Im Rahmen der Sustainability Challenge hatten wir DTSler die Möglichkeit eine Zeitspende für eine Organisation unserer Wahl aufzubringen. Ziel war es, ganz aktiv einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung im Sinne der SDGs zu leisten – und das komplett „hands on“ und vor Ort.

Für mich stand fest, dass ich meine Zeitspende für Tiere aufbringen wollte. Leben an Land und unter Wasser – ganz getreu den SDGs 14 und 15 – leidet zu großen Teilen unter den Auswirkungen des menschlichen Lebensstils. Dabei sind nicht nur exotische Tierarten und die Biodiversität in Gefahr, sondern auch das Wildleben vor unserer Haustür hat mit unseren Auswirkungen zu kämpfen.

So bin ich auf LOOKI e.V. – Verein zur Tierrettung gestoßen. LOOKI wurde vor 10 Jahren quasi aus dem Nichts aufgebaut und widmet sich vor allem der Rettung verletzter oder verwaister Igel. Mittlerweile haben jedoch auch viele andere (Wild-)Tiere mit LOOKI einen sicheren Hafen gefunden. Ob als Krankenstation, als Waisenhaus oder als kleinen Garten Eden als zweiten Start ins Leben, wie es für viele ehemalige Hühner aus Legehennenbetrieben der Fall ist – Looki ist für viele die letzte Hoffnung.

Da die Station komplett ehrenamtlich organisiert ist, ist jegliche Hilfe immer willkommen – ob handwerklich, als rasender Reporter oder so wie in meinem Fall als Tierversorgerin. Mit vielen hungrigen Mäulchen, die gestopft werden müssen, und Bewohnern, die sich in einem kuscheligen und vor allem sauberen Zuhause am wohlsten fühlen, gibt es immer viel zu tun. Hauptaufgabe ist das Füttern der Tiere. Die Igel müssen frisches Wasser, Nass- und Trockenfutter erhalten. Hinzu kommt die Säuberung der Gehege. Dabei muss vor allem darauf geachtet werden, dass reichlich zerkleinertes und geknülltes Zeitungspapier (als Laub-Imitation) in den Unterschlüpfen vorhanden ist und die Igel fit sind. Auch wenn die Tiere alle tierärztlich professionell betreut werden, werfen wir Ehrenamtlichen immer ein Auge auf die Wildtiere, denn oft werden sie von lästigen Schädlingen wie Milben geplagt. In der warmen Sommerzeit ist es dann für viele der Schützlinge so weit und sie werden ausgewildert.

Die Station steht nie still. Fast jede Woche werden neue Gehege gebaut, weitere Notfälle aufgenommen oder Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Die Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit mit den Medien ist dabei essentiell, denn der Verein ist nicht nur auf die Unterstützung von Ehrenamtlichen angewiesen sondern auch finanziell komplett von Spendengeldern abhängig.

Meine Erfahrung bei Looki hat leider meine anfängliche Motivation, zu den SDGs 14 und 15 beizutragen noch bestätigt, denn die meisten Tiere auf der Station sind durch den menschlichen Lebensstil oder unsere Technik in ihre misslichen Lagen geraten. Insbesondere Rasenmähroboter stellen eine große Gefahr für Igel dar und fast täglich wurden neue Notfälle von oft tödlich verletzten Igeln gemeldet. Diese Erfahrung hat mich sensibilisiert, meine Lebensstil- und Kaufentscheidungen noch bewusster in Hinblick auf die Tierwelt zu treffen.

Begeistert von der Selbstlosigkeit, der Motivation und dem Herzblut der vielen Ehrenamtlichen und vor allem der Looki Gründerin Vanessa, bin ich Looki auch nach Abschluss der Challenge treu geblieben. Mit dem Gefühl auf eine ganze andere Art als in der Uni einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt schaffen zu können, freue ich mich auch weiterhin jede Woche auf die vielen hungrigen Igel-Mäulchen.

 

Lena Becker, Digistainable 2019

HINTERGRUND

Die Sustainability Challenge ist ein fester Bestandteil unseres Studiums. Das Modul liegt zwischen dem dritten und vierten Semester und lässt uns vom Reden ins Handeln kommen. Die Idee dahinter ist, dass jede/r Studierende sich eine soziale Initiative oder Nachhaltigkeitsorganisation aussucht und diese kurz- oder langfristig unterstützt. Über sich hinauszuwachsen, ist dabei vorprogrammiert – und ausdrücklich erwünscht. Teil der Sustainability Challenge ist außerdem die anschließende Reflexion der gesammelten Erfahrungen sowie der gemeinsame Austausch. Denn unser Ziel ist es, unsere Erlebnisse mit allen Interessierten zu teilen und vielfältige Möglichkeiten eines nachhaltigen Engagements aufzuzeigen.