Kinder? Ginge es nach Verena Brunschweiger gehöre aus ökologischen Gründen das Kinderkriegen abgeschafft. So könne in den Industriestaaten 58,6 Tonnen CO2 pro nichtgeborenem Kind eingespart werden. (Brunschweiger 2019)

Sehe ich hingegen die aktuelle Fridays for Future Bewegung, sind es die Kinder, die durch ihre Klimastreiks gerade die Menschheit dazu anregen ökologisch nachhaltig zu leben und die Debatte für den Klimaschutz jeden Freitag aufs Neue befeuern.

Für mich ist diese Entscheidung ohnehin gefallen: Seit Ende Juni letzten Jahres sind wir zu 3. Ernährungstechnisch ist unser Kind bisher ein Ökoweltmeister, denn es konnte die üblichen sechs Monate glücklicherweise voll gestillt werden. Inzwischen isst es seinen Brei mit regionalen Bio-Zutaten. Aber Achtung: Das ist natürlich nicht immer ökologisch nachhaltiger. So zeigt beispielsweise eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, dass es auch auf die jeweilige Saison ankommt und daher manchmal Importe das regionale Erzeugnis in ihrer Ökobilanz schlagen. (IFEU 2009) Auf dem Wickeltisch verschiebt sich die Ökobilanz jedoch, denn bei uns kommen Wegwerfwindeln zum Einsatz. Es konnte in unterschiedlichen Studien zwar bisher kein klarer Gewinner zwischen Stoff- und Wegwerfwindeln ernannt werden, da deren Ökobilanz schlussendlich vom Enduser und dessen Wickel- und Waschverhalten abhängt. Dennoch scheint grundsätzlich die intuitive Tendenz zu den Stoffwindeln als Öko-Sieger zu stimmen. (Environment Agency 2008)

Unser Fortbewegungsmittel ist die Bahn. So sind wir zwar nicht kinder- aber autolos, bzw. autofrei. Die häufigeren Besuche der Omas und Opa finden aber mit Hilfe ihrer Autos statt. Daher wiegt dies das wohl auf. Eines scheint jedoch klar: Kinder steigern die soziale Nachhaltigkeit. So erhöhen sie beispielsweise die Lebenserwartung ihrer Eltern. (Modig et al. 2017) Und Fakt ist: Ohne die großelterliche Unterstützung würde mir das erfolgreiche Beenden des Studiums sehr schwer fallen. Und das wäre nicht nur wirtschaftlich nicht nachhaltig – sondern ebenfalls sozial und ökologisch, da zum einen der Bildungsstand heute immer noch oft vom Elternhaus abhängig ist, und ich meinem Baby somit nachhaltig bessere Chancen einräume. (BMBF 2017) Zum anderen lernen wir als Digistainables sehr viel über die Praktikabilität von Klimaschutz sowie mögliche positive Verknüpfungen zum Digitalisierungstrend und werden so zu Multiplikatoren des neusten Wissensstandes in unserem Umfeld.

Dennoch bin ich, mit meinem Baby vorgeschnallt in der Vorlesung, in der absoluten Minderheit: Nur 6% aller Studierenden in 2016 haben mindestens ein Kind. (BMBF 2017) Und ich kann das gut nachvollziehen – bei all der Flexibilität und dem Support seitens der Universität ist es doch hart nachts bis 3 Uhr morgens an der Hausarbeit zu schreiben, weil nur dann genügend Ruhe da ist. Auch die finanziellen Einbußen gehören nicht totgeschwiegen. Würde ich wieder so entscheiden? Ja. Unbedingt. Denn das Baby ist ein echter Feelgood-Manager: Also jemand, der das Arbeiten in allen Bereichen nachhaltig verbessert – in der Uni, zu Hause, und hoffentlich auch in der Zukunft. Und das ist aus meiner Sicht definitiv ein Gewinn und darum schon im Studium nachhaltig schön.

 

Sonja Wendt, Digistainable 2018


Brunschweiger, Verena. 2019. „Kinderfrei statt kinderlos. Ein Manifest“. 1. Auflage. Marburg: Büchner-Verlag.

Environment Agency. 2008. „An Updated Lifecycle Assessment Study for Disposable and Reusable Nappies“. Zuletzt besucht am 22.04.2020. https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/291130/scho0808boir-e-e.pdf.

Fridays for Future. „Wir sind Fridays for Future”. Zuletzt besucht am 22.04.2020. https://fridaysforfuture.de/.

Middendorff, E., Apolinarski, B., Becker, K., Bornkessel, P., Brandt, T., Heißenberg, S., Poskowsky, J. 2017. „Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2016. 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung“. Bonn/Berlin: BMBF. http://www.sozialerhebung.de/download/21/Soz21_hauptbericht.pdf.

Modig, K., Talbäck, M., Torssander, J. 2017. Journal of Epidemiology & Community Health. 71: 424-430. https://jech.bmj.com/content/jech/71/5/424.full.pdf.

Reinhardt, G., Gärtner, S. Münch, J. Häfele, S. 2009. „Ökologische Optimierung regional erzeugter Lebensmittel: Energie- und Klimagasbilanzen“. Heidelberg: IFEU. https://www.ifeu.de/landwirtschaft/pdf/Langfassung_Lebensmittel_IFEU_2009.pdf.