Das Smartphone als Ressource

2018 wurden 57 Millionen Smartphone-Nutzer in der Bundesrepublik verzeichnet. Dies entspricht knapp 70 % der Deutschen. Jedes Jahr wird in Deutschland ein Absatz von ca. 24 Millionen neuen Smartphones aufgeführt. Dabei führen Rohstoffgewinnung, Produktion und Nutzung zu immensen Umweltauswirkungen. Seit Juli 2016 sind große Elektrohändler von der Bundesregierung außerdem dazu angehalten, Elektrogeräte kostenlos zurückzunehmen. Dennoch werden die Altgeräte oftmals nicht ordnungsgemäß recycelt, sondern landen meist erst einmal in der Schublade der Nutzer. Studien gehen hierbei aktuell von rund 124 Millionen alten Mobilgeräten aus. Dabei lässt sich mit jedem einzelnen korrekt gesammelten Handy der umweltschädliche Ressourcenabbau reduzieren und ein nachhaltiger Beitrag leisten.

Im zweiten Semester wurde den digistainables durch das Modul „Unternehmens- und Forschungsprojekt“ der Raum und die Zeit gegeben – wie wir so schön sagen – „Einfach Mal in’s Machen zu kommen“. Neben der Forschung zum Thema „Das Smartphone als Ressource“ nutzte unsere Projektgruppe die Zeit, eine Handysammelaktion in‘s Leben zu rufen. Vom 13. bis 15. Juni 2019 sammelten wir sowohl Handys, Smartphones als auch Ladekabel durch eine zentrale Annahmestelle vor dem SQUARE Gebäude der Hamburg School of Business Administration (HSBA) sowie durch zusätzlich aufgestellte Boxen in vereinzelten Unternehmen, wie bspw. kooperierenden Energieunternehmen und Banken. Neben einer Anzeige im Hamburger Abendblatt sowie einem Beitrag vom NDR nutzten wir soziale Medien wie LinkedIn, Direkt-Mailings seitens der HSBA sowie eigens gestaltete Flyer und Plakate, um nicht nur Studierende, sondern auch die allgemeine Bevölkerung auf unsere Aktion aufmerksam zu machen.

In Deutschland führen viele Institutionen und Firmen wie u.a. auch die Telekom bereits Handysammelaktionen durch. Die Zusammenarbeit mit der Telekom enstand vor allem auch durch die hohen Sicherheitsstandards, auf die das Unternehmen bei diesen Aktionen besonderen Wert legt. Vor der Initiierung der Smartphoneaktion galt es zu beachten, dass die Sammlung alter Mobilgeräte in Deutschland gesetzlich reguliert ist. Die Telekom arbeitet mit einem DEKRA-zertifizierten Recyclingpartner namens Teqcycle zusammen, der sowohl beim Transport als auch bei der Datenlöschung auf dem aktuellen Stand der Technik ist (Umwelt Dialog 2017).  Dadurch konnte gleichsam der notwendige Datenschutz bei unserer Sammelaktion gewährleistet werden. Dieser Aspekt hat einen besonders hohen Stellenwert bei der Sammlung von mobilen Endgeräten, da private Daten wie bspw. Fotos auf den Geräten selbst oder den SIM-Karten gespeichert sein können und somit vor dem Zugriff Fremder geschützt werden müssen.

In Kooperation mit der Telekom arbeiteten wir nicht nur daran die Rohstoffe in Form von Altgeräten zu sammeln, sondern stellten vor allem auch die Sensibilisierung der Smartphone-Nutzer in den Vordergrund, um ein Bewusstsein für den Smartphone-Kreislauf in Deutschland zu schaffen. Denn, um ein nachhaltiges Bewusstsein in der Gesellschaft zu erreichen, muss vor allem auch der nachhaltige Konsum angeregt werden und Anreize geschaffen werden, die die Gesellschaft in ein aktives Handeln leiten. (Dießenbacher und Reller, 2016) Allein die Rohstoffe, für die in Deutschland jährlich verkauften Geräte, sind immens: Es werden etwa 720 kg Gold, 264 kg Palladium, 7.320 kg Silber, 396 Tonnen Kupfer und 1.531 Tonnen benötigt.

Insgesamt konnten wir durch unsere Aktion 465 Ladegeräte und 369 Mobiltelefone sammeln (Ingesamt: 834). Gemessen an der Materialzusammensetzung eines iPhone 6, konnten wir 48 kg von elf verschiedenen Rohstoffen einsammeln. Laut der bescheinigten Sammelurkunde von der Telekom sowie dem Recyclingpartner Teqcycle konnten somit durch umweltgerechtes Recycling 5.598 g Kupfer, 93,3 g Silber und 15,55 g Gold zurückgewonnen werden.

Die gesammelten Erlöse durch die gewonnen Ressourcen wurden an die Spendenorganisation „It’s for Kids“ gespendet. Diese setzt sich bundesweit für vernachlässigte oder anderweitig benachteiligte Kinder ein. Wir waren überwältigt, wie positiv diese Aktion angenommen wurde und wie vielschichtig die Personengruppen waren, die sich an der Akltion mit ihrer Handyspende, aber auch ihrem Interesse über Hintergründe zu der Aktion beteiligt haben!

 


Sandra Zech, Digistainable 2018


Dießenbacher, Joshena, und Armin Reller. 2016. „Das „Fairphone“ – ein Impuls in Richtung nachhaltige Elektronik?“ In Kritische Metalle in der Großen Transformation, von Andreas Exner, Klaus Kümmerer und Martin Held, 269-289. Berlin Heidelberg: Springer Spektrum.

Umwelt Dialog . 2017. Wirtschaft, Verantwortung, Nachhaltigkeit . 30. Juni. Zugriff am 27. Juni 2019. https://www.umweltdialog.de/de/verbraucher/leben-und-wohnen/2017/Alltag-unter-dem-Motto-refuse-reduce-reuse-recycle.php.