Forschungsprojekt Bioabfall – verbesserte Bioabfalltrennung in Hamburg durch Nudging

In unserem zweiten Forschungsprojekt haben wir (Isabel, Johanna und Joana DTS 2018) uns mit dem Thema Abfalltrennung in Hamburg beschäftigt. Beim Brainstorming zur Themenwahl für das Forschungsprojekt wurde schnell klar, dass das Thema Abfalltrennung bei uns sehr viele Emotionen hervorruft, und wir uns alle im Alltag folgende Frage gestellt haben: „Wieso wird in Hamburg so schlecht getrennt?“

 

Herangehensweise

Unsere ersten Recherchen haben wir dann auch sehr praktisch durchgeführt: Ein Anruf bei der Hausverwaltung, wieso es vor unseren Wohnhäusern zum Teil nur ein oder zwei Tonnen gebe, und die Option auf Bioabfalltrennung gar nicht gegeben sei, konnte von vielen Hausverwaltungen nur unzufriedenstellend beantwortet werden. „Platzgründe“ wurde uns gesagt, oder „die Biotonne wird mit Plastik befüllt, und dann bekommen wir Ärger von der Stadtreinigung“ waren Antworten, die wir erhielten. Um die Ursachen besser zu verstehen und zu bekämpfen, wollten wir also mit den Verantwortlichen der Abfalltrennung – der Stadtreinigung Hamburg – zusammenarbeiten um gemeinsam Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

 

Kooperation mit der Stadtreinigung Hamburg

Beim Besuch der Stadtreinigung Hamburg wurde uns erklärt, wie die Abfalltrennung funktioniert, und wir haben uns tiefgehend in die Prozesse der Abfallverwertung eingearbeitet. Es wurden vorab Problembezirke identifiziert, zu denen auch ein Studentenwohnheim in Wandsbek gehört. Auf die Frage, ob dort bereits Maßnahmen ergriffen worden seien, erklärte uns die Mitarbeiterin, dass sie es bereits mit „Nudging“ versucht, dies jedoch bislang wenig Erfolg gebracht hätte.

 

Der Begriff nudge kann im Deutschen mit Stupser übersetzt werden, welcher Menschen lenkt, aber immer die Möglichkeit für einen anderen Weg offenlässt. Bei unserer Literaturrecherche haben wir festgestellt, dass dieser Ansatz sich im Kontext der Abfalltrennung bewährt hat, jedoch zielgruppenspezifisch ausgerichtet sein muss. Um unsere Zielgruppe kennenzulernen und die Ursachen für das Fehlverhalten zu identifizieren, haben wir daher qualitative Interviews mit den Studenten durchgeführt, die spannende Erkenntnisse gebracht und es uns ermöglicht haben, konkrete Handlungsempfehlungen auszusprechen.

 

Forschungsergebnisse

Als eine der Hauptursachen wurde zum einen die Trägheit und Bequemlichkeit identifiziert, jedoch haben wir festgestellt, dass auch viel Unwissenheit zum Thema Abfalltrennung herrscht. Um diesem entgegenzuwirken, haben wir der Stadtreinigung empfohlen, für alle Studenten bei Einzug eine Tour durch das Studentenwohnheim zu machen, bei der auch die Entsorgungsstelle gezeigt und die Abfalltrennung von älteren Studenten erklärt wird. Der Einfluss durch soziale Normen ist bewiesenermaßen groß, und die älteren Studenten gehören zum engen Umfeld der neuen Bewohner. Zudem hat sich gezeigt, dass die Studenten sehr verlust-avers sind. Diese Verhaltenstendenz kann sich zunutze gemacht werden, indem Bußgeld und Strafen für Fehlverhalten ausgesprochen werden.

 

Zum Abschluss des Projektes haben wir die Ergebnisse der Stadtreinigung vorgestellt, sodass sie nun die Maßnahmen einführen und somit eine Verbesserung des Verhaltens bei den Studenten bewirken können.

 

Ein Dank geht an die Stadtreinigung Hamburg, die uns viele relevante Informationen zur Verfügung gestellt und uns bei den Recherchen unterstützt hat.

 

Joana Große-Heidermann, Digistainable 2018


 

Literaturempfehlungen:

 

Beyer, R., Gerlach, R., Meer, E. 2018. Wahrnehmung von Sauberkeit und Ursachen von Littering. VKU Verlag. Humboldt Universität: Berlin.

 

Reisch, L., Sunstein, C. 2017. Verhaltensbasierte Regulierung (Nudging). In: Kenning P., Oehler A., Reisch L., Grugel C. (eds.) Verbraucherwissenschaften. Springer Gabler: Wiesbaden.

 

Thaler, R., Sunstein, C. 2008. Nudge: Improving decisions about health, wealth, and happiness. Yale University Press: New Haven.