Ich finde herkömmliche Nachrichtensender anstrengend. Binnen weniger Minuten werden die Nachrichten zusammengetragen und zu häufig bekommt die unwichtigste Nachricht die meisten Minuten. Ich habe einmal gezählt: 5 Minuten wurde über eine Automesse gesprochen. Und 2 Minuten über den Bürgerkrieg im Jemen. Ich fand das persönlich höchst unproportional. Und habe immer weniger Tagesschau und Co geschaut. Ich habe mich ehrlicherweise nicht weniger informiert gefühlt. Man vergisst doch sowieso was man in einer 20-Minuten-Show über 8 verschiedene Themen hört. Also kann man es auch gleich sein lassen. Die Alternative ist natürlich nicht die Abschottung von Nachrichten. Ich halte es jedoch für richtig und sinnvoll darüber informiert zu sein, welche politischen und sozialen Geschehnisse sich auf der nationalen und internationalen Bühne zutragen. Man gewinnt an Kontext, versteht welche Themen wichtig sind, wofür man sich einsetzen sollte, welche Partei man wählen sollte, welche Rechte man als Bürger hat.

Also? Macht es richtig. Der Podcast Lage der Nation hat meine verkümmerte Nachrichtenseele wieder aufleben lassen. Seit 4 Jahren höre ich den Podcast (1h 30min, wöchentliche Erscheinung) und fühle mich informiert, also wirklich informiert. Philip Banse und Ulf Buermeyer setzen ihre Prioritäten richtig und nehmen die Nachrichten, die die Tagesschau in 2 Minuten behandelt, detailliert auseinander. Die Themen werden aus verschiedenen Blinkwinkeln betrachtet, man bekommt einen klaren Hintergrund, versteht die Relevanz des Themas und inwiefern es auch Auswirkungen auf einen selbst haben kann. Durch die erhöhte Zeitspanne und Detailreiche merkt man sich die Nachrichten und ist in der Lage über diese gezielt zu reflektieren. Die Professionalität des Podcasts entstammt dem Hintergrund des Teams. Philip ist seit vielen Jahren Journalist und gewann bereits Preise wie den Axel-Springer-Preis in der Kategorie Hörfunk. Ulf ist Jurist und seit 2008 Richter am Landgericht Berlin. Die Kombination aus Journalismus und Recht lässt sich klar spüren. Nicht immer sind die zwei der gleichen Meinung. Und genau das ist das spannende an dem Podcast. Er gibt den Hörer*innen den Raum ihre eigene Meinung zu den verschiedenen Themen zu bilden. Hierbei muss natürlich gesagt sein, dass der Podcast klar antirechts ist und umweltpolitische Interessen vor wirtschaftspolitische Interessen setzt. Falls jemand nun denkt sich damit nicht identifizieren zu können, dem/der lege ich den Podcast nun besonders nahe: https://lagedernation.org/

Für die Leseaffinen unter euch empfehle ich übrigens noch den Fluter, ein Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Der Fluter ist umsonst und erscheint seit 2001 als Print- und Online-Ausgabe.  Das Magazin bereichert die Leser*innen mit generellem politischem und kulturellem Wissen, aber vor allem mit neuen Gedankengängen. Eine neue Ausgabe erscheint vierteljährlich mit jeweils einem neuen Themenschwerpunkt, der aus den unterschiedlichsten und unerwartetsten Blickwinkeln betrachtet wird: Identität, Geschlechter, Lateinamerika, Tiere, Umweltschutz, Städte, Dörfer, Angst, Terror, Reisen, … sind nur wenige dieser Themenschwerpunkte. Vergangene Ausgaben kann man, ebenfalls kostenlos, nachbestellen: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/fluter/

 

Isabel Dammann, Digistainable 2018


Bildquelle:

HKW, 2019: https://www.hkw.de/en/programm/projekte/veranstaltung/p_150131.php, Photo: Matthias Rathje