Vor ein paar Wochen habe ich in der ZEIT ein Interview mit Stewart Brand gelesen, welches ich so inspirierend fand, dass ich den amerikanischen Autor und Ökologen hier auf der Website vorstellen möchte.

Für alle, denen der Name genauso wie mir bisher noch nichts sagt: Brand ist mittlerweile 81 Jahre alt, jedoch noch voll und ganz in seiner Arbeit gefangen und ist vielleicht einer der wichtigsten Neudenker und Macher unserer Zeit, wenn es um Klimaschutz und gesellschaftlichen Wandel geht. Bekanntere Gesichter, wie Steve Jobs, Jeff Bezos und Chris Anderson beschreiben ihn als Helden ihrer Generation.

Aber was hat dieser Mann gemacht – und was tut er immer noch – was so heldenhaft ist? Er entwickelt nicht nur Visionen, er setzt sie eine nach der anderen um und hat damit keinen geringeren Anspruch, als unsere Gesellschaft zum Umdenken zu bringen und unseren Planeten zu retten.

In den sechziger Jahren war Brand die treibende Kraft, der Initiator einer Kampagne, die die NASA dazu brachte, Bilder von der Erde aus dem Weltraum zu veröffentlichen. Auf sein Engagement hin wurde das erste Farbfoto unseres Planeten aus dem All geschossen und veröffentlicht (bekannt geworden unter dem Titel „Earthrise“). Brand war der festen Überzeugung, dass die Schönheit des Blauen Planeten, umgeben vom schwarzen Nichts, das Bewusstsein der Menschen verändern würde; dass ihnen klar würde, dass es sich lohnt ihn zu schützen. Später gründete er die Zeitschrift „Whole Earth Catalog“, in dessen Mittelpunkt Themen wie Selbstversorgung, Ökologie, DIY und Alternativpädagogik standen. Steve Jobs bezeichnete das Magazin einst als „Die Bibel unserer Zeit“.

Derzeit arbeitet er an einem seiner vermutlich letzten und wie ich finde unfassbar beeindruckendem Projekt: The Clock of the Long Now (https://longnow.org/clock/). Seit mittlerweile über 25 Jahren arbeiten er, der Informatiker Daniel Hillis, der Musiker Brian Eno und ein Team von Technikern an dieser Uhr, die über 10.000 Jahre lang laufen soll. Die ewig laufende Uhr soll unser Bewusstsein für langfristiges und nachhaltiges Denken (und Handeln) schärfen. Die Notwendigkeit über viele Jahrzehnten und Generationen hinweg zu denken soll uns bewusst gemacht werden, das Augenmerk wird darauf gerichtet, dass was wir heute tun noch in vielen, vielen Jahren Auswirkungen haben wird. „Was schnell geschieht ist nicht so wichtig (…). Was sich hingegen langsam und auf der Ebene der Infrastruktur, der Governance, der kulturellen Veränderung und schließlich der großen Menschheitsmythen und der biologischen Evolution vollzieht, besitzt Realität, Relevanz und Macht“.

Quelle: https://longnow.org/clock/

Ebenso ehrgeizig und visionär ist ein weiteres seiner aktuellen Projekte, dessen Ziel es ist, ausgestorbene Tierarten wie das Wollhaarmammut wiederzubeleben. Auch in diesem Projekt sieht er eine Symbolwirkung und geht davon aus, dass die erfolgreiche Auferstehung der Mammuts etwas tief drinnen in den Menschen auslösen wird. Dass sie verstehen, dass es sich lohnt, sich für unsere Natur einzusetzen und sie zu schützen. Und vor allem auch, dass man etwas tun kann, die Dinge nicht als gegeben hinnehmen sollte!

Abgesehen von Brands Fähigkeit zum Anders-Denken und seinem Mut zum Vorangehen finde ich es äußerst bewundernswert, dass er trotz der intensiven Auseinandersetzung mit Themen wie dem Klimawandel und der Schwerfälligkeit der Menschen einen sehr positiven Blick auf die Dinge behält. So zeigt er sich in dem Interview überzeugt davon, dass wir das Steuer noch herumreißen können, dass unsere Gesellschaft die Fähigkeit und den Willen besitzt, diese Erde (und sich selbst) zu schützen.

Jeder der in seinem Handeln gegen die Krisen unserer Zeit einen Schub Motivation und Hoffnung gebrauchen kann, sollte sich mit dem Leben und der Arbeit dieses Mannes einmal auseinandersetzen.

 

Sophia Bartsch, Digistainable 2019

Foto: Stewart Brand ©Robert Stone