage nach neuer Kleidung auch die negativen ökologischen und sozialen Folgen von neu produzierten Kleidungstücken mindern, denken Sie drüber nach! Lucas Philipp Krassau Literaturverzeichnis:  Amed, Imran, Achim Berg, Anita Balchandani, Saskia Hedrich, Felix Rölkens, Robb Young, and Sharina Poojara. 2020. ‘The State of Fashion 2020’. London: Mc Kinsey & Company. https://www.mckinsey.com/~/media/mckinsey/industries/retail/our%20insights/the%20state%20of%20fashion%202020%20navigating%20uncertainty/the-state-of-fashion-2020-final.pdf. Centre for Sustainable Fashion, Julie´s Bicycle, British Fashion Council, DHL, and London College of Fashion. 2022. ‘Fashion & Environment: An Overview of Fashion´s Environmental Impact & Opportunities for Action.’ White Paper. London. https://www.britishfashioncouncil.co.uk/uploads/files/1/NEW%20Fashion%20and%20Environment%20White%20Paper.pdf. Ellen MacArthur Foundation and Circular Fibres Initiative. 2017. ‘A New Textiles Economy – Redesigning Fashion´s Future’. England: Ellen MacArthur Foundation. https://emf.thirdlight.com/file/24/uiwtaHvud8YIG_uiSTauTlJH74/A%20New%20Textiles%20Economy%3A%20Redesigning%20fashion%E2%80%99s%20future.pdf. Joergens, Catrin. 2006. ‘Ethical Fashion: Myth or Future Trend?’ Edited by Liz Barnes. Journal of Fashion Marketing and Management: An International Journal 10 (3): 360–71. https://doi.org/10.1108/13612020610679321. Jungmichel, Norbert, Kordula Wick, and Dr. Moritz Nill. 2021. ‘Kleider mit Haken’. Hamburg: Umwelt Bundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/uba_kleider_mit_haken_bf.pdf. Niebank, Jan-Christian. 2018. ‘Analysis: Bringing Human Rights into Fashion: Issues, Challenges and Underused Potentials in the Transnational