Im Einklang: Digitale Transformation & Nachhaltigkeit

Digitale Transformation und Nachhaltigkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung – für die Gesellschaft, die Politik sowie die Wirtschaft. Häufig werden beide Megatrends in einem Satz genannt. Doch nicht immer führt Digitalisierung automatisch zu mehr Nachhaltigkeit. „Der Rebound-Effekt endet schlimmstenfalls in einer digitalen Wachstumsökonomie. Neben Effizienz ist Suffizienz das Wort der Stunde. Digitalisierung kann ein Weg zu mehr Nachhaltigkeit sein, aber nur wenn die Weichen richtig gestellt werden,“ so Sebastian Backhaus, Experte für nachhaltige Unternehmen, Startups, NGOs, Ministerien und Kommunen.

Die folgenden fünf Beispiele aus dem #SMARTer2030 Report zeigen auf, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit sich erfolgreich vereinen lassen und inwiefern innovative Technologien zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der UN beitragen können. In den Fokus rücken hierbei die SDGs Nummer 7, 9, 11, 12 und 13.

1. Emissionenreduzieren
Dem #SMARTer2030 Report zufolge kann der Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) die globalen CO2-Emissionen bis 2030 effektiv um rund 20 Prozent senken. Dabei wird das durch ICT verursachte Emissionslevel von 2015 gehalten (GeSI 2015, 10). Auf diese Wiese stellen moderne Technologien eine Möglichkeit dar, wirtschaftlichen Fortschritt und Umweltschutz zu verbinden, vorausgesetzt mögliche Rebound-Effekte wie beispielsweise eine Erhöhung der Nutzungsintensität aufgrund vorangegangener Effizienzsteigerung bleiben aus.

2. SmartEnergy
Auch für den Energiesektor zeichnen sich im Zuge der Digitalisierung Chancen für mehr Nachhaltigkeit ab. So werden Entwicklungen zur Nutzung erneuerbarer Energien vorangetrieben und der Ausbau intelligenter Stromnetze, sogenannten Smart Grids, gefördert. In Zahlen gesprochen können auf diese Weise bis zu 6,3 Milliarden Kilowattstunden Energie eingespart werden, wie der Report belegt. Darüber hinaus spielen soziale Aspekte eine Rolle wie z.B. die flexible Auswahl des Stromanbieters, geringere Kosten sowie die Kontrolle und Übersicht über das eigene Verbrauchsverhalten (GeSI 2015, 54). Diese neu gewonnene Transparenz ermöglicht ggf. sogar eine Reduktion der individuellen Stromverbräuche, da Ausreißer je nach Tages- und Jahreszeit sichtbar werden.

3. SmartAgriculture
Smart Agriculture steht für erhöhte Produktivität, gesteigerte Effizienz und weniger Lebensmittelverschwendung in der Landwirtschaft. In diesem Bereich sorgen modernste Technik, teilweise künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen für exakte Prognosen sowie z.B. einen optimalen Wasserverbrauch ohne Verschwendung. So können Ressourcen geschont und die Produktion anhand vorhergesagter Werte geplant werden. Auch hier legt der #SMARTer2030 Report Zahlen vor: 20 Prozent weniger Foodwaste und ein um 250 Billionen Liter geringerer Wasserfußabdruck (GeSI 2015, 11).

4. SmartBuildings
35 Prozent am gesamten deutschen Energieverbrauch entfallen auf Gebäude (dena 2020). Bis 2050 soll der Gebäudebestand laut Bundesregierung nahezu klimaneutral sein. Eine Lösung sind intelligente Gebäude, Smart Buildings. Hier steigern digitale Technologien und intelligente Vernetzung Komfort, Lebensqualität und Effizienz. Smarte Gebäude „denken“ selbst, sobald alle Komponenten installiert sind. Sie lassen sich zentral, orts- und zeitunabhängig steuern. Vor allem im Hinblick auf die Erfassung von Strom-, Heiz- und Wasserverbräuchen lassen sich dank digitaler Messtechniken, wie oben bereits erwähnt, individuelle Verbrauchswerte anpassen, was langfristig zu einem nachhaltigeren Umgang und Kosteneinsparungen führen kann (GeSI 2015, 41).

5. SharingEconomy
Last but not least: Sharing Economy, oder auch Share Economy. Vor allem der Car Sharing Markt ist innerhalb der letzten Jahre rasant gewachsen. Allgemein sorgen Sharing-Angebote für eine besser Auslastung bestehender Kapazitäten und senken in diesem Zuge den Ressourcenverbrauch. Das Umweltbundesamt empfiehlt maximal 150 PKW pro 1.000 Einwohner für einen umweltfreundlicheren Verkehr. Dies ist mit privaten Autos nicht zu erreichen. Car Sharing Plattformen aber haben das Potential. Hier gilt es allerdings erneut, vor möglichen Rebound-Effekten zu warnen. Denn Sinn und Zweck ist es nicht aufgrund von Ressourceneinsparungen von privaten Autos, den Car Sharing Markt über Bedarf auszubauen.

Diese Beispiele belegen, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit ein Duett bilden können. Allerdings sollten wir uns nicht vormachen, allein durch den Einsatz innovativer Technologien den Klimawandel stoppen und eine bessere Welt schaffen zu können. Das wäre zu einfach gedacht. Die 17 Nachhaltigkeitsziele können nur erreicht werden, wenn jeder einzelne seinen Beitrag dazu leistet – ganz egal welcher Art.

 

Jana Beckmann, Digistainable 2019

Foto: Pixabay © Gerd Altmann


Konferenzeinladung: DIGISTAIN OUR FUTURE – Impulse für nachhaltig-digitale Macher*innen

Konferenzeinladung: DIGISTAIN OUR FUTURE – Impulse für nachhaltig-digitale Macher*innen

 

Neben der Digitalisierung wird seit Jahren der Ruf nach Nachhaltigkeit in sämtlichen Bereichen lauter – und nein: Einzig darauf zu achten, welche E-Mails man ausdruckt, reicht uns nicht. Wir, die Studierenden des MasterStudiengangs Digitale Transformation & Nachhaltigkeit finden, dass wir die globalen Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit ganzheitlich verstehen und neu denken müssen.  

Die Online-Konferenz DIGISTAIN OUR FUTURE rückt näher und die Spannung steigt – genauso wie die Zahl der Anmeldungen! Seien am 22. Februar 2021 ab 13.00 Uhr auch Sie dabei und freuen sich auf interessante Vorträge aus verschiedensten Perspektiven:

 

Im Rahmen dieser Veranstaltung präsentieren wir wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit – kurz und knackig aufbereitet werden die Themen in 5- bis 10-minütigen Slots vorgetragen. Ideal für Inspiration und Gedankenfutter in der Mittags oder Kaffeepause!

Außerdem erwartet Dich ein inspirierender Gastvortrag:  Harald Neidhardt von futur/io berichtet aus seinen langjährigen Erfahrungen und teilt spannende Erkenntnisse aus dem World Economic Forum, sowie aus unzähligen Projekten. Erfahren Sie mehr zu den Themen EU-Citizenship,  exponentieller Technologie-Wandel und darüber, was wir für eine „Future-Proof“ Gemeinschaft tun müssen. 

 

Die Highlights der Veranstaltung zusammengefasst: 

  • Kurze Impulsvorträge
  • Ein spannender Gast
  • Wissenschaftlicher Anspruch
  • 100% Praxisbezug
  • Komplett online
  • Interaktives Format
  • Kostenlos

Neugierig geworden? Dann klicke jetzt auf den unverbindlichen Anmelde-Button:

DIGISTAIN OUR FUTURE – Impulse für nachhaltig-digitale Macher_innen – Events – Universe | DE

 

Wir freuen uns auf Dich!

 

Deine Digistainables

Jahrgang 2018

 

#SmartContracts #TheNewNormal #VirtuelleTeams #Degrowth #CustomerJourney
#CloudComputing #AgileOrganization #DesignThinking #ESGInvesting


Studie: CSR Online - eine Guideline für nachhaltiges Webseitendesign

Konzeption einer ökologisch nachhaltigen Webseite

Einordnung: Bereits zu Beginn des Studiums haben wir uns als Studiengang dazu entschlossen eine Webseite zu erstellen, um unser Wissen an einem Ort zu sammeln und öffentlich zur Verfügung zu stellen. Vorab wollten wir jedoch untersuchen, in welchem Ausmaß die Bereitstellung von Informationen online mit einem Energiebedarf und damit unweigerlich mit Schadstoffausstößen verbunden ist. Hierfür wurden in zwei aufeinander aufbauenden Projektarbeiten Webseiten auf ihre ökologischen Fußabdrücke untersucht sowie Handlungsempfehlungen zur Verringerung der CO2-Emissionen entwickelt. Aufbauend auf den Erkenntnissen wurde unsere eigene Webseite konzipiert.

 

Hintergrund:

Durch die wachsende Anzahl an Nutzern und Endgeräten pro Nutzer durch das Internet of Things stieg der allgemeine Datenverbrauch durch das Internet in den letzten Jahren immer drastischer an. Wie beim weltweiten Reiseverkehr oder der Nahrungsmittelversorgung werden auch bei der Nutzung des Internets bzw. dem Aufrufen von Webseiten CO2-Emissionen produziert. 2018 haben allein die globalen Informations- und Kommunikationstechnologien 33,1 Gt CO2 ausgestoßen. Um dem stetigen Wachstum an Nutzern und Daten gerecht zu werden, ist es elementar, dass die betroffenen Komponenten, die bei einem Webseitenaufruf Energie benötigen, möglichst effizient genutzt werden.

 

Wie entstehen CO2-Emissionen, wenn ich eine Webseite besuche?

Die Größe bzw. Schwere der Inhalte, die auf einer Webseite zur Verfügung gestellt werden, steht in direkter Abhängigkeit zum damit benötigten Energiebedarf und damit dem Ausstoß von Emissionen. Im Einzelnen sind die Emissionen auf drei Kategorien der ICT zurückzuführen:

  1. Datenzentren (anteilig 18 %),
  2. Telekommunikations-Netzwerke (anteilig 24 %) und
  3. Endgeräte (anteilig 58 %).

Alle Inhalte werden in verschiedenen Datenzentren auf der ganzen Welt gespeichert, um jederzeit abrufbar zu sein. Dies hat im Jahr 2018 zu einem Bedarf von 1.1096 tWh geführt. Das bedeutet, dass allein Datenzentren durch ihre zwingend notwendige unterbrechungsfreie Energieversorgung sowie deren Kühlungssysteme für 198 tWh verantwortlich gewesen sind. Heute wird immer mehr Wert darauf gelegt Datenzentren effizienter zu betreiben: Werden diese vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben, erhalten sie den Titel Green Hosts. Dadurch reduziert sich natürlich nicht ihr Energiebedarf – aber dafür um einen erheblichen Anteil die damit verbundenen Schadstoffemissionen. Die Telekommunikationsnetzwerke sind für den Datenaustausch zwischen Datenzentren und Endnutzergeräten zuständig. Abgerufen werden die Daten schlussendlich auf den Endgeräten, die für fast 60% der verbrauchten Energie und damit rund 638 tWh verantwortlich sind.

 

Worauf sollte ich bei der Konzeption meiner Webseite achten?

Für die Umsetzung und zur Konzeption unserer eigenen Webseite haben wir uns deshalb auf die Schwere und die damit verbundenen ausgestoßenen Emissionen pro Webseitenaufruf konzentriert. Gemäß unserer Berechnungen sorgt 1 MB durchschnittlich für 0,3471 g CO2 (unter Annahme der vollständigen Nutzung grauer Energie des globalen Energiemixes). Darum haben wir uns vor allem auf vier Hauptkategorien konzentriert, mit denen verschiedene Kernthesen verfolgt werden sollten: Optimierung der Leistungsfähigkeit, Strategie für die Bereitstellung der Inhalte, ein benutzerfreundliches Design sowie ein ökologisches Hosting.

 

Finale Handlungsempfehlung:

Vor allem geht es darum das Gleichgewicht zwischen einem ansprechenden Design, qualitativ hochwertigen Informationen und der Nachhaltigkeit zu finden. Im Zuge der Projektarbeiten wurde eine Checkliste entwickelt, die dabei helfen soll Webseiten nachhaltiger zu gestalten. Folgend finden Sie eine kleine Auswahl der gesammelten Tipps:

  • Die Sinnhaftigkeit der verschiedenen Elemente sollte überprüft werden. Einfache Einstellungen wie die Deaktivierung des automatischen Abspielens eins Videos können viel bezwecken. Außerdem können auch schon kleine Schritte wie die Nutzung einer Verlinkung anstatt einer Einbettung von Inhalten zu einer Reduktion der Schwere einer Webseite führen.
  • Sowohl der Code als auch unnötige Analyse-Tools sollten möglichst minimal eingesetzt und ggf. überarbeitet werden. Außerdem ist es für die Schwere der Webseite wichtig regelmäßig Updates durchzuführen.
  • Es wird empfohlen auf Datenzentren zu wechseln, die mittels erneuerbarer Energien betrieben werden, denn: Jeder digitale Inhalt, auf den zugegriffen werden kann, benötigt ständig Energie.
  • Die produzierten Inhalte sollten auf die Bedürfnisse des Publikums angepasst werden. Dafür ist vor allem eine klare Strategie für die Veröffentlichung von Inhalten notwendig. Hilfreich ist es außerdem, wenn auf der ersten Seite die Botschaft der Webseite zu finden ist. Durch das intelligente Einsetzen von Analyse-Tools kann die Webseite und vor allem auch die Nutzerfreundlichkeit für den User verbessert werden.

 

Alle Hintergrundinformationen, Berechnungen und zusätzliche weiterführende Tipps bald hier zum Nachlesen, im Handbook of Climate Change Management (Springer):

Corporate Social Responsibility Online: Designing high-performance Websites simultaneously reducing their CO2-Emission Impact

 

Alena Werner – Digistainable 2018


Quellen

BCG. 2012. ICT Solutions for 21st Century Challenges. The Role of ICT in Driving a Sustainable Future. http://imagesrc.bcg.com/Images/SMARTer_2020_The_Role_of_ICT_in_Driving_a_Sustainable_Future_December_2012_tcm9-101095.pdf (accessed May 30, 2019).

Cisco. „Cisco Visual Networking Index: Forecast and Trends, 2017–2022.“ Cisco Visual Networking Index: Forecast and Trends, 2017–2022 White Paper. February 27, 2019. https://www.cisco.com/c/en/us/solutions/collateral/service-provider/visual-networking-index-vni/white-paper-c11-741490.pdf (accessed January 16, 2020).

Costenaro, David; Duer, Anthony. 2012. American Council for an Energy-Efficient Economy. The Megawatts behind Your Megabytes: Going from Data-Center to Desktop. https://aceee.org/files/proceedings/2012/data/papers/0193-000409.pdf (accessed May 30, 2019).

Geringer, T., Wendt, S., Hensel-Börner, S. (im Druck): Corporate Social Responsibility Online: Designing high-performance Websites simultaneously reducing their CO2-Emission Impact. In: Handbook of Climate Change Management. Herausgegeben von Leal Filho, W., Luetz, J. M., Ayal, D. Kapitel 160-1. Basel: Springer Int.

IEA. 2019a. Tracking Buildings. https://www.iea.org/reports/tracking-buildings/data-centres-and-datatransmission-networks (accessed Jan 18, 2020).

IEA. 2019b. Global Energy & CO2 Status Report 2019. https://www.iea.org/reports/global-energy-and-co2-status-report-2019 (accessed Jan 18, 2020).

The Shift Project. 2019. Lean ICT. Towards Digital Sobriety. https://theshiftproject.org/wp-content/uploads/2019/03/Lean-ICT-Report_The-Shift-Project_2019.pdf (accessed Dec 22, 2019).

United Nations. 2019. Digital Economy Report 2019. https://unctad.org/en/PublicationsLibrary/der2019_en.pdf (accessed Jan 18, 2020).


Hört auf mit Tagesschau und Co. – Macht es richtig!

Ich finde herkömmliche Nachrichtensender anstrengend. Binnen weniger Minuten werden die Nachrichten zusammengetragen und zu häufig bekommt die unwichtigste Nachricht die meisten Minuten. Ich habe einmal gezählt: 5 Minuten wurde über eine Automesse gesprochen. Und 2 Minuten über den Bürgerkrieg im Jemen. Ich fand das persönlich höchst unproportional. Und habe immer weniger Tagesschau und Co geschaut. Ich habe mich ehrlicherweise nicht weniger informiert gefühlt. Man vergisst doch sowieso was man in einer 20-Minuten-Show über 8 verschiedene Themen hört. Also kann man es auch gleich sein lassen. Die Alternative ist natürlich nicht die Abschottung von Nachrichten. Ich halte es jedoch für richtig und sinnvoll darüber informiert zu sein, welche politischen und sozialen Geschehnisse sich auf der nationalen und internationalen Bühne zutragen. Man gewinnt an Kontext, versteht welche Themen wichtig sind, wofür man sich einsetzen sollte, welche Partei man wählen sollte, welche Rechte man als Bürger hat.

Also? Macht es richtig. Der Podcast Lage der Nation hat meine verkümmerte Nachrichtenseele wieder aufleben lassen. Seit 4 Jahren höre ich den Podcast (1h 30min, wöchentliche Erscheinung) und fühle mich informiert, also wirklich informiert. Philip Banse und Ulf Buermeyer setzen ihre Prioritäten richtig und nehmen die Nachrichten, die die Tagesschau in 2 Minuten behandelt, detailliert auseinander. Die Themen werden aus verschiedenen Blinkwinkeln betrachtet, man bekommt einen klaren Hintergrund, versteht die Relevanz des Themas und inwiefern es auch Auswirkungen auf einen selbst haben kann. Durch die erhöhte Zeitspanne und Detailreiche merkt man sich die Nachrichten und ist in der Lage über diese gezielt zu reflektieren. Die Professionalität des Podcasts entstammt dem Hintergrund des Teams. Philip ist seit vielen Jahren Journalist und gewann bereits Preise wie den Axel-Springer-Preis in der Kategorie Hörfunk. Ulf ist Jurist und seit 2008 Richter am Landgericht Berlin. Die Kombination aus Journalismus und Recht lässt sich klar spüren. Nicht immer sind die zwei der gleichen Meinung. Und genau das ist das spannende an dem Podcast. Er gibt den Hörer*innen den Raum ihre eigene Meinung zu den verschiedenen Themen zu bilden. Hierbei muss natürlich gesagt sein, dass der Podcast klar antirechts ist und umweltpolitische Interessen vor wirtschaftspolitische Interessen setzt. Falls jemand nun denkt sich damit nicht identifizieren zu können, dem/der lege ich den Podcast nun besonders nahe: https://lagedernation.org/

Für die Leseaffinen unter euch empfehle ich übrigens noch den Fluter, ein Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Der Fluter ist umsonst und erscheint seit 2001 als Print- und Online-Ausgabe.  Das Magazin bereichert die Leser*innen mit generellem politischem und kulturellem Wissen, aber vor allem mit neuen Gedankengängen. Eine neue Ausgabe erscheint vierteljährlich mit jeweils einem neuen Themenschwerpunkt, der aus den unterschiedlichsten und unerwartetsten Blickwinkeln betrachtet wird: Identität, Geschlechter, Lateinamerika, Tiere, Umweltschutz, Städte, Dörfer, Angst, Terror, Reisen, … sind nur wenige dieser Themenschwerpunkte. Vergangene Ausgaben kann man, ebenfalls kostenlos, nachbestellen: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/fluter/

 

Isabel Dammann, Digistainable 2018


Bildquelle:

HKW, 2019: https://www.hkw.de/en/programm/projekte/veranstaltung/p_150131.php, Photo: Matthias Rathje


Review der "Out of Office"-Ausstellung

Das Museum der Arbeit in Barmbek in Zusammenarbeit mit dem Bucerius Lab präsentierten in der Zeit vom 7. November 2018 bis 19. Mai 2019 eine Ausstellung, die den Namen „Out of Office“ trug. Diese Ausstellung sollte zeigen, wie künstliche Intelligenz und Robotik unsere Arbeit, aber auch das tägliche Leben verändern können. Der technologische Fortschritt des 21. Jahrhunderts und die damit verbundene industrielle Revolution schreitet uneingeschränkt voran. In fast jeder Branche werden Prozesse automatisiert und damit Arbeitsvorgänge effizienter gestaltet. (Museum der Arbeit 2020)

Am 9. Mai 2019 durften wir uns selbst ein Bild davon machen und die Ausstellung besuchen. Die Ausstellung zeigte anhand 11 Stationen, welche fundamentalen Umbrüche durch Künstliche Intelligenz und Roboter teilweise bereits stattfinden und welche uns in Zukunft noch bevorstehen können. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ und wie gehen wir damit um, wenn wir uns in Zukunft die Arbeit mit Maschinen teilen? Werden wir als Menschen überhaupt noch gebraucht, oder wird die Arbeit komplett durch Maschinen ersetzt werden können? Es ist verständlich, dass die Fragen vielen Menschen aufgrund der Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz Kopfschmerzen bereiten.

Die kurze Antwort auf „was Künstliche Intelligenz“ ist, dass es darauf ankommt, wen man fragt. Ein Laie mit einem flüchtigen Verständnis von Technologie würde sie mit Robotern in Verbindung bringen. Sie würden sagen, dass die Künstliche Intelligenz eine endzeitähnliche Gestalt ist, die selbständig handeln und denken kann. Wenn man einen KI-Forscher nach künstlicher Intelligenz fragt, würde er sagen, dass es sich dabei um eine Reihe von Algorithmen handelt, die Ergebnisse produzieren können, ohne dass sie explizit dazu angewiesen werden müssen. (Schmieder 2019)

Zusammengefasst bedeutet künstliche Intelligenz also:

  • Eine von Menschen geschaffene intelligente Einheit.
  • In der Lage, Aufgaben intelligent auszuführen, ohne explizit angewiesen zu werden.
  • In der Lage, rational und menschlich zu denken und zu handeln.

Ziel der Ausstellung ist es, die Dimension der Veränderung zu erkunden und eine Orientierung in der Diskussion zu geben. Welche Folgen hat es, dass Maschinen schon heute Daten im großen Maße verwalten und dem Menschen zunehmend das Denken abnehmen? Schon jetzt leben wir mit KIs zusammen – sie stecken in Smartphones und verstehen unsere Sprache, sie beobachten uns im Internet, montieren unsere Autos, bewerten im Auftrag von Versicherungen unsere Gesundheit, spekulieren mit unserem Geld. (Museum der Arbeit 2020)

 

Fest steht: Die künstliche Intelligenz ist nicht dazu da, uns zu ersetzen. Sie erweitert unsere Fähigkeiten und macht uns besser in dem, was wir tun. Weil KI-Algorithmen anders lernen als Menschen, sehen sie die Dinge anders. Sie können Beziehungen und Muster erkennen, die uns entgehen. Diese Partnerschaft zwischen Menschen und KI bietet viele Möglichkeiten. Das kann sie:

  • Analytik in Industrien und Bereiche bringen, in denen sie derzeit nicht ausreichend genutzt wird.
  • die Leistung bestehender Analysetechnologien verbessern.
  • wirtschaftliche Barrieren, einschließlich Sprach- und Übersetzungsbarrieren abbauen.
  • vorhandene Fähigkeiten erweitern und uns besser machen in dem, was wir tun.
  • sie geben uns ein besseres Sehvermögen, ein besseres Verständnis, ein besseres Gedächtnis und vieles mehr.

Durch die Digitalisierung, Roboter und KI stehen wir vor einer neuen Stufe des Wandels. Sie hat das Potenzial, die Infrastruktur der Arbeitswelt fundamental zu verändern – sowohl zum Positiven als auch Negativen. Die künstliche Intelligenz wird jede Branche verändern, aber wir müssen ihre Grenzen verstehen. Die prinzipielle Begrenzung der KI besteht darin, dass sie aus den Daten lernt. Es gibt keine andere Art und Weise, wie Wissen einbezogen werden kann. Das bedeutet, dass alle Ungenauigkeiten in den Daten sich in den Ergebnissen widerspiegeln werden. Und alle zusätzlichen Schichten der Vorhersage oder Analyse müssen separat hinzugefügt werden.

Die heutigen KI-Systeme sind für eine klar definierte Aufgabe ausgebildet. Das System, das Poker spielt, kann weder Solitär noch Schach spielen. Das System, das Betrug aufdeckt, kann nicht Auto fahren oder eine Rechtsberatung geben. Tatsächlich kann ein KI-System, das Betrug im Gesundheitswesen aufdeckt, nicht genau Steuerbetrug oder Betrug bei Garantieansprüchen aufdecken. (Kärner 2018)

Mit anderen Worten, diese Systeme sind sehr, sehr spezialisiert. Sie konzentrieren sich auf eine einzige Aufgabe und sind weit davon entfernt, sich wie Menschen zu verhalten. Wir brauchen uns also keine Sorgen machen, dass KI oder Roboter uns als Menschen ersetzten, jedoch sollten wir uns an eine gemeinsame Zukunft gewöhnen.

 

Hashtags:

#artificalintelligence #KI #Robotik #Internetofthings #maschinellesLernen #deepLearning #Industrie4.0 #Alexa #BigData #transformation #futurework

 

Isabelle Eckartz, Digistainable 2018


Quellen:

Kärner, Kevin. 2018. Digitale Wirtschaft : Wie künstliche Intelligenz und Robotik unsere Arbeit und unser Leben verändern. Frankfurt am Main, 22. Mai.

Museum der Arbeit. 2020. Out of Office. 19. März. Zugriff am 3. Oktober 2020. https://www.outofoffice.hamburg.

Schmieder, Vanessa Carolin. 2019. Künstliche Intelligenz als Substitut menschlicher Arbeit – Die Zukunft mittelständischer Verwaltungsprozesse im Kontext der Digitalisierung. Wiesbaden: Springer Gabler.


Wie nachhaltig sind Kryptowährungen?

Die Leitwährung der Kryptowährungen, der Bitcoin, hat bereits öfters mit einem hohen Energieverbrauch für negative Schlagzeilen gesorgt. Aktuell liegt der Verbrauch bei 46 Terawattstunden im Jahr. Das ist in etwa so viel, wie das 11 Millionen Einwohnerland Jordanien.[1] Weiterhin ist anzumerken, dass dies lediglich der Energiebedarf von Bitcoins ist. Der große Energiebedarf unterliegt dem Funktionsprinzip der Bitcoins, dem “Proof-of-Work” Verfahren. Im Grunde genommen, gibt es die Bitcoins als Belohnung für das Lösen von mathematischen Aufgabenstellungen mithilfe von Rechenleistung. Dies wird im Fachjargon “Mining” genannt. Das Lösen dieser Aufgaben ist notwendig, um Transaktionen innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes zu verifizieren. Ohne diese würde das Netzwerk wiederum anfällig werden für Manipulationen und der Nutzen des Bitcoins wäre nicht mehr gegeben. Das bedeutet, dass mit einer jeden Transaktion eine hohe Rechenleistung abverlangt wird von einer Vielzahl an Rechnern, um die einzelne Transaktion zu verifizieren. Die potenten Rechner dahinter müssen also mit umweltbelastender Energie unterhalten werden, was den Bitcoin nicht sehr nachhaltig darstellen lässt.

 

Mit einer Marktkapitalisierung von über 60 % ist der Bitcoin zurzeit die Leitwährung, da dieser Pioniersaarbeit im Bereich der Kryptowährungen geleistet hat. Doch mittlerweile sind weiterentwickeltere Währungen wie Ether hinzu gekommen. Ether ist nahezu bei einer Marktkapitaliserungsquote von 13 % und stellt damit die zweitgrößte Kryptowährung dar.[2] Noch setzt auch Ether auf das Proof-of-Work Verfahren, wenn auch mit einem effizienteren und damit halb so hohen Energieverbrauch wie der Bitcoin. Um diesen Verbrauch noch weiter zu senken, sind neue Verfahren entstanden. Ether hat aus diesem Grund angekündigt auf das “Proof-of-Stake” Verfahren zu wechseln. Dadurch ist eine Verifizierung nicht mehr durch eine hohe Anzahl an Teilnehmern von Rechnern notwendig, sondern lediglich von einem durch Zufall ausgewähltem. Um eine Manipulation auch durch den einen Teilnehmer zu verhindern, muss dieser Ether als Pfand hinterlegen. Wird eine Manipulation entdeckt, wird der Pfand einbehalten. Dadurch kann der Energiebedarf um 99 % gesenkt werden und stellt eine nachhaltige Alternative zu den existierenden realen Währungssystemen dar.[3]

 

Der Nutzer selbst hat folglich die Möglichkeit Einfluss auf den Nachhaltigkeitsaspekt von Kryptowährungen zu nehmen. Weiterhin ist eine Regulierung bereits seit längerem ein politisches Thema. Eine große Hürde stellt die zwingend notwendige Zusammenarbeit aller Länder der Welt dar. Denn durch die digitale Beschaffenheit der Kryptowährungen sind länderspezifische Regulierungen kaum wirksam. Günstige Energiekosten sind ein starker Anreiz für die Wahl eines Mining-Standortes. Zwei Drittel der Rechenleistung soll somit aus asiatischen Ländern kommen, wo erneuerbare Energien noch nicht weit verbreitet sind.[4] Können sich die neueren Kryptowährungen und Verfahren durchsetzen, so kann der Nachhaltigkeitsaspekt des Währungshandels stark verbessert werden. Auch ist zu beachten, dass die digitalen Währungen im Vergleich zu den real existierenden keines energiebedürfigen Intermediär wie bspw. einer Bank bedürfen und somit als nachhaltige Alternative zu den reellen Währungen zu betrachten sind.

 

Dominik Winkel, Digistainable 2018


Quellenangaben:

[1] https://www.ingenieur.de/technik/forschung/bitcoin-produktion-verbraucht-fast-so-viel-strom-wie-irland/ (28.7.2020)

[2] https://coinmarketcap.com (Stand 20.9.2020)

[3] https://t3n.de/news/ethereum-energieverbrauch-senken-1135664/ (7.1.2019)

[4] https://www.ingenieur.de/technik/forschung/bitcoin-produktion-verbraucht-fast-so-viel-strom-wie-irland/ (28.7.2020)

 

Photo von Taylor VickUnsplash


Buchtipp: Dave Eggers – The Circle

Unser erster Buchtipp aus dem DTS 2018. Innerhalb unseres Studiums lesen wir sehr viele wissenschaftliche Arbeiten und Texte, doch auch hier hilft der Blick über den Tellerrand, um sich mit Zukunftsszenarien auseinander zu setzen. Deshalb möchten wir Euch heute das Buch „The Circle“ von Dave Eggers vorstellen und empfehlen.

„The Circle“ – ein Buch, dass Dave Eggers bereits 2013 veröffentlicht hat und durch die Verfilmung mit Emma Watson und Tom Hanks in den Hauptrollen noch einmal erneut Aufmerksamkeit erhalten hat. Zusammengefasst geht es darum wie die Internetfirma „The Circle“ nicht nur seine Mitarbeiter durch die Grenzenlosigkeit des Netzes und sozialer Medien beeinflusst, sondern auch seine Kunden und letzten Endes auch die Weltpolitik. Mae, eine eher hoffnungslose junge Frau bekommt durch die Hilfe ihrer Studienfreundin Annie die Chance für „The Circle“ zu arbeiten. Das hippe, trendige Unternehmen, das alles und noch mehr für seine Mitarbeiter und Kunden tut. Oberste Maxime soll sein, allen Menschen die gleichen Möglichkeiten und Erlebnisse zu ermöglichen. Die drei Charaktere, die das Unternehmen leiten sind dabei entscheidend. Der Gründer und Herz des Unternehmens, möchte das Internet für etwas positives nutzen, den Menschen „echten“ Mehrwert bringen. Doch im Verlauf des Buches, bekommt diese Grundidee einen ziemlich bitteren Beigeschmack. Denn was ist „echter“ Mehrwert durch eine Internetfirma? Und können Menschen mit weniger Möglichkeiten an den Erlebnissen anderer durch Social Media wirklich „teilhaben“?

Für mich haben sich einige Gedanken ergeben, die ich gerne mit Euch teilen möchte und die sich schlecht in einem vollständigen, runden Satz oder Text bringen lassen, deshalb geht es jetzt etwas stichpunktartig weiter:

„The Circle“ ist eine mächtige Firma, die durch den Wunsch nach Perfektion und Vollendung strebt. Perfektion und Vollendung sind nicht schlecht, aber das, was das Ganze problematisch macht, ist, dass „The Circle“ jedem Menschen das Recht einräumt, zu wissen. Das Recht eines jeden sollte es sein, alles über jeden zu wissen. Jemandem etwas nicht zu erzählen, es nicht zu teilen, ist Diebstahl. Nur wer wissen kann, kann vollkommen sein. Nur wenn alle alles wissen können, ist die Welt gerecht, gut und gesund. Die Grundidee ist, dass man durch das Teilen positive Erfahrungen und Erlebnisse mit anderen Menschen hat, und durch Überwachung keine schlechten Dinge tut, weil andere dann wissen würden, was man getan hat. Privat bleiben oder sein, ist Diebstahl. Wählen ist Pflicht. Überwachung ist notwendig. Wissen ist nicht nur Macht, sondern Menschenrecht.

Es gibt sicherlich viele Punkte, an denen man ansetzen kann, um dieses Buch zu empfehlen. Für mich war am spannendsten, dass auf dem Weg zum vollkommenen „Alles-Wissen-können“ drei Aspekt im Vordergrund standen:

  1. Man will nicht alles wissen, wie Mae’s Eltern oder Ex-Freund.
  2. Alles wissen zu können oder zu haben, kann unglaublich ermüdend und langweilig sein, so wie die Textpassagen, in denen Mae ihre sozialen Netzaktivitäten beschreibt (Auf den Kommentar antworten, in der Gruppe posten, etc.). Das ist langweilig. Das Buch beschreibt das hervorragend. Das echte Leben leben ist spannend und lebendig. Kommentare schreiben und lesen eher weniger.
  3. Man kann nicht alles wissen.

Der Aspekt des Wissens steht für mich – offensichtlich – im Mittelpunkt des Buches. Die Überwachung macht natürlich Angst und beklemmt, aber um diesen Eintrag nicht ausufern zu lassen, bleibe ich zunächst beim Wissen. Lest das Buch und wenn Ihr das anders seht, lasst uns dazu gerne diskutieren!

Von den genannten Punkten ist für mich der dritte der relevanteste. Man kann nicht alles wissen. Egal, wie viel sozialen Druck „The Circle“ erst auf seine Mitarbeiter und dann seine Kunden und die Politiker ausübt, mit der Begründung, nur wer alles weiß, kann gut sein, nur wer alles teilt, ist gut – man kann nicht alles wissen. Unser Gehirn ist sicherlich im Stande, mehr Wissen anzuhäufen, als wir ihm zumuten, aber man kann nicht wirklich wissen und Sicherheit in all unsere Fakten setzten. Und nicht alle können alles wissen. Denn generelles Wissen ist schon aufgrund unserer unterschiedlichen Wahrnehmung nicht möglich (Hier empfiehlt sich das Buch von Daniel Kahnemann „Thinking fast, thinking slow“). Wir nehmen alle unterschiedlich wahr und bilden uns daraus unsere subjektive Wahrheit und wir können nie wissen, was der andere als Wahrheit oder Wissen definiert beziehungsweise weshalb. Es gibt kein absolutes Wissen und keine absolute Wahrheit. Das Ganze passt nämlich hervorragend zu Kants elementarer Frage: „Was kann ich wissen?“ Und das ist der Grund, weshalb ich jedem dieses Buch empfehlen kann. Das Buch setzt sich aus meiner Sicht mit den elementarsten philosophischen Fragen auseinander. Oder anders gesagt, es gibt mir als Leser den Raum, die Fragen zu stellen und ich bin meinen Antworten auf diese Fragen ein bisschen näher gekommen:

Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? (Kant)

Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, würde ich diese Fragen folgend beantworten (das heißt nicht, dass ich es immer so tun würde oder dass das meine festen Antworten sind, sondern möchte lediglich zum Nachdenken anregen)

Was kann ich wissen? Man kann nicht absolut wissen. Es gibt keine absolute Wahrheit und es hat nichts mit Vollkommenheit zu tun, nach vollkommendem Wissen zu streben. Denn Vollkommenheit ist erstens subjektiv und für jeden etwas anderes und zweitens ist vollkommenes, absolutes Wissen unmöglich und ein Paradoxon, dass sich nicht durch extensives Teilen von Erlebnissen und extreme Überwachung lösen lässt. Was möglich ist, ist eine eigene Wahrheit, ein eigenes Wissen zu haben. Dieses Wissen 1:1 mit jemandem zu teilen hingegen ist unmöglich und sollte nicht als Diebstahl betrachtet werden.

Was soll ich tun? „The Circle“ zwingt seine Mitarbeiter, Kunden und Politiker nicht, transparent zu sein. Zumindest nicht offensichtlich. Doch die Freiwilligkeit ist trügerisch und die Effekte sozialer Erwünschtheit sind extrem. Sozialer Druck wird stärker ausgespielt als klare Anweisungen und Pflichten. Was soll ich tun? Transparent sein, wenn man dem Circle glaubt. Ich glaube, dass man immer im Rahmen seiner eigenen Wahrheit handeln sollte. Was man selbst weiß, kann man nutzen, um sein Handeln zu bestimmen. Dabei ist das Streben nach Wissen die richtige Handlung. Aber nicht, wie der Circle beschreibt, nach vollkommendem Wissen. Sondern nach reflektiertem Wissen, eigenem Wissen und humanem Wissen.

Was darf ich hoffen? Ich hoffe, dass es nie so weit kommt, wie in dem Buch beschrieben. Darf ich das hoffen? Ich weiß es nicht. Ich kann es nur hoffen. Aber in meiner Wahrheit und nach meinem Wissen, sind die meisten Menschen nicht machtgierig und nicht völlig abgefahren. Klar, wir wollen eigentlich alle gut sein. Das ist das, was die Basis für die Ideologie des Circles ist – der Mensch möchte gut sein. Und ich glaube, dass wir das als Basis nutzen können, um nicht so zu enden, wie „The Circle“ beschreibt.

Gerade mit Blick auf Corona-Anordnungen und unser Vertrauen oder auch Nicht-Vertrauen in Fakten machen die Fragestellungen, die dieses Buch aufwirft auch heute sehr relevant. Unternehmen, Individuen und Staaten müssen in diesen Tagen Entscheidungen für eine Neuausrichtung der wirtschaftlichen Aktivitäten treffen und hier wird bereits deutlich, dass wir aufgrund von VUCA-Einflüssen nicht alles wissen können.

Und genau das ist, was im DTS vermittelt wird: Wie gehe ich mit Unsicherheit und Ambivalenz der Daten um und treffe nachhaltige Entscheidung auf Basis von der Einordnung des vorhandenen Wissens. Dementsprechend ist sowohl das Buch, als auch der Besuch auf den anderen Seiten unsers Studiengangs es definitiv Wert.

 

Lisa Frommhold, Digistainable 2018



Uses and Gratifications - wie gehen wir mit digitalen Medien um?

Egal, ob Apple, Samsung, Huawei oder Nokia: Facebook, Whatsapp, Instagram, Twitter und andere soziale Netzwerke, Mediendienste und Messenger sind heute auf nahezu jedem Smartphone installiert. Jeder ist mit jedem vernetzt – zu jeder Zeit, egal an welchem Ort. Seit dem Kult-Handy Nokia 3310 hat sich einiges verändert – die Technik, aber vor allem wir Nutzer.
Wie kann es sein, dass wir im selben Moment von unserer intensiven Smartphone-Nutzung enttäuscht sind und uns doch minutenlang durch verschiedene Instagram-Stories klicken? Ambivalenzen sind Thema der digitalen Neuzeit – ich möchte X und mache Y.

Die Betrachtung von digitalen Medien, Plattformen und Netzwerken erinnert an einen Ansatz der Kommunikationstheorie, der ursprünglich im Kontext der Massenmedien (1950er Jahre) entwickelt wurde: Der „Uses and Gratifications“-Ansatz hilft uns dabei, unsere Verhaltensmuster in digital-medialen Welten zu verstehen.

Digitale Medien unterscheiden sich hauptsächlich durch drei Attribute von traditionellen Medien:

  • Interaktivität bedeutet, dass Nutzer im digitalen Raum in ihrer Rollenwahl flexibel sind. Dabei ist irrelevant, ob zwei oder mehr Rollen parallel oder zeitversetzt eingenommen werden.
    Bsp.: Ein Nutzer der Plattform Youtube kann beides gleichermaßen sein – Produzent wie Konsument. Er muss sich nicht auf den Konsum von Videos beschränken, sondern kann aktiv Video-Content zur Community beitragen.
  • Demassifizierung beschreibt die Entwicklung vom Massenmedium hin zum individuellen Medienerlebnis. Technologische Entwicklungen ermöglichen profilierte Medienangebote. Wir Nutzer fühlen uns dadurch verstanden und profitieren vom maßgeschneiderten Angebot.
    Bsp.: Vom Radio zur Spotify-Playlist – in prädigitaler Zeit war Musik größtenteils ein Massenmedium. Durch Anbieter wie Spotify wird uns heute ermöglicht, zu hören, was, wann und wo wir wollen.
  • Asynchronität bezeichnet die sinkende Relevanz von Ort und Zeit in der Mediennutzung. Digitale Endgeräte und global verfügbarer mobiler Internetzugang ermöglichen eine Nutzung ohne Grenzen.
    Bsp.: Während früher die VHS-Kassette Bestandteil des Urlaubskoffers hätte sein müssen, verlassen wir uns heute auf den Netflix-Zugang über unser iPad, wenn der Lieblingsfilm auch im Urlaub ein Muss ist.

Der „Uses and Gratifications“-Ansatz gründet sich nun auf der Frage: „What do people do with the media?“ Die Antwort hierauf ist so simpel wie durchdringend: wir nutzen Medien, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Die Theorie nimmt dabei grundlegend an, dass wir Nutzer aktiv nach jeweiliger Bedürfnisbefriedigung suchen. Nicht das Medium, sondern wir als Nutzer werden somit in das Zentrum der Theorie gerückt. Ob in direkter oder indirekter Form der Erfüllung von Bedürfnissen – bspw. nahezu alle sozialen Bedürfnisse wie dem nach einer Gruppenzugehörigkeit können unmittelbar über Facebook befriedigt werden. Es wird uns ebenso ermöglicht, z.B. unser Bedürfnis nach Identitätsbildung zu befriedigen – Instagram ist dabei nichts weiter als Streuungsinstrument der eigenen Identität.

Ich poste, also bin ich.

Zusätzlich zur tatsächlich revolutionären Möglichkeit, die eigene urmenschliche Bedürfnisbefriedigung auf den digitalen Raum auszulagern, greifen Gratifikations-Mechanismen. Wir Nutzer werden nämlich sogar belohnt für die Nutzung von Diensten. Facebook’s ehemaliger Präsident Sean Parker deklariert die Wirkungsweise des sozialen Netzwerkes als „slot machine“. Mitteilungen, Nachrichten, Kommentare, Retweets, neuer Content lassen uns das Glückshormon Dopamin ausschütten.
Im Zusammenspiel aus Bedürfnisbefriedigung und Gratifikationen werden sogenannte Lock-in-Effekte erzeugt: der Nutzen des Mediums nimmt derart stark zu, dass der Austritt aus dem Dienst aufgrund von Wechselkosten undenkbar scheint. Whatsapp löschen? – Utopisch. Folgende empirische Erkenntnis scheint in diesem Kontext erschreckend: sollte es einem Nutzer erfolgreich sein, seine gesuchte Bedürfnisbefriedigung im digitalen Raum zu erhalten, sinkt sein Anreiz, hiernach in Zukunft im analogen Raum, der „realen“ Welt, zu suchen.

Facebook, Netflix, Twitter und ihre Mitstreiter funktionieren grundlegend auf der Basis von Netzwerkeffekten. Jeder weitere Teilnehmer einer Plattform bspw. stiftet allen bisherigen Netzwerkmitgliedern einen Nutzen. Wie beim Ausbau des Telefonnetzes im 19. Jahrhundert steigen also Gesamt- und Individualnutzen der Netzwerke stetig. Bei Facebook und Twitter als sozialen Netzwerken wird die Wirkungsweise der Netzwerkeffekte schnell deutlich. Bei Netflix sind es die der Streaming-Plattform zugrundeliegenden Algorithmen, die sich die Fülle an Daten des User-Netzwerks zunutze machen.

Die Tech-Giganten sind hierdurch wahre Vorreiter im Behavioral Engineering, in der Steuerung und Koordination menschlichen Verhaltens. Erst durch ihre Netzwerkgröße wird eine Plattform funktionsfähig, die mithilfe der Datenfülle und deren Bereinigungsgrad zwar einerseits nutzenstiftend für uns Nutzer ist, dies andererseits aber eben genau durch genanntes Behavioral Engineering schafft.
Um der Dualität unseres Studiengangs gerecht zu werden: wie sozial nachhaltig mag das sein? Wir begeben uns immer tiefer in digitale Sphären, verlagern analoge Prozesse ins Digitale und geben uns simpelsten, aber dennoch verhaltensverändernden (An-)Reizen hin. Über die Vehemenz lässt sich streiten, über eines aber sicher nicht: die Anbieter unserer medialen Erlebnisse werden ihre Wirkungsmechanismen auf uns Nutzer mit geringster Wahrscheinlichkeit verändern.
Digitale Medien schaffen es, uns zu einem Konsumverhalten zu animieren, das sie nicht erzwingen müssen, sondern vielmehr freundlich, abundant und vorteilhaft daherkommend anbieten. Die Nutzung liegt in unserer Hand.
Sollten wir also mal wieder von unserer Dauernutzung des Smartphones überwältigt sein und eventuell sogar den Drang nach einem gewissen Digital Detox verspüren, sollten wir uns noch im selben Atemzug fragen, woher dieser Wunsch kommt und weshalb wir ihm nicht nachkommen, um zu verstehen, was in und mit uns vorgeht.

Till Henning, Digistainable 2018


Literaturempfehlungen

Zolkepi, Kamar Ulzaman und Kitchen (2018): Uncovering Psychological Gratifications Affecting Social Media Utilization. A Multiblock Hierarchical Analysis. In: Journal of Marketing Theory and Practice, vol. 26, no. 4 (Fall 2018), S. 412–430.

Dainton, Marianne und Zelley, Elaine D. (2019): Applying Communication Theory for Professional Life. SAGE.

Aelker, Lisa (2008): Uses-and-Gratifications-Ansatz, in: Krämer et al. (Hrsg.): Medienpsychologie: Schlüsselbegriffe und Konzepte. Kohlhammer. S.17ff.


Block für Block zu einem Online Kurs

Das erste Forschungsprojekt ist online!

„Wir haben unseren eigenen Online Kurs für Blockchain konzipiert, produziert und online gestellt.“ – wir das sind Joana, Boo und Johanna von den DTS 2018ern. Und wir freuen uns sehr, dass unser erstes Forschungsprojekt im 2ten Semester ein handfestes, digitales Ergebnis darstellt.

 

Wie es dazu kam? Die Hintergründe:

In unserer Recherche haben wir festgestellt, dass es schon viele Grundkurse zum Thema Blockchain gibt, weshalb wir unseren Kurs bewusst auf die Anwendungen im Kontext von Supply Chain Management ausgerichtet haben. Die Projektgruppe wurde ergänzt um Madjid Tehrani – er ist beruflich als Blockchain Architekt tätig und studiert an der HSBA momentan im MBA-Kurs. Aufgrund seiner Expertise ist er der Experte vor der Kamera und erläutert den Theorieteil des Kurses. Zudem konnten wir Christian Schultze-Wolters, den Geschäftsbereichsleiter IBM Blockchain Solutions DACH bei IBM Deutschland GmbH, gewinnen mit uns die praktische Erläuterung des Themas aufzuzeichnen. Dank diesem Input werden im Kurs theoretische Grundlagen direkt mittels praktischer Anwendungen für den Lernenden erklärt. Am Ende des Online Kurses versteht der Lernende die technischen Hintergründe des Themas, wie beispielsweise ein Supermarkt seine komplette Produktions- und Lieferkette via Blockchain transparent gestaltet, und somit in Sekunden nachvollziehen kann, woher z.B. das Originalprodukt stammt. Um den Online Kurs neben der fachlichen Expertise auch auf Basis wissenschaftlicher Literatur erstellen zu können, haben wir uns zu den Themen E-Learning, Zielgruppendefinition und pädagogischer Konzeption Fachwissen angeeignet.

Das Konzept berücksichtigt die drei Säulen des pädagogischen Konzepts Constructive Alignment. Zuerst werden Lernziele definiert, anschließend die Methodik bestimmt und abschließend die Prüfungsform ausgewählt. Neben den kommentierten Slides sind Aufgaben, weitere Links und ein Online Quiz im Online Kurs integriert – somit soll ein hoher Lernerfolg und eine geringe Abbrecherquote erzielt werden.

Der Online Kurs ist in 6 Blöcke à 8 Minuten gegliedert, in denen die wesentlichen Funktionen der Blockchain kurz erläutert werden, um einen konkreten Anwendungsfall zu verstehen. Er ist auf Englisch, um Übersetzung von Fachvokabular ins Deutsche zu vermeiden und die Zielgruppe zu erweitern. Grundkenntnisse in der Informationstechnologie werden empfohlen.

Wir freuen uns das Ergebnis unter folgendem Link den Lesern dieses Artikels zur Verfügung stellen zu können:

<Blockchain Online Kurs auf YouTube>

 

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— Joana Große-Heidermann, Boo Simon Adam, Johanna Kröger

Hier ein kurzer Überblick über die Inhalte des Online-Kurses:

0. Sequenz: Intro
1. Sequenz: Distributed Ledger Verfahren
2. Sequenz: Konsens
3. Sequenz: Kryptographie & Smart Contract
4. Sequenz: Plattformen
5. Sequenz: IBM Anwendungsfall
6. Sequenz: IBM Anwendungsfallanalyse

Viel Spaß beim Online Lernen!

 

 

Johanna Kröger, Digistainable 2018


Dank geht an Prof. Dr. Michael Höbig und die HSBA für die Unterstützung.

 

Literaturempfehlungen:

Waks, Leonard. J. 2019. Massive Open Online Courses and the Future of Higher Education. Herausgeber Adesope, O., & Rud, A.G. Contemporary Technologies in Education: Maximizing Student Engagement, Motivation, and Learning. Palgrave Macmillan.

Seufert, Sabine. & Miller, Damian. 2003. Nachhaltigkeit von E-Learning-Innovationen: Von der Pionierphase zur nachhaltigen Implementierung. Medien Pädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung. Zürich.

Biggs, John & Tang, Catherine. 1999. Teaching for Quality Learning at University: The Society Research into Higher Education. 4. Auflage von 2011. McGraw Hill. New York.