Aufgrund der zunehmenden Erkenntnis eines kaum revidierbaren Klimawandels durch menschliche Einflüsse, sind Politik und Gesellschaft gezwungen sich heutzutage verstärkt mit den daraus resultierenden Konsequenzen zu beschäftigen. Verhandlungen über ein effizientes, gerechtes und durchsetzbares Abkommen über Emissionsreduktionen und sozialer Gerechtigkeit auf globaler Ebene scheiterten Jahrzehnte lang. Mit der Agenda 2030 haben die Vereinten Nationen im September 2015 erstmals Entwicklungsziele für alle Staaten verabschiedet. Im Mittelpunkt der Agenda steht ein ehrgeiziger Katalog mit den 17 sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs).

 

Die zentrale Frage der Nachhaltigkeitspolitik und der festgehaltenen Maßnahmen, ist die Messbarkeit. Dieser Aufgabe haben sich bereits viele Organisationen und Unternehmen gestellt, indem sie Messinstrumente für nachhaltiges Handeln entwickelt haben. Die Organisationen oder Unternehmen nutzen verschiedene Daten, zum Beispiel Länder- oder Kundendaten, als Basis für diese Messinstrumente und zeigen als Ergebnis die Auswirkungen nachhaltigen oder nicht nachhaltigen Handelns.

 

Die Herausforderungen für die Messbarkeit von Nachhaltigkeit beginnen bereits bei der Definition dessen, was als Nachhaltigkeit verstanden wird. Denn sowohl Unternehmen als auch Organisationen haben bis heute keine globale, einheitliche Definition von Nachhaltigkeit und Messung entwickeln können (vgl. Singh et al. 2009, 191). Das macht die Vergleichbarkeit und Überprüfungen der jeweiligen Messungen schwierig. Hinzukommen fehlende Daten oder deren schlechte Qualität, unterschiedliche Methoden und Indikatoren, die dazu führen, dass Nachhaltigkeit derzeit nicht einheitlich und ganzheitlich gemessen wird. Dementsprechend sind auch bisherige Bemühungen zur Messung von Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Und doch haben heutige Messungen und ihre Ergebnisse hohe Relevanz für die politische und gesellschaftliche Entscheidungsfindung.

 

Im Modul „Forschungsprojekt“ haben wir daher die Zeit genutzt, um uns mit der Messung von Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Dafür haben wir Messinstrumente, die sich mit Nachhaltigkeit im Sinne der ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte auseinandersetzen, freizugänglich sind und entweder Länderübergreifend oder für den Einzelnen zugänglich sind.

Messinstrumente für Länder Messinstrumente für den Einzelnen
Ecological Footprint Explorer Global Footprint Calculator
SDG Index & Dashboard Footprint Calculator
SDG Tracker Werde Klimatarier
Environmental Performance Index Ein guter Tag
Climate Action Tracker Henkel Footprint Calculator
CoolClimate Calculator

 

Für die genannten Messinstrumente wurde eine Nutzwertanalyse durchgeführt, deren Bewertungskriterien die folgenden waren:

  • Konstruktvalidität
    • Welche Aspekte der Nachhaltigkeit wurden betrachtet
    • Wie detailliert wurden die Aspekte beleuchtet
  • Datenqualität
    • Datenaktualität
    • Einsicht und Zugänglichkeit der Daten
    • Wissenschaftlichkeit der Datenquellen
    • Anzahl der verwendeten Quellen
  • Transparenz der Methodik
  • Bezug zu den SDGs
  • Usability des Messinstruments
  • Transferpotenzial

Auf Basis der Nutzwertanalyse wurde bestätigt, dass es kein einheitliches Verständnis und somit Zielbild für Nachhaltigkeit gibt, was sehr kritisch zu bewerten ist. Auf ein Zielbild hinzuarbeiten, das nicht einheitlich ist und verschiedene Aspekte incentiviert, macht eine globale Sichtbarkeit und Transparenz von nachhaltigem Verhalten und Erreichen der SDGs zunehmend schwierig.

Auf Individuen-Ebene überzeugte der Global Footprint Calculator, und auf Länder-Ebene der SDG Index & Dashboard. Dabei ist auffällig, dass alle Messinstrumente auf der Ebene des Einzelnen besser abschneiden in den Bereichen „Usability“, „Transferpotenzial“, wobei hier die Schwächen der Länder-Messinstrumente liegen, die hingegen bei „Datenqualität“ und „Konstruktvalidität“ überzeugen. Eine Zusammenarbeit und Austausch wäre somit neben der Verbesserung der Datenqualität und einheitlichen Verständnisbildung sinnvoll.

Insgesamt müssen bisherige Bemühung vorhandener Messinstrumente gewürdigt werden, Nachhaltigkeit messbar zu machen. Denn auch wenn sie noch großes Potenzial für Verbesserung aufweisen, versuchen sie sich der Thematik anzunehmen. Während der Erstellung der Arbeit wurde deutlich, dass dies ein mitunter zähes Unterfangen sein kann und es viele Hürden für Nachhaltigkeitsforschung gibt, wie fehlende Daten und mangelnde Datenqualität, uneinheitliche Definitionen, eine Vielzahl an verwendeten Messmethodiken und einen immer drängenderen Bedarf für fundierte Messinstrumente, die die richtige Entscheidungsgrundlagen für nachhaltige Entscheidungsfindung liefern können. Doch bereist Nelson Mandela wusste: „It always seems impossible until it’s done.“

 

Lisa Frommhold, Digistainable 2018


Bild:

Beispiel des besten Individuum-Messinstruments – https://www.footprintcalculator.org/food1