Konferenzeinladung: DIGISTAIN OUR FUTURE – Impulse für nachhaltig-digitale Macher*innen

Konferenzeinladung: DIGISTAIN OUR FUTURE – Impulse für nachhaltig-digitale Macher*innen

 

Neben der Digitalisierung wird seit Jahren der Ruf nach Nachhaltigkeit in sämtlichen Bereichen lauter – und nein: Einzig darauf zu achten, welche E-Mails man ausdruckt, reicht uns nicht. Wir, die Studierenden des MasterStudiengangs Digitale Transformation & Nachhaltigkeit finden, dass wir die globalen Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit ganzheitlich verstehen und neu denken müssen.  

Die Online-Konferenz DIGISTAIN OUR FUTURE rückt näher und die Spannung steigt – genauso wie die Zahl der Anmeldungen! Seien am 22. Februar 2021 ab 13.00 Uhr auch Sie dabei und freuen sich auf interessante Vorträge aus verschiedensten Perspektiven:

 

Im Rahmen dieser Veranstaltung präsentieren wir wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit – kurz und knackig aufbereitet werden die Themen in 5- bis 10-minütigen Slots vorgetragen. Ideal für Inspiration und Gedankenfutter in der Mittags oder Kaffeepause!

Außerdem erwartet Dich ein inspirierender Gastvortrag:  Harald Neidhardt von futur/io berichtet aus seinen langjährigen Erfahrungen und teilt spannende Erkenntnisse aus dem World Economic Forum, sowie aus unzähligen Projekten. Erfahren Sie mehr zu den Themen EU-Citizenship,  exponentieller Technologie-Wandel und darüber, was wir für eine „Future-Proof“ Gemeinschaft tun müssen. 

 

Die Highlights der Veranstaltung zusammengefasst: 

  • Kurze Impulsvorträge
  • Ein spannender Gast
  • Wissenschaftlicher Anspruch
  • 100% Praxisbezug
  • Komplett online
  • Interaktives Format
  • Kostenlos

Neugierig geworden? Dann klicke jetzt auf den unverbindlichen Anmelde-Button:

DIGISTAIN OUR FUTURE – Impulse für nachhaltig-digitale Macher_innen – Events – Universe | DE

 

Wir freuen uns auf Dich!

 

Deine Digistainables

Jahrgang 2018

 

#SmartContracts #TheNewNormal #VirtuelleTeams #Degrowth #CustomerJourney
#CloudComputing #AgileOrganization #DesignThinking #ESGInvesting


Studie: CSR Online - eine Guideline für nachhaltiges Webseitendesign

Konzeption einer ökologisch nachhaltigen Webseite

Einordnung: Bereits zu Beginn des Studiums haben wir uns als Studiengang dazu entschlossen eine Webseite zu erstellen, um unser Wissen an einem Ort zu sammeln und öffentlich zur Verfügung zu stellen. Vorab wollten wir jedoch untersuchen, in welchem Ausmaß die Bereitstellung von Informationen online mit einem Energiebedarf und damit unweigerlich mit Schadstoffausstößen verbunden ist. Hierfür wurden in zwei aufeinander aufbauenden Projektarbeiten Webseiten auf ihre ökologischen Fußabdrücke untersucht sowie Handlungsempfehlungen zur Verringerung der CO2-Emissionen entwickelt. Aufbauend auf den Erkenntnissen wurde unsere eigene Webseite konzipiert.

 

Hintergrund:

Durch die wachsende Anzahl an Nutzern und Endgeräten pro Nutzer durch das Internet of Things stieg der allgemeine Datenverbrauch durch das Internet in den letzten Jahren immer drastischer an. Wie beim weltweiten Reiseverkehr oder der Nahrungsmittelversorgung werden auch bei der Nutzung des Internets bzw. dem Aufrufen von Webseiten CO2-Emissionen produziert. 2018 haben allein die globalen Informations- und Kommunikationstechnologien 33,1 Gt CO2 ausgestoßen. Um dem stetigen Wachstum an Nutzern und Daten gerecht zu werden, ist es elementar, dass die betroffenen Komponenten, die bei einem Webseitenaufruf Energie benötigen, möglichst effizient genutzt werden.

 

Wie entstehen CO2-Emissionen, wenn ich eine Webseite besuche?

Die Größe bzw. Schwere der Inhalte, die auf einer Webseite zur Verfügung gestellt werden, steht in direkter Abhängigkeit zum damit benötigten Energiebedarf und damit dem Ausstoß von Emissionen. Im Einzelnen sind die Emissionen auf drei Kategorien der ICT zurückzuführen:

  1. Datenzentren (anteilig 18 %),
  2. Telekommunikations-Netzwerke (anteilig 24 %) und
  3. Endgeräte (anteilig 58 %).

Alle Inhalte werden in verschiedenen Datenzentren auf der ganzen Welt gespeichert, um jederzeit abrufbar zu sein. Dies hat im Jahr 2018 zu einem Bedarf von 1.1096 tWh geführt. Das bedeutet, dass allein Datenzentren durch ihre zwingend notwendige unterbrechungsfreie Energieversorgung sowie deren Kühlungssysteme für 198 tWh verantwortlich gewesen sind. Heute wird immer mehr Wert darauf gelegt Datenzentren effizienter zu betreiben: Werden diese vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben, erhalten sie den Titel Green Hosts. Dadurch reduziert sich natürlich nicht ihr Energiebedarf – aber dafür um einen erheblichen Anteil die damit verbundenen Schadstoffemissionen. Die Telekommunikationsnetzwerke sind für den Datenaustausch zwischen Datenzentren und Endnutzergeräten zuständig. Abgerufen werden die Daten schlussendlich auf den Endgeräten, die für fast 60% der verbrauchten Energie und damit rund 638 tWh verantwortlich sind.

 

Worauf sollte ich bei der Konzeption meiner Webseite achten?

Für die Umsetzung und zur Konzeption unserer eigenen Webseite haben wir uns deshalb auf die Schwere und die damit verbundenen ausgestoßenen Emissionen pro Webseitenaufruf konzentriert. Gemäß unserer Berechnungen sorgt 1 MB durchschnittlich für 0,3471 g CO2 (unter Annahme der vollständigen Nutzung grauer Energie des globalen Energiemixes). Darum haben wir uns vor allem auf vier Hauptkategorien konzentriert, mit denen verschiedene Kernthesen verfolgt werden sollten: Optimierung der Leistungsfähigkeit, Strategie für die Bereitstellung der Inhalte, ein benutzerfreundliches Design sowie ein ökologisches Hosting.

 

Finale Handlungsempfehlung:

Vor allem geht es darum das Gleichgewicht zwischen einem ansprechenden Design, qualitativ hochwertigen Informationen und der Nachhaltigkeit zu finden. Im Zuge der Projektarbeiten wurde eine Checkliste entwickelt, die dabei helfen soll Webseiten nachhaltiger zu gestalten. Folgend finden Sie eine kleine Auswahl der gesammelten Tipps:

  • Die Sinnhaftigkeit der verschiedenen Elemente sollte überprüft werden. Einfache Einstellungen wie die Deaktivierung des automatischen Abspielens eins Videos können viel bezwecken. Außerdem können auch schon kleine Schritte wie die Nutzung einer Verlinkung anstatt einer Einbettung von Inhalten zu einer Reduktion der Schwere einer Webseite führen.
  • Sowohl der Code als auch unnötige Analyse-Tools sollten möglichst minimal eingesetzt und ggf. überarbeitet werden. Außerdem ist es für die Schwere der Webseite wichtig regelmäßig Updates durchzuführen.
  • Es wird empfohlen auf Datenzentren zu wechseln, die mittels erneuerbarer Energien betrieben werden, denn: Jeder digitale Inhalt, auf den zugegriffen werden kann, benötigt ständig Energie.
  • Die produzierten Inhalte sollten auf die Bedürfnisse des Publikums angepasst werden. Dafür ist vor allem eine klare Strategie für die Veröffentlichung von Inhalten notwendig. Hilfreich ist es außerdem, wenn auf der ersten Seite die Botschaft der Webseite zu finden ist. Durch das intelligente Einsetzen von Analyse-Tools kann die Webseite und vor allem auch die Nutzerfreundlichkeit für den User verbessert werden.

 

Alle Hintergrundinformationen, Berechnungen und zusätzliche weiterführende Tipps bald hier zum Nachlesen, im Handbook of Climate Change Management (Springer):

Corporate Social Responsibility Online: Designing high-performance Websites simultaneously reducing their CO2-Emission Impact

 

Alena Werner – Digistainable 2018


Quellen

BCG. 2012. ICT Solutions for 21st Century Challenges. The Role of ICT in Driving a Sustainable Future. http://imagesrc.bcg.com/Images/SMARTer_2020_The_Role_of_ICT_in_Driving_a_Sustainable_Future_December_2012_tcm9-101095.pdf (accessed May 30, 2019).

Cisco. „Cisco Visual Networking Index: Forecast and Trends, 2017–2022.“ Cisco Visual Networking Index: Forecast and Trends, 2017–2022 White Paper. February 27, 2019. https://www.cisco.com/c/en/us/solutions/collateral/service-provider/visual-networking-index-vni/white-paper-c11-741490.pdf (accessed January 16, 2020).

Costenaro, David; Duer, Anthony. 2012. American Council for an Energy-Efficient Economy. The Megawatts behind Your Megabytes: Going from Data-Center to Desktop. https://aceee.org/files/proceedings/2012/data/papers/0193-000409.pdf (accessed May 30, 2019).

Geringer, T., Wendt, S., Hensel-Börner, S. (im Druck): Corporate Social Responsibility Online: Designing high-performance Websites simultaneously reducing their CO2-Emission Impact. In: Handbook of Climate Change Management. Herausgegeben von Leal Filho, W., Luetz, J. M., Ayal, D. Kapitel 160-1. Basel: Springer Int.

IEA. 2019a. Tracking Buildings. https://www.iea.org/reports/tracking-buildings/data-centres-and-datatransmission-networks (accessed Jan 18, 2020).

IEA. 2019b. Global Energy & CO2 Status Report 2019. https://www.iea.org/reports/global-energy-and-co2-status-report-2019 (accessed Jan 18, 2020).

The Shift Project. 2019. Lean ICT. Towards Digital Sobriety. https://theshiftproject.org/wp-content/uploads/2019/03/Lean-ICT-Report_The-Shift-Project_2019.pdf (accessed Dec 22, 2019).

United Nations. 2019. Digital Economy Report 2019. https://unctad.org/en/PublicationsLibrary/der2019_en.pdf (accessed Jan 18, 2020).


Personal Sustainability

Intro

Im Rahmen unseres Studiengangs “Digital Transformation and Sustainability” haben Studierende die Möglichkeit im zweiten Semester eine thematisch ausgerichtete Studienreise zu belegen. Dabei gibt es in der Regel verschiedene Wahlmöglichkeiten, wie etwa eine Studienreise nach Brüssel, in die USA oder nach Dänemark. Durch die Corona-Pandemie war eine solche Studienreise dieses Jahr nicht möglich. Als Ersatzprogramm entstand deshalb ein fünftägiger Studytrip in Hamburg, dessen einzelne Tage jeweils von einem Team aus Studierenden organisiert wurden und welcher den verschiedenen Facetten der Nachhaltigkeit gewidmet war.

 

  1. Warum dieses Thema?

Geht es um Nachhaltigkeit, so wird stets von der Triple Bottom Line aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit gesprochen. Es gibt jedoch noch eine weitere Säule der Nachhaltigkeit, die sich nicht unbedingt in eine der drei soeben genannten einordnen lässt, die allerdings nicht minder wichtig ist: Die persönliche Nachhaltigkeit.

Kennzeichnend für das Leben vieler junger Menschen heutzutage ist nicht nur eine wachsende Sorge um das Fortbestehen unserer Umwelt, so wie wir sie kennen, sondern auch ein rasanter, von tausenden Einflüssen und ständigem Multitasking geprägter Lebensstil. Während sich To-Do Listen ins Unermessliche stapeln und sich die Termine häufen, kann es schnell passieren, dass irgendwann ein Gefühl der vollkommenen Überwältigung einsetzt. Um das lange und zähe Ringen um eine nachhaltigere Zukunft durchhalten zu können, ist eine stabile mentale Grundlage jedoch elementar.

Für die Gestaltung unseres Thementages stellten wir uns daher folgende Frage: Wie können wir das Außen im Sinne der SDGs verändern, wenn wir im Inneren Kämpfe austragen, die erschöpfen? Bei der Suche nach Antworten erschienen uns die im Folgenden dargestellten Punkte aufschlussreich.

 

  1. Maßnahmen

Ein Schlüssel, um mit dem Gefühl der Überwältigung umgehen zu können, kann darin liegen Gedanken aufzudecken, Funktionsweisen des Gehirns zu verstehen und Gedankenmuster zu hinterfragen. Dazu werden im Folgenden die Verlustaversion als Bestandteil der Prospect Theory und das Konzept des Priming, sowie die Bedeutung von Habits und die Themen Aufmerksamkeit und Entspannung vorgestellt.

 

  • Verlustaversion als Teil der Prospect Theory und Priming

Im Alltag stehen wir vor verschiedensten Entscheidungen und müssen für uns persönlich abwägen, was für uns das Richtige ist. Vor allem in Momenten der Unsicherheit, kann dies herausfordernd erscheinen. Die Prospect Theorie nach D. Kahnemann und A. Tversky, gibt Aufschlüsse darauf, wie risikobehaftete Entscheidungen getroffen werden. Die Verlustaversion ist Bestandteil der Prospect Theory und besagt, dass die Entscheidungsfindung meist irrational geschieht, wobei nicht der absolute Nutzen entscheidend ist, sondern vielmehr ein Referenzwert und die Veränderung dazu. Anschaulich wird dies an dem Beispiel eines Wettbewerbs. Der Drittplatzierte freut sich mehr als der Zweitplatzierte, da der Zweitplatzierte seinen Sieg als Verlust empfindet - schließlich ist er nur allzu knapp an dem ersten Platz vorbeigeschrammt. Der Drittplatzierte hingegen war so nah dran, gar nicht erst auf das Siegertreppchen zu kommen. Da er die Nichtplatzierung als Referenzwert annimmt, kann er sich eher an seinem Sieg erfreuen als der Zweitplatzierte, der sich am ersten Platz bemisst.  Das bedeutet, es kommt auf die Differenz zum Referenzwert an. Prinzipiell werden jedoch Verluste stärker gewichtet als Gewinne.

Darüber hinaus ist die Tatsache nicht zu verkennen, dass wir permanent Reizen ausgesetzt sind, die wir bewusst, aber auch unbewusst wahrnehmen können.  Ausgelöst von diesen Eingangsreizen, können Assoziationen und Reaktionen im Gehirn folgen. Dieses Vorbereiten eines Reiz- Reaktion– Schemas wird Priming genannt. Priming wird an einigen Stellen (z.B. Marketinggebrauch) als kontrovers betrachtet, kann jedoch durchaus nützlich sein, wenn man sich den Eingangsreizen bewusst macht und kritisch hinterfragt. Zusätzlich kann man sich das Prinzip des Primings etwa durch positive Impulse im Alltag zu eigen machen, indem man beispielsweise durch das Platzieren eines Bildes auf dem Schreibtisch oder die Positionierung einer Pflanze im Raum gezielt positive Reize setzt.

  • Habits

Habits bzw. Gewohnheiten spielen eine zentrale Rolle in unserem Leben. Einerseits prägen sie, über Jahre oder gar Jahrzehnte hindurch ausgeübt, unsere Persönlichkeit und haben einen immensen Einfluss auf unsere Gesundheit, unseren beruflichen Erfolg oder unsere Zufriedenheit (bspw. das regelmäßige Ausüben von Sport). Andererseits ermöglichen Gewohnheiten uns auch, unseren Kopf für die wirklich wichtigen Entscheidungen freizubekommen. Würde uns die Entscheidung, ob wir uns nun die Zähne putzen sollen oder nicht, jeden Morgen Kopfzerbrechen bereiten, so würde in Summe betrachtet bereits der ganz normale Alltag irgendwann eine immense Überforderung darstellen. Viel leichter wird es dadurch, dass wir uns über eine Vielzahl unserer Handlungen gar nicht mehr aktiv zu sorgen brauchen und dadurch Kapazitäten im Gehirn freiwerden, die es uns erlauben, uns mit wirklich kritischen und neuen Inhalten zu befassen (beispielsweise der Frage, wie wir unsere Welt nachhaltiger gestalten können).

James Clear beschreibt in seinem Buch „Atomic Habits“ vier Schritte, die bei jeder Gewohnheit durchlaufen werden. Das Wissen um dieses Muster hilft dabei, neue Gewohnheiten erfolgreich aufzubauen oder unerwünschte Gewohnheiten abzulegen. Gewohnheiten können dabei nicht per se in gute und schlechte Gewohnheiten eingeteilt werden; vielmehr kommt es immer darauf an, ob die jeweiligen Gewohnheiten dem Betreffenden dabei helfen, seine ganz individuellen Ziele zu erreichen, oder nicht:

Cue

Jedes Verhalten wird durch einen Trigger oder Cue ausgelöst. Für wünschenswertes Verhalten sollte dieser Trigger so offensichtlich wie möglich gemacht werden, für unerwünschtes Verhalten das Gegenteil. Möchte man sich beispielsweise abgewöhnen, als erste Amtshandlung des Tages auf sein Smartphone zu schauen, so sollte man das Gerät gar nicht erst am Abend zuvor mit ins Schlafzimmer nehmen und auch anstatt des Handy-Weckers einen analogen Wecker anschaffen.

 

Craving

Der Trigger aus Schritt 1 löst ein Verlangen (engl. Craving) aus und motiviert eine entsprechende Antwort in Form eines bestimmten Verhaltens (Schritt 3). Was wir verlangen ist nicht das Verhalten an sich, sondern das Gefühl, dass wir durch dieses Verhalten erfahren. So schalten wir beispielsweise nicht den Fernseher an, weil es uns Spaß macht auf einen Knopf zu drücken, sondern weil wir unterhalten werden wollen.

 

Response

Der dritte Schritt, die Response, ist das eigentliche Verhalten an sich. Im Beispiel zuvor wäre es also das Anschalten des Fernsehers. Je schwerer es ist, dieses Verhalten auszuführen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass wir dies tun. Auch dies kann man sich wieder zunutze machen. Will man die Zeit, die man vor dem Fernseher verbringt, reduzieren, so kann man beispielsweise die Fernbedienung an einen schwer erreichbaren Ort legen. Somit muss das Verlangen nach medialer Unterhaltung erst viel größer werden als zuvor, damit man bereit ist, diesen Extra-Aufwand auf sich zu nehmen.

 

  • Reward

Das Belohnungsgefühl ist das Endziel des gesamten Prozesses. Alle drei vorhergehenden Schritte sind auf dieses Gefühl ausgerichtet. Je öfter wir ein Verhalten ausführen, desto deutlicher speichert unser Gehirn, ob dieses Verhalten uns das ersehnte Gefühl verschafft oder nicht. Diese neurologische Feedback-Schleife erlaubt es uns somit, langfristige Gewohnheiten aufzubauen.

 

  • Aufmerksamkeit und Entspannung

Viele von uns haben ein Ventil für den Stress, der sich unter der andauernden Belastung angestaut hat. Sozialisation, Sport oder wohltuende Rituale wie ein Bad zu nehmen oder in die Sauna zu gehen sind hier häufig genutzte Methoden der aktiven Entspannung. Es gibt aber auch Methoden, die keinerlei Hilfsmittel benötigen oder Geld kosten. Eine dieser Methoden nennt sich autogenes Training. Das autogene Training ist eine Entspannungstechnik, welche es den Anwendenden ermöglicht die angesammelte Anspannung aktiv und autark abzubauen.  Das auf Autosuggestion basierende Entspannungsverfahren wurde von dem Psychiater Johannes Heinrich Schultz aus der Hypnose entwickelt und in seinem 1932 erschienen Buch Das autogene Trainingpubliziert. Die Essenz dieser Technik ist der sich wiederholende Prozess der aktiven Anspannung eines bestimmten Bereiches des Körpers. Nach einigen Sekunden der selbstinduzierten Anspannung folgt eine passive Entspannungsphase, in der die Aufmerksamkeit des Anwenders auf den empfundenen Unterschied zwischen den beiden Körpergefühlen liegt. Das Ziel ist eine Sensibilisierung des Anwendenden. Die Person soll bewusst wahrnehmen können, dass sie aufgrund von Stress bestimmte Muskelgruppen wie etwa den Kiefer, den Nacken, die Zehen oder die Faust anspannt und dies sofort auflösen können, bevor die Anspannung Schmerzen auslöst. Wird das autogene Training regelmäßig trainiert kann die Anspannung und Entspannung körperlich präzisiert werden, sodass nicht mehr nur ganze Muskelgruppen, sondern auch einzelne Muskeln gezielt bearbeitet werden können. Dies kann indes soweit geübt werden, dass auch die Oberflächentemperatur einzelner Körperteile aktiv verändert werden kann. So können geübte Nutzer des autogenen Trainings im wahrsten Sinne des Wortes einen kühlen Kopf bewahren.

 

  1. Fazit

Die wirtschaftliche Episode, in der wir uns momentan befinden, zeichnet sich durch eine schier unendliche Flut von leicht zugänglichen Informationen aus. Durch unsere Smartphones, Laptops und Tablets sind wir fast alle ununterbrochen mit diesem Informationsfluss verbunden. Einerseits erzeugt dies einen Druck, ständig erreichbar sein zu müssen, sowohl für die einschlägigen WhatsApp-Nachrichten von Freunden als auch für berufliche Anfragen. Andererseits erzeugt die stetige Nachrichtenflut über neue Naturkatastrophen und Abgründe des menschlichen Verhaltens ein Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit. Dies sind nur einige Aspekte, die das heutige Leben prägen und die bei vielen Menschen ein konstantes Gefühl der Überforderung hervorrufen. Mit der „Toolbox“, die wir während unseres Thementages zur persönlichen Nachhaltigkeit vorgestellt haben, wollten wir unseren Mitstudierenden Werkzeuge an die Hand geben, die dabei helfen können, mit diesen Gefühlen umzugehen und Dinge wieder in die richtige Perspektive zu rücken. Wie es so schön heißt, muss man erst „vor seiner eigenen Haustür fegen“, bevor man die größeren Probleme angehen kann. In diesem Kontext ist damit gemeint: Wollen wir uns erfolgreich für eine nachhaltigere Zukunft der Menschheit einsetzen, dann sollten wir zuerst unseren eigenen Alltag so kreieren, dass uns seine Herausforderungen allein nicht bereits lähmen und handlungsunfähig machen, sondern Strukturen schaffen, die uns Raum geben, um die wirklich schwerwiegenden Probleme angehen zu können.

 

Annabelle Dirks, Saskia Harger & Adrian Imeri, Digistainable 2019

 

Quellen

Clear, James. 2018. Atomic habits: tiny changes, remarkable results: an easy & proven way

to  build  good habits & break bad ones. New York: Avery, an imprint of Penguin Random House.

Kahneman, Daniel. 2011. Thinking, Fast and Slow. London: Lane.

Kahneman, Daniel, and Amos Tversky. “Prospect Theory. An Analysis of Decision Making Under Risk”

(April 1, 1977). doi:10.21236/ada045771.

Schultz, I. Heinrich, und Siegfried Stephan. 2010. Autogenes Training: das OriginalÜbungsheft ; die

Anleitung vom Begründer der Selbstentspannung. 25. Aufl. Stuttgart: TRIAS Verl.

 

Photo von Alexandru ZdrobăuUnsplash


Es geht auch anders: Reinventing Organizations

„You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolet.“ – Richard Buckminster Fuller

 

Frederic Laloux hat kein neues Modell erfunden, aber er zeigt in seinem Buch Reinventing Organizations auf, dass dieses neue Modell bereits existiert. Das erste Mal mit Reinventing Organizations bin ich in meinen Sommerferien 2020 in Berührung gekommen. Eine Woche in Värmland, Schweden, weit weg von Egos und Sinnlosigkeit ist mir klar geworden: Es geht auch anders.

 

Anhand von Beobachtungen in verschiedenen Unternehmen beschreibt Laloux diese neue Form von Organisationen. Dabei bedient er sich dem Kompetenzmodell von Ken Wilber. In diesem wird von Entwicklungsstadien in der Menschheitsentwicklung ausgegangen, die sich auch auf unser Bewusstsein auswirken. Dabei wird die Entwicklung von Organisationen in ein Farbschema aufgeteilt: Aus Organisationen mit einer autoritären Führung und Hierarchien (Rot/Bernstein) entwickeln sich leistungsorientierte Organisationen (Orange) und später Organisationen (Grün), die durch Werte und gemeinsames Handeln dominiert sind. Als nächster Entwicklungsschritt sind es die Teal (Türkis) Organisationen, die eine integrale evolutionäre Weltsicht einnehmen. Zu den Unternehmen, die sich Laloux angeschaut hat, gehören zum Beispiel Heiligenfeld (Berlin, Deutschland), Patagonia (USA), AEZ (USA) oder das bekanntestes Beispiel Buurtzorg (Niederlande). Laloux beschreibt dabei drei Merkmale, die er bei den Teal Organisationen beobachten konnte: Selbstorganisation, evolutionärer Sinn und die Ganzheitlichkeit der Mitarbeiter:innen. (Vgl. Laloux, 2015 S. 13 – 56)

 

Teal Organisationen sind frei von Hierarchien und bestehen aus selbstorganisierten Teams. Dabei übernehmen Mitglieder:innen aus diesen Teams auch die klassischen Aufgaben einer Führungskraft. Allerdings hat nicht ein Mitglied alle Aufgaben, sondern diese sind auf verschiedene Mitglieder:innen verteilt. Auch Entscheidungen sind nicht mehr die Aufgabe einzelner Mitarbeiter:innen, sondern das Ergebnis der kollektiven Intelligenz und des Sinns eines Teams. Während alle Organisationen die Selbstorganisation teilen, unterscheidet sich der Prozess, wie Entscheidungen getroffen werden. Eine Art ist der Beraterprozess. Bei diesem Vorgehen kann jede:r Mitarbeiter:in Entscheidungen treffen – unabhängig davon, welche Rolle in einer Organisation ausgefüllt wird. Es gilt dennoch die Regel, dass die Meinung der Kolleg:innen eingeholt werden muss. Damit wird nicht mehr durch die Führungskraft entschieden, welcher Laptop bestellt wird, sondern die Entscheidung, welcher Laptop angeschafft wird, durch die kollektive Erfahrung aller betroffenen Mitarbeiter:innen gefällt. (Vgl. Laloux, 2015 S. 99 – 107)

 

Kollektiv entwickelt sich auch der Sinn (Purpose) einer Teal Organisation. Laloux beschreibt diesen Prozess als evolutionären Sinn, der sich aus der Organisation selbst heraus entwickelt. Dabei unterliegen nicht nur langfristige Ziele diesem Sinn, sondern im besten Falle alle Entscheidungen. Damit wird die Ausrichtung der Organisation nicht in Meetings des Managements festgelegt und über die Hierarchien nach untern kommuniziert, sondern durch jede Entscheidung entwickelt sich dieser Sinn von unten nach oben. Bereits Fridjof Bergmann beschreibt in seinem Buch New Work New Culture die „Poverty of Desire“ und damit den Zustand der Menschen, die einem vorgeschriebenen Zweck folgen. Dadurch, dass in Teal Organisationen dieser Sinn nicht vorgegeben wird, können Mitarbeiter:innen ihren eigenen Vorstellungen folgen und dadurch einen Beitrag dazu leisten, wie sich der Sinn der Organisation entwickelt. Im Sinne der agilen Entwicklung entsteht somit aus vielen kleinen Teilen ein großes Ganzes. (Vgl. Laloux, 2015 S. 202 – 219)

 

Dem eigenen Sinn zu folgen trägt auch zur Ganzheitlichkeit der Mitarbeiter:innen bei und ist die dritte Beobachtung von Laloux. Vertrauen und Selbstverwirklichung ersetzen Politik und Egos in Teal Organisationen. In Meetings steht heute noch zu häufig das Ego einzelner Mitarbeiter:innen im Vordergrund und stellt damit die Organisation in den Hintergrund. Entscheidungen werden dann nicht mehr danach getroffen, welche Entscheidung die beste für ein Unternehmen ist, sondern welches Ergebnis dem Ego am besten dient. Dies endet darin, dass wir uns von unserem eigenen Verhalten entfremden. Ein Zeichen kann schon sein, wenn im Büro Arbeitskleidung getragen wird und nicht mehr der Pullover vom Wochenende, um sich nicht angreifbar zu machen. (Vgl. Laloux, 2015 S. 167 – 188)

 

Organisationen entwickeln sich heute in der Regel noch nicht von alleine weiter. Es bedarf dazu Menschen, die diese Entwicklung vordenken und ihre Organisation weiterentwickeln, also Mitarbeiter:innen, Kolleg:innen, dazu befähigen, nach diesem Modell zu arbeiten. Inspiriert durch diese neue Welt habe ich für mich kleine Aspekte in meinen Arbeitsalltag mitgenommen, um diese Entwicklung anzustoßen. Eine Methode, die sich bewährt hat, sind Check-Ins. Aus dem agilen Projektmanagement sind Check-Ins einigen vielleicht schon bekannt, aber auch im klassischen Umfeld zeigt sich, dass diese Check-Ins Wunder bewirken können. Alleine durch kurze informelle Fragen zu Beginn eines Meetings wird die Persönlichkeit wieder zurück in den Alltag gebracht. Aber auch Stimmungen, Einstellungen und Inspirationen können geteilt werden, um danach in eine neue Welt aufzubrechen.

 

Seitdem ich das Buch Reinventing Organizations gelesen habe, habe ich es fast immer am Arbeitsplatz, um bei Gelegenheit zu verschiedenen Themen nachzulesen, wie es auch anders gehen kann. Damit liefert Laloux nicht nur Inspirationen für Meetings, sondern auch wie das Marketing oder die Zusammenarbeit mit Lieferanten neugestaltet werden kann. Für einen ersten Einblick kann ich außerdem den Youtubekanal Reinventing Organizations empfehlen, wo Frederic Laloux zusätzliche Einblicke und viele Beispiele aus der Praxis liefert. Für den Weg zur Arbeit oder eine Pause zwischendurch lohnt sich außerdem der Podcast Brave New Work von The Ready z.B. auf Spotify. In den verschiedenen Folgen werden spezifische Themen besprochen. Außerdem startet jede Episode mit einem Check-In, was mir persönlich viel Freude bereitet.

 

Philipp Michael, Digistainable 2018


Quellen:

Laloux, Frederic: Reinventing Organizations. A Guide to Creating Organizations, Nelson Parker, 2015

Bergmann Frithjof: New Work New Culture. Work we want and culture that strengthens us, Zero Books, 2018


Nachhaltige Entwicklung im Onlinehandel. Wird der Onlinehandel grün?

Erneut gibt es für den Onlinehandel ein deutliches Umsatzwachstum im Jahr 2019 zu verzeichnen. Der Treiber dafür ist nicht allein der tiefere Geldbeutel der Konsumenten. Zum einen sorgt die voranschreitende Digitalisierung im Smartphone Sektor für eine geringere Zugriffsschwelle im Online-Shopping und zum anderen wächst die onlineaffine Generation aus ihren Kinderschuhen zu einer kaufkräftigen Altersgruppe heran. (Handelsverband Deutschland, 2020, S. 3) Studien zeigen, dass der noch aktuell herrschende Löwenanteil des Umsatzes im stationären Handel im Jahr 2040 ausbleibt und demgemäß rund 95 Prozent aller Käufe online getätigt werden (Nasdaq, 2017).

Zur selben Zeit wird einem vor Augen geführt, mit welchen Engagement und Einsatz die junge onlineaffine Generation sich für das Thema der Nachhaltigkeit einsetzt. Die soziale Bewegung „Fridays for Future“ verdeutlicht diese Entschlossenheit, dass allein das Diskutieren und Auseinandersetzten mit dem Klimawandel nicht ausreicht, sondern jeder Mensch dazu verpflichtet ist, aktiv und tätig zu werden. Auch neben Corona zeigt die globale Bewegung weiterhin Präsenz –  online statt auf der Straße. Die aktuellste Publikation im Bereich Umweltbewusstsein des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) zeigt auf, dass rund zwei Drittel Umwelt und Klimaschutz als eine sehr wichtige Herausforderung einschätzen (BMU, 2019, S. 17). Hinzu kommt, dass die junge Generation gegenüber der Umwelt über ein sehr ausgeprägtes Problembewusstsein verfügt und ein umweltschützendes Verhalten im Konsum zu erkennen ist (Umweltbundesamt, 2014, S. 4). Im Anbetracht unserer Altersstruktur in Deutschland, wird sich mit dem steigendem Anteil dieser Generation das Umweltbewusstsein und -verhalten verändern.

Das global-politische Thema macht auch vor dem Onlinehandel keinen Halt. Negative Schlagzeilen sind uns zu Hauf‘ bekannt. Verpackungsmüll, lange Transportwege und die hohe Anzahl an Retouren die zu hohen CO2-Emission führen, werden zunehmend hinterfragt. Laut einem britischen Markt- und Meinungsforschungsinstituts legen mittlerweile 60 Prozent der Deutschen großen Wert auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit beim Online-Einkauf. Noch deutlicher sind die Zahlen bei der Liefermethode. Hier würden circa 86 Prozent eine ökologisch nachhaltigere Liefermethode wählen. (Hörmann, 2020) Entsprechend der ernsthaften Trendwende führt die Nachfrage der Konsumenten zu einer Handlungsnotwendigkeit der Händler. Onlinegiganten wie Zalando und Amazon zeigen ihren Einsatz durch zum Beispiel klimaneutrale Zustellungen von Paketen. Aber auch kleinere Händler stellen zunehmend die „grünen“ Optionen des Onlineeinkaufs in den Vordergrund. Dabei werden explizit die Themen aufgegriffen, die bereits bekannt für eine hohe CO2-Bilanz sind.

Nicht zuletzt sollte jeder einzelne sein Verhaltensmuster hinterfragen. Die heranwachsende Generation ist ein gutes Beispiel für ein starkes Bewusstsein für die Nachhaltigkeit. Jetzt liegt es an uns den Sinneswandel in einen Verhaltenswandel zu übertragen. Dabei ist es gar nicht so schwierig auf folgende Punkte beim Online-Einkauf zu achten:

  1. Pakete versuchen zu bündeln.
  2. Keine Expressbestellungen oder Same-Day-Lieferungen.
  3. Rücksendungen eindämmen.
  4. Transportmethoden beachten.
  5. Versuchen das Paket zu Hause entgegenzunehmen.
  6. Auf die Verpackungsart achten.
  7. Nach Informationen zu Umwelt- und Sozialstandards Ausschau halten.

 

Tim Geringer, Digistainable 2018


Quellen:

BMU. (2019). Umweltbewusstsein in Deutschland 2018. Abgerufen am 28. Januar 2021 von BMU: https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/umweltbewusstsein_2018_bf.pdf

Handelsverband Deutschland. (2020). HDE Online-Monitor. Abgerufen am 28. Januar 2021 von HDE Handelsverband Deutschland: https://einzelhandel.de/index.php?option=com_attachments&task=download&id=10433

Hörmann, W. (2020). Nachhaltigkeit: Der Onlinehandel wird grün. Abgerufen am 28. Januar 2021 von t3n: https://t3n.de/news/nachhaltigkeit-onlinehandel-1241585/

Nasdaq. (2017). Nasdaq. Abgerufen am 28. Januar 2021 von UK Online Shopping and E-Commerce Statistics for 2017: https://www.nasdaq.com/articles/uk-online-shopping-and-e-commerce-statistics-2017-2017-03-14

Umweltbundesamt. (2014). Umweltbewusstsein in Deutschland 2014. Vertiefungsstudie: Umweltbewusstsein und Umweltverhalten junger Menschen. Abgerufen am 28. Januar 2021 von Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/texte_77_2015_umweltbewusstsein_in_deutschland_2014_vertiefungsstudie.pdf


Hört auf mit Tagesschau und Co. – Macht es richtig!

Ich finde herkömmliche Nachrichtensender anstrengend. Binnen weniger Minuten werden die Nachrichten zusammengetragen und zu häufig bekommt die unwichtigste Nachricht die meisten Minuten. Ich habe einmal gezählt: 5 Minuten wurde über eine Automesse gesprochen. Und 2 Minuten über den Bürgerkrieg im Jemen. Ich fand das persönlich höchst unproportional. Und habe immer weniger Tagesschau und Co geschaut. Ich habe mich ehrlicherweise nicht weniger informiert gefühlt. Man vergisst doch sowieso was man in einer 20-Minuten-Show über 8 verschiedene Themen hört. Also kann man es auch gleich sein lassen. Die Alternative ist natürlich nicht die Abschottung von Nachrichten. Ich halte es jedoch für richtig und sinnvoll darüber informiert zu sein, welche politischen und sozialen Geschehnisse sich auf der nationalen und internationalen Bühne zutragen. Man gewinnt an Kontext, versteht welche Themen wichtig sind, wofür man sich einsetzen sollte, welche Partei man wählen sollte, welche Rechte man als Bürger hat.

Also? Macht es richtig. Der Podcast Lage der Nation hat meine verkümmerte Nachrichtenseele wieder aufleben lassen. Seit 4 Jahren höre ich den Podcast (1h 30min, wöchentliche Erscheinung) und fühle mich informiert, also wirklich informiert. Philip Banse und Ulf Buermeyer setzen ihre Prioritäten richtig und nehmen die Nachrichten, die die Tagesschau in 2 Minuten behandelt, detailliert auseinander. Die Themen werden aus verschiedenen Blinkwinkeln betrachtet, man bekommt einen klaren Hintergrund, versteht die Relevanz des Themas und inwiefern es auch Auswirkungen auf einen selbst haben kann. Durch die erhöhte Zeitspanne und Detailreiche merkt man sich die Nachrichten und ist in der Lage über diese gezielt zu reflektieren. Die Professionalität des Podcasts entstammt dem Hintergrund des Teams. Philip ist seit vielen Jahren Journalist und gewann bereits Preise wie den Axel-Springer-Preis in der Kategorie Hörfunk. Ulf ist Jurist und seit 2008 Richter am Landgericht Berlin. Die Kombination aus Journalismus und Recht lässt sich klar spüren. Nicht immer sind die zwei der gleichen Meinung. Und genau das ist das spannende an dem Podcast. Er gibt den Hörer*innen den Raum ihre eigene Meinung zu den verschiedenen Themen zu bilden. Hierbei muss natürlich gesagt sein, dass der Podcast klar antirechts ist und umweltpolitische Interessen vor wirtschaftspolitische Interessen setzt. Falls jemand nun denkt sich damit nicht identifizieren zu können, dem/der lege ich den Podcast nun besonders nahe: https://lagedernation.org/

Für die Leseaffinen unter euch empfehle ich übrigens noch den Fluter, ein Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Der Fluter ist umsonst und erscheint seit 2001 als Print- und Online-Ausgabe.  Das Magazin bereichert die Leser*innen mit generellem politischem und kulturellem Wissen, aber vor allem mit neuen Gedankengängen. Eine neue Ausgabe erscheint vierteljährlich mit jeweils einem neuen Themenschwerpunkt, der aus den unterschiedlichsten und unerwartetsten Blickwinkeln betrachtet wird: Identität, Geschlechter, Lateinamerika, Tiere, Umweltschutz, Städte, Dörfer, Angst, Terror, Reisen, … sind nur wenige dieser Themenschwerpunkte. Vergangene Ausgaben kann man, ebenfalls kostenlos, nachbestellen: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/fluter/

 

Isabel Dammann, Digistainable 2018


Bildquelle:

HKW, 2019: https://www.hkw.de/en/programm/projekte/veranstaltung/p_150131.php, Photo: Matthias Rathje


HafenCity – ein nachhaltiges Stadtkonzept?!

MoinAn was denkst du, wenn du an die HafenCity der Stadt Hamburg denkst?  

Vor ein paar Wochen waren dies noch die Worte, die mir persönlich in den Sinn kamen: 

  • Prestige  
  • Luxuswohnungen 
  • Steuergelder
  • Riesige U-Bahn-Stationen  

Zugegebenermaßen hielt es sich hierbei um meine Vorurteile über den neuen StadtteilNichtsdestotrotz wurde das (Nachhaltigkeits-Konzept der HafenCity bereits vielfach kontrovers diskutiert. Beispielsweise ist im Fazit einer Studie des Hamburger Zukunftsrats aus dem Jahr 2010 folgender Satz zu finden: Die HafenCity ist nicht das strahlende Modellprojekt für vollkommene Nachhaltigkeit, als das die Werbemedien der HafenCity GmbH und des Hamburg-Marketing den Stadtteil gerne herausstellen“ (Menzel, 2010).  

Nun ist die Studie schon zehn Jahre alt und das Projeksowie der Bau entsprechend fortgeschritten – da mag es wertvoll sein, nochmal einen Blick auf die HafenCity zu werfen!

Dieser Beitrag besteht nicht nur aus einer Web-Recherche zur aktuellen Entwicklung des Stadtkonzepts, sondern auch aus meinen Eindrücken einer Führung durch die HafenCity im Oktober 2020Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich euch einen kleinen Eindruck vom HafenCity-Konzept vermitteln, indem ich euch unterteilt nach den drei Säulen der Nachhaltigkeit ausgewählte Projekte und Themen vorstelle.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Im Bereich der ökonomischen Nachhaltigkeit geht es unter anderem um nachhaltiges Wirtschaften. Dazu gehört beispielweise eine Strategie, die es ermöglicht, dass Investitionen nicht auf dem Rücken zukünftiger Generationen getätigt werden – bei der also keine bis wenige Schulden aufbaut werden (Schulz 2020) 

Wie sieht es bei der HafenCity mit den Themen Investitionen und Schulden ausBereits 1991 begann die Stadt Hamburg mit dem stückweisen Rückkauf der Grundstücke des Freihafens. Dieser gehörte somit vor Planungs-/ Baubeginn größtenteils der Stadt, die dann „ungestört“ Europas größtes Stadtentwicklungsprojekt planen konnte. Überwiegend finanziert wird das gesamte Bauvorhaben nicht aus Steuergeldern, sondern aus den Grundstücksverkaufserlösen eben dieser sich im städtischen Eigentum befindlichen Grundstücke. Die für die Stadtteilentwicklung zuständige HafenCity Hamburg GmbH beschäftigt sich im Namen der Stadt mit Entwicklungstätigkeiten (bspw. Infrastrukturplanung)die Grundstücke selbst werden dann aber an (private) Bauherren verkauft. Somit finanziert sich das Stadtprojekt im Grunde genommen selbst (HafenCity 2020a, HafenCity 2020b).

Ökologische Nachhaltigkeit

Bei der ökologischen Nachhaltigkeit geht es im Allgemeinen um den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser, Energie und endlichen RohstoffenZudem sollen Schäden am Ökosystem durch die Förderung von Biodiversität vermieden werden (Schulz 2020).  

An dieser Stelle möchte ich mit euch einen Blick auf die Gebäude der HafenCity werfen. Bauvorhaben, die bis zum Jahr 2007 bereits final unterzeichnet waren, unterlagen hinsichtlich der Nachhaltigkeit tatsächlich nur rechtlichen Baubestimmungen, wie beispielweise der Energie-einspar-Verordnung. Ein spezifischer Fokus der HafenCity auf Nachhaltigkeit in der Vergabe der Bauprojekte war nicht zu erkennen (Menzel 2020). Doch das änderte sich mit der Einführung eines eigenen Umweltzeichens der HafenCity, dem ersten Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen in DeutschlandDurch das Umweltzeichen wird sichergestellt, dass die Gebäude im besonderen Maße nachhaltige Konzepte verfolgen, da es Voraussetzung und Kriterium für die Auswahl der Bauvergaben ist (2020c).  

Zusätzlich gibt es auch besondere Konzeptgebäude wie ein Cradle-to-Cradle Wohnhochhaus und ein „Null-Emissionen“ Gebäude , welches der neue Unternehmenssitz der HafenCity Hamburg GmbH wird.  

Dennoch ist die HafenCity nicht perfekt. Erschreckt hat mich persönlich, dass trotz allem Fokus auf Nachhaltigkeit in der HafenCity ein neuer Kreuzfahrtterminal entsteht. Ziel dahinter ist natürlich, dass ankommende Touristen direkt in der erweiterten Innenstadt ankommen und konsumieren können. Zwar verweist die HafenCity Hamburg GmbH auch auf alternative Antriebe wie LNG und die Einplanung der Emissionen in naheliegende Gebäudekonzepte  (HafenCity2020d) – dennoch scheint das Ganze nicht unbedingt zusammenzupassen.

Soziale Nachhaltigkeit

Soziale Nachhaltigkeit stellt den Menschen in den Mittelpunkt (Schulz, 2020)Der reine Bau von Prestigewohnungen würde dieser Grundsäule widersprechen – aber was sind überhaupt die Wohnkonzepte der HafenCity 

Insgesamt soll die HafenCity 16.000 Menschen ein Zuhause bieten. Dabei werden Miet- und Eigentumswohnungen in unterschiedlichen Preisniveaus angeboten. Die HafenCity Hamburg GmbH gibt an, dass die Mieten „durchschnittlich um 2–3 /qm höher als in vergleichbaren frei finanzierten Neubauten der inneren Stadt sind“ (HafenCity 2020e). Ausgenommen ist hier der geförderte Wohnungsbau, für diesen werden aufgrund der gestiegenen Miet- und Kaufpreise seit 2011 ein Drittel der Wohnbaugrundstücke ausgeschrieben (Geförderte Wohnungen liegen bei 6,50 /qm - 13,00 /qm) (2020e). Der Guide in der Führung erzählte, dass zudem Bauprojekte bevorzugt werden, die soziale Nachhaltigkeit direkt fördern. Er nannte beispielsweise ein Inklusions-Studentenwohnheim bei dem Studenten ohne Behinderung zusammen mit jungen Menschen mit Behinderung wohnen und ein Wohnhaus einer Baugemeinschaft, bei der die einzelnen Bewohner gemeinsam am Plan ihres neuen Wohnhauses beteiligt waren. Mehr zum Thema Wohnen in der HafenCity findet ihr hier.

Ist die HafenCity nun ein nachhaltiges Stadtkonzept?

Um eine fundierte Aussage über die Nachhaltigkeit der HafenCity zu treffen, ist dieser Blogbeitrag sicherlich nicht ausreichend. Doch das war auch nicht zwingend mein ZielMein persönlicher Eindruck ist, dass in der HafenCity schon einige spannende nachhaltige Ideen und Konzepte umgesetzt werden und nicht nur darüber geredet wird! Toll finde ich auch, dass sich jeder kostenlos über Führungen oder einen Besuch im Osaka Nachhaltigkeits-Pavillon über das Stadtkonzept informieren kann (genaueres hier). Vielleicht habe ich den ein oder andern dazu motiviert die Thematik nochmal genauer zu betrachten. Meine Vorurteile habe ich durch genaueres Hinschauen auf jeden Fall hinterfragt und meine Meinung angepasst! Vielleicht habe ich nun auch dein Interesse für die HafenCity geweckt?

 

Viel Spaß beim Erkunden!  

Susanne EngelhardtDigistainable 2019 

 

Quellen:

HafenCity. 2020a. „Daten & Fakten zur HafenCity Hamburg“. https://www.hafencity.com/de/ueberblick/daten-fakten-zur-hafencity-hamburg.html. zugegriffen am 26.10.20. 

HafenCity. 2020b. “Chronik der HafenCity“. https://www.hafencity.com/de/chronik-der-hafencity.html. zugegriffen am 26.10.20. 

HafenCity. 2020c. „Ein Zeichen für die die Nachhaltigkeit: Das Umweltzeichen HafenCityhttps://www.hafencity.com/de/konzepte/ein-zeichen-fuer-die-die-nachhaltigkeit-das-umweltzeichen-hafencity.html. zugegriffen am 26.10.20. 

HafenCity. 2020d. „Kreuzfahrtterminal: reduzierte Emissionen in der HafenCityhttps://www.hafencity.com/de/konzepte/kreuzfahrtterminal-reduzierte-emissionen-in-der-hafencity.html. zugegriffen am 26.10.2020. 

HafenCity. 2020e. „Was kostet Wohnen in der HafenCity?”https://www.hafencity.com/de/faq-wohnen-arbeiten/was-kostet-wohnen-in-der-hafencity-.html. zugegriffen am 26.10.2020. 

Menzel, Jochen. 2010. „Wie nachhaltig ist die HafenCity Hamburg?. Hamburger Zukunftsrat. https://www.zukunftsrat.de/fileadmin/pdf/stadtentwicklung/2010_hafencity_kurzstudie_ZR.pdfzugegriffen am 29.10.20. 

Schulz, Sven Christian. 2020. „Drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Wirtschaft und Soziales“. https://utopia.de/ratgeber/drei-saeulen-der-nachhaltigkeit-modell/zugegriffen am 26.10.20


Ist Nachhaltigkeit messbar?

Aufgrund der zunehmenden Erkenntnis eines kaum revidierbaren Klimawandels durch menschliche Einflüsse, sind Politik und Gesellschaft gezwungen sich heutzutage verstärkt mit den daraus resultierenden Konsequenzen zu beschäftigen. Verhandlungen über ein effizientes, gerechtes und durchsetzbares Abkommen über Emissionsreduktionen und sozialer Gerechtigkeit auf globaler Ebene scheiterten Jahrzehnte lang. Mit der Agenda 2030 haben die Vereinten Nationen im September 2015 erstmals Entwicklungsziele für alle Staaten verabschiedet. Im Mittelpunkt der Agenda steht ein ehrgeiziger Katalog mit den 17 sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs).

 

Die zentrale Frage der Nachhaltigkeitspolitik und der festgehaltenen Maßnahmen, ist die Messbarkeit. Dieser Aufgabe haben sich bereits viele Organisationen und Unternehmen gestellt, indem sie Messinstrumente für nachhaltiges Handeln entwickelt haben. Die Organisationen oder Unternehmen nutzen verschiedene Daten, zum Beispiel Länder- oder Kundendaten, als Basis für diese Messinstrumente und zeigen als Ergebnis die Auswirkungen nachhaltigen oder nicht nachhaltigen Handelns.

 

Die Herausforderungen für die Messbarkeit von Nachhaltigkeit beginnen bereits bei der Definition dessen, was als Nachhaltigkeit verstanden wird. Denn sowohl Unternehmen als auch Organisationen haben bis heute keine globale, einheitliche Definition von Nachhaltigkeit und Messung entwickeln können (vgl. Singh et al. 2009, 191). Das macht die Vergleichbarkeit und Überprüfungen der jeweiligen Messungen schwierig. Hinzukommen fehlende Daten oder deren schlechte Qualität, unterschiedliche Methoden und Indikatoren, die dazu führen, dass Nachhaltigkeit derzeit nicht einheitlich und ganzheitlich gemessen wird. Dementsprechend sind auch bisherige Bemühungen zur Messung von Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Und doch haben heutige Messungen und ihre Ergebnisse hohe Relevanz für die politische und gesellschaftliche Entscheidungsfindung.

 

Im Modul „Forschungsprojekt“ haben wir daher die Zeit genutzt, um uns mit der Messung von Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Dafür haben wir Messinstrumente, die sich mit Nachhaltigkeit im Sinne der ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte auseinandersetzen, freizugänglich sind und entweder Länderübergreifend oder für den Einzelnen zugänglich sind.

Messinstrumente für Länder Messinstrumente für den Einzelnen
Ecological Footprint Explorer Global Footprint Calculator
SDG Index & Dashboard Footprint Calculator
SDG Tracker Werde Klimatarier
Environmental Performance Index Ein guter Tag
Climate Action Tracker Henkel Footprint Calculator
CoolClimate Calculator

 

Für die genannten Messinstrumente wurde eine Nutzwertanalyse durchgeführt, deren Bewertungskriterien die folgenden waren:

  • Konstruktvalidität
    • Welche Aspekte der Nachhaltigkeit wurden betrachtet
    • Wie detailliert wurden die Aspekte beleuchtet
  • Datenqualität
    • Datenaktualität
    • Einsicht und Zugänglichkeit der Daten
    • Wissenschaftlichkeit der Datenquellen
    • Anzahl der verwendeten Quellen
  • Transparenz der Methodik
  • Bezug zu den SDGs
  • Usability des Messinstruments
  • Transferpotenzial

Auf Basis der Nutzwertanalyse wurde bestätigt, dass es kein einheitliches Verständnis und somit Zielbild für Nachhaltigkeit gibt, was sehr kritisch zu bewerten ist. Auf ein Zielbild hinzuarbeiten, das nicht einheitlich ist und verschiedene Aspekte incentiviert, macht eine globale Sichtbarkeit und Transparenz von nachhaltigem Verhalten und Erreichen der SDGs zunehmend schwierig.

Auf Individuen-Ebene überzeugte der Global Footprint Calculator, und auf Länder-Ebene der SDG Index & Dashboard. Dabei ist auffällig, dass alle Messinstrumente auf der Ebene des Einzelnen besser abschneiden in den Bereichen „Usability“, „Transferpotenzial“, wobei hier die Schwächen der Länder-Messinstrumente liegen, die hingegen bei „Datenqualität“ und „Konstruktvalidität“ überzeugen. Eine Zusammenarbeit und Austausch wäre somit neben der Verbesserung der Datenqualität und einheitlichen Verständnisbildung sinnvoll.

Insgesamt müssen bisherige Bemühung vorhandener Messinstrumente gewürdigt werden, Nachhaltigkeit messbar zu machen. Denn auch wenn sie noch großes Potenzial für Verbesserung aufweisen, versuchen sie sich der Thematik anzunehmen. Während der Erstellung der Arbeit wurde deutlich, dass dies ein mitunter zähes Unterfangen sein kann und es viele Hürden für Nachhaltigkeitsforschung gibt, wie fehlende Daten und mangelnde Datenqualität, uneinheitliche Definitionen, eine Vielzahl an verwendeten Messmethodiken und einen immer drängenderen Bedarf für fundierte Messinstrumente, die die richtige Entscheidungsgrundlagen für nachhaltige Entscheidungsfindung liefern können. Doch bereist Nelson Mandela wusste: „It always seems impossible until it’s done.“

 

Lisa Frommhold, Digistainable 2018


Bild:

Beispiel des besten Individuum-Messinstruments – https://www.footprintcalculator.org/food1


Wie nachhaltig sind Kryptowährungen?

Die Leitwährung der Kryptowährungen, der Bitcoin, hat bereits öfters mit einem hohen Energieverbrauch für negative Schlagzeilen gesorgt. Aktuell liegt der Verbrauch bei 46 Terawattstunden im Jahr. Das ist in etwa so viel, wie das 11 Millionen Einwohnerland Jordanien.[1] Weiterhin ist anzumerken, dass dies lediglich der Energiebedarf von Bitcoins ist. Der große Energiebedarf unterliegt dem Funktionsprinzip der Bitcoins, dem “Proof-of-Work” Verfahren. Im Grunde genommen, gibt es die Bitcoins als Belohnung für das Lösen von mathematischen Aufgabenstellungen mithilfe von Rechenleistung. Dies wird im Fachjargon “Mining” genannt. Das Lösen dieser Aufgaben ist notwendig, um Transaktionen innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes zu verifizieren. Ohne diese würde das Netzwerk wiederum anfällig werden für Manipulationen und der Nutzen des Bitcoins wäre nicht mehr gegeben. Das bedeutet, dass mit einer jeden Transaktion eine hohe Rechenleistung abverlangt wird von einer Vielzahl an Rechnern, um die einzelne Transaktion zu verifizieren. Die potenten Rechner dahinter müssen also mit umweltbelastender Energie unterhalten werden, was den Bitcoin nicht sehr nachhaltig darstellen lässt.

 

Mit einer Marktkapitalisierung von über 60 % ist der Bitcoin zurzeit die Leitwährung, da dieser Pioniersaarbeit im Bereich der Kryptowährungen geleistet hat. Doch mittlerweile sind weiterentwickeltere Währungen wie Ether hinzu gekommen. Ether ist nahezu bei einer Marktkapitaliserungsquote von 13 % und stellt damit die zweitgrößte Kryptowährung dar.[2] Noch setzt auch Ether auf das Proof-of-Work Verfahren, wenn auch mit einem effizienteren und damit halb so hohen Energieverbrauch wie der Bitcoin. Um diesen Verbrauch noch weiter zu senken, sind neue Verfahren entstanden. Ether hat aus diesem Grund angekündigt auf das “Proof-of-Stake” Verfahren zu wechseln. Dadurch ist eine Verifizierung nicht mehr durch eine hohe Anzahl an Teilnehmern von Rechnern notwendig, sondern lediglich von einem durch Zufall ausgewähltem. Um eine Manipulation auch durch den einen Teilnehmer zu verhindern, muss dieser Ether als Pfand hinterlegen. Wird eine Manipulation entdeckt, wird der Pfand einbehalten. Dadurch kann der Energiebedarf um 99 % gesenkt werden und stellt eine nachhaltige Alternative zu den existierenden realen Währungssystemen dar.[3]

 

Der Nutzer selbst hat folglich die Möglichkeit Einfluss auf den Nachhaltigkeitsaspekt von Kryptowährungen zu nehmen. Weiterhin ist eine Regulierung bereits seit längerem ein politisches Thema. Eine große Hürde stellt die zwingend notwendige Zusammenarbeit aller Länder der Welt dar. Denn durch die digitale Beschaffenheit der Kryptowährungen sind länderspezifische Regulierungen kaum wirksam. Günstige Energiekosten sind ein starker Anreiz für die Wahl eines Mining-Standortes. Zwei Drittel der Rechenleistung soll somit aus asiatischen Ländern kommen, wo erneuerbare Energien noch nicht weit verbreitet sind.[4] Können sich die neueren Kryptowährungen und Verfahren durchsetzen, so kann der Nachhaltigkeitsaspekt des Währungshandels stark verbessert werden. Auch ist zu beachten, dass die digitalen Währungen im Vergleich zu den real existierenden keines energiebedürfigen Intermediär wie bspw. einer Bank bedürfen und somit als nachhaltige Alternative zu den reellen Währungen zu betrachten sind.

 

Dominik Winkel, Digistainable 2018


Quellenangaben:

[1] https://www.ingenieur.de/technik/forschung/bitcoin-produktion-verbraucht-fast-so-viel-strom-wie-irland/ (28.7.2020)

[2] https://coinmarketcap.com (Stand 20.9.2020)

[3] https://t3n.de/news/ethereum-energieverbrauch-senken-1135664/ (7.1.2019)

[4] https://www.ingenieur.de/technik/forschung/bitcoin-produktion-verbraucht-fast-so-viel-strom-wie-irland/ (28.7.2020)

 

Photo von Taylor VickUnsplash


Sustainable Development Goals – Wieso, weshalb, warum?

Die Relevanz einer Nachhaltigen Entwicklung dürfte jedem Besucher unserer Webseite grundsätzlich bewusst sein. Der ein oder andere hat in diesem Zusammenhang sicherlich auch bereits von den Sustainable Development Goals“ (kurz: SDGs) gehört. Die 17 SDGs wurden im September 2015 auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Zuvor wurden sie jedoch auf der Konferenz der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung 2012 in Rio de Janeiro (Rio + 20) konzipiert.  Sie stellen laut der UNO eine „transformative Agenda“, die sich mit den globalen Herausforderungen beschäftigt, die die Zukunft des Planeten und der Menschheit bedrohen. Das Ziel ist die „[…] Verwirklichung einer Welt der Nachhaltigkeit, in der alle Menschen am Wohlstand teilhaben und auf einem gesunden Planeten ein produktives, lebendiges und friedliches Leben führen können.1 In diesem kurzen Beitrag möchten drei wichtige Punkte erläutern, die die Notwendigkeit der SDGs verdeutlichen und zudem erklären, was sie von anderen Nachhaltigkeits-Zielen beziehungsweise Ambitionen unterscheidet. 

 

Besonderheit 1) Interdisziplinäre Betrachtung 

Bereits auf den ersten Blick wirken die SDGs „bunt“. Damit sind sowohl die offiziellen Logos gemeint aber vor allem auch die Ziele selbst. Die UN erkennt mit den SDGs an, dass es eine große Bandbreite an Problemen zu bewältigen gilt, um das oberste Ziel der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen. Die SDGs betrachten Nachhaltigkeit also als eine interdisziplinäre Herausforderung. Neben Themen wie  Umweltzerstörung, Klimawandel und Armut wurden auch gegebenenfalls  weniger offensichtliche Themen wie Ungleichheit, Frieden und Gerechtigkeit klar als Probleme identifiziert, die aktuell einer weltweiten nachhaltigen Entwicklung im Wege stehen.  

 

Besonderheit 2) Frühere Erfolge 

Die Vorreiter der SDGs waren die acht Millenniums-Entwicklungsziele“, welche im Jahr 2000 vereinbart wurden und zum Ziel hatten extreme Armut bis 2015 weltweit zu halbieren. Dabei wurden bereits zahlreiche Gründe für extreme Armut identifiziert, die später auch in den SDGs angesprochen wurden. Dazu gehören unter anderem: Chronischer Hunger, Geschlechterungleichheit, fehlende Schulbildung, unzureichende medizinische Versorgung, fehlender Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen. Es konnten durch die MDGs einige große Erfolge verzeichnet werden, wie beispielweise die Halbierung der Kindersterblichkeitsrate bis zum 5. Lebensjahr. (vgl. United Nations 2015, S. 5) Somit basieren die SDGs auf den Erfolgen der MDGs, welche bewiesen, dass ein gemeinsamer Aktionsplan der UN tatsächlich weltweite Probleme verbessern kann. Dennoch ist es das erklärte Ziel der UN wurden in vielen Ländern nur unzureichende Fortschritte gemacht, sodass die Notwendigkeit zusätzlicher Nachhaltigkeitsarbeit nach dem Auslaufen der MDGs, gerade im ökologischen Bereich, deutlich wurde.  

 

Besonderheit 3) Zusammenarbeit, Verantwortung & Messbarkeit 

Eine weitere Erkenntnis nach dem Auslaufen der MDGs bestand darin, dass es eine Konkretisierung der Ziele und der Verantwortlichkeiten bedarf. Die MDGs waren zum einen oft vage und somit schlecht umsetzbar formuliert und zu anderen wurden lediglich die Entwicklungsländer in die Verantwortung genommen. Die SDGs haben aus diesen Fehlern gelernt und machen deutlich, dass eine nachhaltige Entwicklung nur durch die Zusammenarbeit aller Nationen erreicht werden kann.2 Zudem wurden die 17 Nachhaltigkeitsziele mit insgesamt 169 Unterzielen und 230 Indikatoren untermauert, sodass ein Monitoring der Zielerreichung ermöglicht wird.3 

 

Große Ziele lassen uns oft schon zu Beginn verzweifeln. Gerade ein großes und generisches Ziel wie Nachhaltigkeit ist schwer greifbar und auch wenn die SDGs bereits Strukturierungshilfe leisten, kann es schwer sein angesichts der vielen Herausforderungen nicht zu verzweifeln. Angesichts des Klimawandels ist dies jedoch keine Option!  Im Gegensatz zu den vergangenen Jahrhunderten, in denen alle Systeme durch natürliche Prozesse entstanden sind, werden sie heute vor allem durch Menschen beeinflusst. Durch die Technologisierung wird diese Entwicklung zudem exponentiell beschleunigt. Es bedarf also nicht nur eines Plans sondern der Mitarbeit jeder Nation, jeder Stadt, Gemeinte und Person, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. 

Daher möchtet wir dir zum Abschluss ein paar Ansatzpunkt mitgeben, wie du die SDGs selbst unterstützen kannst: 

  • Informiere dich über Aktionen & Veranstaltungen. Du kann beispielsweise auf https://fridaysforfuture.de/streiktermine/ die nächsten Termine für Fridays for Future Proteste in deiner Nähe finden und so für die Nachhaltigkeit auf die Straße gehen. 
  • Mach dir Gedanken! Mit welchem SDG kannst du dich am meisten identifizieren und gibt es Möglichkeiten Einrichtungen in deiner Nähe die dazu passen zu unterstützen?  
  • Leave no one behindGibt es Menschen in deiner Umgebung, die in unserer Gesellschaft außen vor bleiben und denen du helfen kannst? Non-Profits wie Hanseatic Help akzeptieren zum Beispiel sowohl Sach- als auch Zeitspenden, solltest du nicht monetär unterstützen können. 
  • Nutze deine Stimme! Auf https://www.greenpeace.de/mitmachaktionen findest du Petitionen der Non-Profit, die du mit deiner Unterschrift und durch das Teilen mit Freunden und Familie helfen kannst Gehör zu finden (Noch besser: Spenden wenn möglich). 

Wir wissen aus der Erfahrung mit den MDGs, dass gemeinsame Ziele funktionieren können, wenn sie auf einem globalen inklusiven Prozess, der konkurrierende Interessen miteinander in Einklang bringt basieren.  

 

So let’s leave no one behind! 

  

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#sustainabledevelopmentgoals 

#sdgs 

#mdgs 

#unitednations 

 

Fabienne Meyer-Pohl, Digistainable 2018


 

Literaturverzeichnis