Teil 1

Im Rahmen der Sustainabilty Challenge wollte ich meine Zeit mit Senioren verbringen, dies war mir schon direkt zu Beginn der Challenge bewusst. Die Chance, sich mit den älteren Menschen außerhalb seines täglichen Umfeldes zu beschäftigen und ihnen meine Zeit zu schenken, um so auch etwas zurückgeben zu können, war für mich ein Geschenk.

Meine ehrenamtliche Tätigkeit verbrachte ich in einer Pflegeeinrichtung für Senioren, aber auch Demenzkranke. Das Pro Seniore Hamburg bietet neben der Langzeitpflege, auch Kurzzeit-, und Vitalpflege, sowie Ergo-, und Physiotherapie an. Durch das breite therapeutische Angebot sollen Senioren dabei unterstützt werden, ihre Selbstständigkeit zu erhalten und die Unabhängigkeit auch noch bis ins hohe Alter bewahren zu können. Mir war es wichtig, mit meiner Zeitspende einen Teil dazu beizutragen, den Senioren im Sinne des SDG’s 3 „ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters“ zu gewährleisten und ihr Wohlergehen zu fördern.

Ich wurde bereits zu Beginn meiner Tätigkeit in der Pro Seniore Hamburg mit offenen Armen und viel Freude empfangen. Schnell habe ich gemerkt, dass sie mich als einen Teil der „Pflege-Familie“ ansehen. Toll zu sehen war es, mit wie viel Herzblut, Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit dort gearbeitet wird, trotz des bekanntlich stressigen Alltages. Alle Mitarbeiter haben versucht die Senioren zu jeder Zeit in den Mittelpunkt zu rücken. Angefangen beim Mittagessen – jeder Bewohner hatte die Möglichkeit sich unterschiedliche Speisen auszusuchen. Jeden Mittag wurden die Senioren namentlich aufgerufen, um das Essen abzuholen oder ihnen wurde liebevoll der Teller angerichtet und zum Tisch gebracht. Entgegen meiner Erwartung verlief das Mittagessen in schöner Atmosphäre ab und nicht wie erwartet in stillem und kühlen „Kantinenflair“. Auch ich durfte die Senioren beim Mittagessen begleiten und füttern. Die anfänglichen Berührungsängste und die Angst sich vor unangenehmen Gerüchen oder Essensresten zu ekeln, waren tatsächlich total schnell verflogen. Die Bewohner des Hauses haben mich mit ihrer Offenheit und witzigen Art sehr beeindruckt und mir die Nähe zu ihnen extrem erleichtert. Nicht nur beim Mittagessen, sondern auch in der Freizeitgestaltung werden die Senioren aktiv miteinbezogen. Jede Woche haben die Bewohner der Residenz die Möglichkeit an abwechslungsreichen Aktivitäten teilzunehmen, die sie sich in der vorherigen Woche gewünscht haben. So haben die Senioren die Möglichkeit aktiv ihren Alltag so zu gestalten, wie sie es auch in Teilen zuhause tun würden. Auch hier war ich ein Teil der Pflege-Familie. Ich durfte mit den Senioren singen, ihnen vorlesen, Geschichten erzählen, turnen, backen und Bingo spielen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diese Aufgaben so gut meistern konnte, ohne dass ein Gefühl des Fremdschämens hochkommt. Es war ein tolles Gefühl, so viel Dankbarkeit und Wertschätzung der Senioren für meine Fürsorge zu erhalten.

Die Corona-Pandemie hat auch meine ehrenamtliche Tätigkeit vor eine Herausforderung gestellt. Nach der längeren „Zwangspause“ durfte ich schlussendlich aber doch wieder in die Residenz, natürlich vor dem Hintergrund sämtliche Regeln und Abstand zu den Bewohnern einzuhalten. Ich war froh, dass ich dennoch weitermachen konnte, obwohl einige meiner Aufgaben umstrukturiert werden mussten. Der Hauptfokus meiner Arbeit sollte auf der Interaktion und der Beschäftigung mit den Senioren liegen. Zum Teil durfte ich nun auch einige organisatorische Aufgaben in der Verwaltung übernehmen, dennoch aber auch Besorgungen und Einkäufe für die Senioren erledigen. Trotz der teilweisen Umstrukturierung der Aufgaben freute ich mich, dass ich trotz der Umstände meine Zeit sinnvoll einbringen konnte. Ich konnte also die Zeit in der Verwaltung nutzen und einige neue Prozesse und Tools einzuführen, die es dem Team ermöglichen, Zeit zu sparen und Aufgaben schneller zu erledigen.

Unter Einhaltung der AHA* Auflagen war es mir möglich trotz der Corona Pandemie Kontakt zu den Senioren zu halten. Es hat sich für mich bestätigt, wie wichtig es ist einfach „nur“ Gesellschaft zu leisten und sich mit ihnen zu unterhalten, Ängste, Sorgen und Nöte auszutauschen und ihnen meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Zu der Zeit fungierte ich quasi als Ersatz für die Familien der Senioren, denn zu diesem Zeitpunkt durfte keiner der Senioren Besuch empfangen. An dieser Stelle war es für mich persönlich also noch wichtiger und bedeutungsvoller, Zeit mit ihnen zu verbringen. Auch wenn der Kontakt eingeschränkt war, hatte ich das Gefühl etwas Gutes für die Senioren zu tun!

Meine Zeit in der Pro Seniore Residenz hat mir gezeigt, wie ich mit meiner „Ressource“ Zeit dem Pflegepersonal Luft zum Durchatmen und Zeit für andere Bewohner einräumen konnte. Auch wenn es nur eine relativ gesehen kurze Zeit war, freue ich mich ein Teil des Teams gewesen zu sein und werde auch in Zukunft den Senioren und der Einrichtung meine Zeit schenken.

 


Isabelle Eckartz, Digistainable 2018

HINTERGRUND

Das Modul „Sustainability Challenge“ im vierten Semester unseres Studiengangs lässt uns, die Studierenden, selbst aktiv werden und soll uns motivieren, ein selbstgewähltes Thema zu behandeln. Wir definieren eigene Projektaufgaben, die durch die Mitwirkung in einer sozialen Initiative oder Nachhaltigkeitsorganisation bearbeitet werden sollen. Teil des Projekts ist die Reflexion des Erlebten, der gemeinsame Austausch sowie die Inspiration der interessierten Öffentlichkeit. Dabei lernen wir die Herausforderungen unserer Zeit selbst zu erkennen und anzunehmen. Der Ausbruch aus der eigenen Komfortzone ist ausdrücklich erwünscht.

Teil 2

Gesundheit ist das Ziel, die Voraussetzung und das Ergebnis von nachhaltiger Entwicklung. Um dies auch bis ins hohe Alter gewährleisten zu können, braucht es Organisationen und Menschen, die sich dafür einsetzen. Daher war es mir eine Freude die Zeitspende im Rahmen der Sustainability Challenge unseres Master Studienganges Digital Transformation and Sustainability dem ProSeniore Hamburg zu widmen.

Die Pflegeeinrichtung fokussiert sich in ihrer Arbeit nicht nur auf Senioren, sondern bietet auch ein umfangreiches und persönliches Programm für demenzkranke Patienten. Bei Demenz ist vor allem wichtig die Patienten nicht allein zu lassen, sondern ihnen Sicherheit durch Ordnung und Strukturen zu bieten und so Vertrauen in sich selbst und in ihre Umgebung aufrechtzuerhalten. Mich hat es sehr berührt, wie herzlich sich das Personal trotz der hohen körperlichen und auch psychischen Belastung um jeden der Bewohner gekümmert hat.

Neben den speziellen Angeboten für Erkrankte zeichnet das ProSeniore auch das bunte Tagesprogramm aus, welches sowohl die Förderung der physischen Gesundheit aber auch der sozialen Aspekte des Lebens zum Ziel hat. Es hat mir sehr viel Freude bereitet mit den Senioren bei dem lockeren „Klönschnacken“ oder auch beim Tagesausflug zum Wochenmarkt zu interagieren und mich mit ihnen auszutauschen. Dabei wurde mir jedoch bewusst wie viel Geduld es abverlangt diesen Job langfristig zu machen aber auch, wie wichtig es ist im Alter verlässliche Hilfe zu haben, um weiterhin ein selbstständiges und würdevolles Leben genießen zu können. Für mich ist es daher völlig unbestreitbar, dass für den Erhalt einer humanen Gesellschaft die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen (durch geschultes Personal) künftig noch mehr als bisher gefördert werden muss. Pflegekräfte müssen nicht nur besser bezahlt, sondern auch entlastet werden. Dies gilt sowohl bürokratisch als auch personell. Als Studierende eines sehr zukunftsorientierten Studienganges habe ich mir daher Gedanken über Verbesserungsmöglichkeiten durch die Digitalisierung oder Technologisierung der Altenpflege gemacht. Ich bin mir sicher, dass technologischer Fortschritt sicherlich einige dieser Punkte verbessern kann, jedoch „Pflegeroboter“ niemals die so zentrale soziale Komponente der Pflege und die Mensch-zu-Mensch-Kommunikation ersetzten werden können.

Dennoch habe ich mich, genau wie meine Kommilitonin Isabelle, sehr wundern müssen wie veraltet die Abläufe sowie die Ausstattung der Verwaltung im ProSeniore waren. Selbst in einem Altenheim würden die meisten Menschen heutzutage W-Lan erwarten. Somit war es nicht verwunderlich, dass vor allem unsere Computer und Excel-Kenntnisse oft in Anspruch genommen wurden, um beispielsweise Adressdaten statt „manuell“ per Sverweis zu aktualisieren. Zudem wurde deutlich, dass eine mangelnde IT-Infrastruktur und fehlendes Know-How auch echte ökologische Folgen haben können. So waren wir doch sehr schockiert, wie viel Papiermüll durch ineffizient gestaltete Grußkartenvorlagen entstehen kann. All diese Aufgaben entsprachen sicherlich nicht meinen anfänglichen Vorstellungen bezüglich der Arbeit im ProSeniore, jedoch war ich am Ende sehr glücklich dem Personal in diesem Bereich durch meine Computer-Kenntnisse helfen und es so entlasten zu können. Nicht zuletzt auch aufgrund meiner fehlenden Pflegekenntnisse und der Corona-Pandemie, welche die Möglichkeiten zur direkten Mithilfe natürlich deutlich einschränkte. Dies hat jeden direkten Austausch mit den Bewohnern jedoch umso besonderer gemacht und ich habe es sehr genossen mich bei Kaffee und Kuchen im Gemeinschaftsraum zu unterhalten.

 


Fabienne Meyer-Pohl, Digistainable 2018

WAS IST PRO SENIORE HAMBURG?

Das Pro Seniore Hamburg bietet neben der Langzeitpflege, auch Kurzzeit-, und Vitalpflege, sowie Ergo-, und Physiotherapie an. Durch das breite therapeutische Angebot sollen Senioren dabei unterstützt werden, ihre Selbstständigkeit zu erhalten und die Unabhängigkeit auch noch bis ins hohe Alter bewahren zu können.
Erfahre mehr und unterstütze selbst: https://hamburg.pro-seniore.de/