Hamburgs verdreckte Ecken – Zwischen Gold und Spritzen 

Der Studiengang Digitale Transformation und Nachhaltigkeit an der Hamburg School of Business Administration (HSBA) hat einiges mit ihren Studierenden vor. Neue Module, Praktiken und Arbeitsmethoden sorgten unter anderem dafür, dass ich als gestärkte und erfahrenere Person aus den vergangenen Semestern hervorgetreten bin. Wäre das Studium nicht schon herausfordernd genug, startete das Modul „Sustainability Challenge (SC) im vierten Semester. 

Bereits vor Antritt der SC ist mir eine gemeinnützige Initiative über Instagram durch ihre Projekte ins Auge gesprungen. Nämlich mit sogenannten Clean-Ups: Aufräum-Aktionen in Hamburg zum Sammeln von Müll und gleichzeitig von Karmapunkten. Nicht nur die Aktion selbst hat meine Aufmerksamkeit geweckt, sondern die beeindruckende Organisation und Planung darum herum. Es zeigte sich eine starke Community, die über das Diskutieren von Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein hinaus aktiv ist. Alle mit einem gemeinsamen Ziel und, am Ende eines jeden Clean-Ups, mit einem kühlen Getränk in der Hand. 

So fand ich meinen Weg zur gemeinnützigen Organisation Oclean. Bereits der erste digitale Austausch mit Marie, einer der drei Gründerinnen und Schwestern, war äußerst positiv und bereits sehr thematisch geprägt. Ich habe sofort bemerkt: Die Mädels sind mit Herzblut dabei, innerhalb kürzester Zeit ein eingespieltes Team geworden und im Nachhaltigkeitsumfeld von Hamburg fest etabliert. Zwar unterstützen die regelmäßigen Clean-Ups gewissermaßen die musterhafte und funktionierende Stadtreinigung Hamburg, aber in erster Linie geht es darum, gemeinsam als Hamburger Community für unsere Stadt und Umwelt einzustehen. 

Mein erster und wichtigster Clean-Up: 

Wie man es nicht anders von der Oclean Planung kennt, werden die Clean-Ups im Vorfeld über Social-Media angekündigt, @oclean.hamburg, und ein Treffpunkt in Hamburg vereinbart. Ja, vereinbart. Denn jeder Hamburger ist dazu aufgerufen, besonders schmutzige Plätze an Oclean zu reporten, damit ein potenzieller nächsten Clean-Up dort geplant werden kann. Nicht weit vom Treffpunkt entfernt, kamen mir die ersten Personen mit gebrandeten Eimern und Greifzangen entgegen. Keine 100 Meter weiter war ein Informationsstand postiert, an welchem die Organisatorinnen nicht nur das komplette Equipment zum Müllsammeln bereitstellten, sondern auch Personen über die Umweltsituation aufklärten und zum Beispiel Handaschenbecher verteilten. 

Ausgestattet mit Handschuhen, Eimer und Greifzange ging es los. Die ersten Griffe mit der Zange führten ins Nichts. Das kann doch nicht so schwer sein!“, sagte ich mir. Nach weiteren Greifversuchen und einigen wenigen Erfolgen, Zigaretten und Kronkorken aufzuheben, nahm ich mir einen festen Bereich vor. Als damaliger frischer Nichtraucher entstand ein kontroverses Gefühl, während sich mein Eimer mit Zigarettenstummeln füllte, und ich mir gleichzeitig bewusst wurde, wie häufig ich Zigaretten in den vergangenen Jahren auf dem Boden warf. Ein beschämendes Gefühl, wenn man sich ansieht wie 30-50 Personen rund um dich herum allein damit beschäftigt sind, Zigaretten auRitzen und Büschen zu kratzen. 

Diese Bewusstseinsveränderung ist der positivste Aspekt und lässt mich weiterhin Handlungen und Verhaltensweisen erneut hinterfragen. Darüber hinaus waren die Gespräche mit anderen aktiven Helfern oder interessierten Passanten sehr aufschlussreich und informativ. Ein Teil unter Gleichgesinnten zu sein, in welcher eine grundlegend positive Stimmung herrschte, hat mich extrem bereichert und kann ich nur jedem ans Herz legen.  

Es kam nicht selten vor, dass einige erstaunliche Gegenstände gefunden wurden: Vom Ehering bis hin zu Bargeld war alles dabei. Meine „Erfolge“, in diesem Sinne, sind das ausfindig machen von genutzten Drogenspritzen (fürchterlich) und ein Goldarmband am Hamburger Hafen. Ich kann nur sagen, ich werde Oclean weiterhin unterstützen und bin ausgesprochen froh hier meinen Beitrag für die Umwelt zu leisten! 

 


Tim Geringer, Digistainable 2018

HINTERGRUND

Das Modul „Sustainability Challenge“ im vierten Semester unseres Studiengangs lässt uns, die Studierenden, selbst aktiv werden und soll uns motivieren, ein selbstgewähltes Thema zu behandeln. Wir definieren eigene Projektaufgaben, die durch die Mitwirkung in einer sozialen Initiative oder Nachhaltigkeitsorganisation bearbeitet werden sollen. Teil des Projekts ist die Reflexion des Erlebten, der gemeinsame Austausch sowie die Inspiration der interessierten Öffentlichkeit. Dabei lernen wir die Herausforderungen unserer Zeit selbst zu erkennen und anzunehmen. Der Ausbruch aus der eigenen Komfortzone ist ausdrücklich erwünscht.

WAS IST OCLEAN? 

Oclean ist eine im Sommer 2019 gegründete gemeinnützige GmbH mit Sitz in Hamburg. Die Schwestern Hannah, Lena und Marie wollen mit ihren Projekten die Menschen dazu ermutigen, nicht mehr nur über Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein zu diskutieren, sondern einfach mal aktiv zu werden. 

Um dieser Mission nachzukommen veranstaltet Oclean regelmäßige Clean-Ups in ganz Hamburg, für ein gemeinsames und sauberes Hamburg. Oclean sorgt dafür, dass jeder seinen persönlichen Beitrag für eine saubere Umwelt leisten kann. Darüber hinaus organisieren die Schwestern Workshops und Firmen-Clean-Ups, in welchen gezielt auf alltägliche Umweltprobleme und -fragen eingegangen wird. 

Erfahre mehr und unterstützte selbst: www.oclean.hamburg