Ich studiere im Master Digital Transformation & Sustainability. Wenn ich das erzähle, kommt immer die Frage „Und was macht man da so?“ Obwohl mir die Frage bestimmt schon 100-mal gestellt wurde, gelingt es mir noch nicht, diese Frage präzise und erschöpfend in ein paar Sätzen zu beantworten. Das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die beiden Themen so komplex sind und unser Master so vielseitig ist, dass dieser sich schlichtweg nicht in ein paar Sätzen beschreiben lässt.

Ein Ziel kann ich jedoch klar benennen. Und zwar, dass die Studieninhalte nicht in dem Kreis unserer 17 Studierenden und Dozenten bleiben. Wir sollen als Multiplikatoren wirken, Impulsgeber werden und einen Austausch in unserer Gesellschaft zu diesen Themen fördern. Allerdings ist unsere Gesellschaft groß und die verfügbare Zeit mit Familie, Freunden, Arbeit, Studium und Hobbys häufig gering. Wo fängt man da jetzt an? Insbesondere bei den Themen Nachhaltigkeit und digitaler Transformation darf man sich meiner Meinung nach nicht von dem Anspruch entmutigen lassen, als Einzelperson die Welt zu verändern. Wenn jedoch jede Person ihren Beitrag leistet, erreicht man im Kollektiv so einiges.

Ich hatte im Rahmen meiner Sustainability Challenge die Möglichkeit einen kleinen Beitrag zu leisten. Ich habe meine Sustainability Challenge bei der Bahnhofsmission Hamburg absolviert. In diesem Verein stehen seit 1895 ein Mix aus freiwilligen Helfern, FSJlern und Festangestellten bereit, um Menschen in Not zu helfen. Ich durfte in mehreren Schichten unterstützen und so Themen wie Obdachlosigkeit, Drogenabhängigkeit und Orientierungslosigkeit hautnah miterleben. Die Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Es geht mir eher darum aufzuzeigen, wie ein Austausch in der Gesellschaft angeregt werden kann.

Häufig ist hierbei die beste Strategie einfach mal anzufangen, etwas auszuprobieren und zu sehen, ob es funktioniert. Gesagt, getan. Und so habe ich gemeinsam mit dem Leiter der Bahnhofsmission ein „Kamingespräch“ organisiert. Daran teilgenommen haben unterschiedliche Vertreter der Bahnhofsmission und des Trägervereins wie z.B. der Geschäftsführer, eine festangestellte Helferin, der Datenschutzbeauftragte und einige Weitere. Ziel dieses Gesprächs war es, meine Erfahrungen bei der Bahnhofsmission mit meinem Wissen im Bereich der digitalen Transformation als Impulse in die bunt gemischte Runde zu geben. Dies sollte als Anregung dazu dienen, dass sich jeder Einzelne mit der digitalen Transformation der Bahnhofsmission aus seinem individuellen Blickwinkel auseinandersetzt. Das war für mich eine Möglichkeit, der Bahnhofsmission für die spannenden Einblicke etwas zurückzugeben.

Im Vorfeld war ich unsicher, ob das Kamingespräch funktionieren wird. Ich hatte mir natürlich Impulse und Inhalte überlegt, allerdings lebt eine Diskussion von dem Input der Beteiligten. Glücklicherweise waren alle Beteiligten interessiert, reflektiert und haben sich auf die Perspektiven des jeweils anderen eingelassen. Dadurch sind viele interessante Ideen entstanden, wie die Bahnhofsmission zukünftig gestaltet werden kann. Unter anderem die Digitalisierung bestehender Services wie der Informationsausgabe von Essens- und Schlafplätzen, das Angebot neuer Services wie die Verwahrung persönlicher digitaler Dokumente oder die Eröffnung einer neuen Institution mit dem Ziel, die Teilhabe von Obdachlosen an der zunehmend digitalen Gesellschaft zu verbessern.

Was von diesen Ideen umgesetzt wird, hängt von den Mitgliedern der Bahnhofsmission selbst ab. Unsere Aufgabe als Studierende verstehe ich vor allem darin, eine Auseinandersetzung mit den Themen anzustoßen.

Abschließend ist mir noch wichtig zu betonen, dass sich bei der Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation immer explizit die Frage gestellt werden sollte, was nicht digitalisierbar ist. Und das ist bei der Bahnhofsmission in meinen Augen die uneingeschränkte Hilfe, welche jedem Menschen in Not dort widerfährt.

 

Jérôme Cron, Digistainable 2019

Foto: pexels © Pavel Danilyuk

HINTERGRUND

Die Sustainability Challenge ist ein fester Bestandteil unseres Studiums. Das Modul liegt zwischen dem dritten und vierten Semester und lässt uns vom Reden ins Handeln kommen. Die Idee dahinter ist, dass jede/r Studierende sich eine soziale Initiative oder Nachhaltigkeitsorganisation aussucht und diese kurz- oder langfristig unterstützt. Über sich hinauszuwachsen, ist dabei vorprogrammiert – und ausdrücklich erwünscht. Teil der Sustainability Challenge ist außerdem die anschließende Reflexion der gesammelten Erfahrungen sowie der gemeinsame Austausch. Denn unser Ziel ist es, unsere Erlebnisse mit allen Interessierten zu teilen und vielfältige Möglichkeiten eines nachhaltigen Engagements aufzuzeigen.