Sind Elektroautos die neuen Umwelthelden?

Da die Welt weiterhin mit den anhaltenden Problemen der globalen Erwärmung und des Klimawandels zu kämpfen hat, ist eine der beliebtesten Möglichkeiten, mit diesem Problem umzugehen, die Reduzierung der Emissionen fossiler Brennstoffe. Dies ist genau der Grund, warum wir in den letzten Jahren einen Anstieg der Popularität von Elektroautos erlebt haben.

Die Idee des Elektroautos wurde erstmals mit dem Toyota Prius, einem Hybridfahrzeug, in den Mainstream eingeführt. Heutzutage ist Tesla das Unternehmen, das am bekanntesten für seine Elektrofahrzeuge ist, da diese ausschließlich mit elektrischer Energie angetrieben werden. Einige der größten und etabliertesten Namen in der Autoindustrie haben in den letzten Jahren ebenfalls begonnen, ihre eigenen Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Zu diesen Unternehmen gehören prominente deutsche Hersteller wie BMW, Mercedes, Volkswagen und Audi.

Darüber hinaus sind diese Autos auch schnell und bieten ausreichenden Komfort, sodass sie das Konzept der Elektroautos als eine praktikable Alternative zu traditionellen gasbetriebenen Fahrzeugen fest zementiert haben. Allerdings haben Elektroautos auch einige Umweltnachteile.

Aber lassen Sie uns zunächst die Vorteile eines Elektroautos betrachten. Der offensichtlichste Vorteil ist, dass Sie Ihr Auto nicht mehr mit Benzin antreiben müssen, was bedeutet, dass Sie nicht mehr zur Tankstelle fahren müssen.

Außerdem muss man sich auch nicht um Dinge wie Motorölwechsel kümmern, da Elektroautos in der Regel wartungsärmer sind als ihre benzinbetriebenen Gegenstücke. All diese Faktoren sorgen dafür, dass Ihr persönlicher Kohlenstoff-Fußabdruck stark reduziert wird, und das wird sicherlich einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben, egal wie klein er auch erscheinen mag.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Elektroautos komfortabler sind als benzinbetriebene Fahrzeuge, und ihre geringere Umweltbelastung macht sie zu einer günstigen Wahl für jeden, der ein Auto unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit kaufen möchte.

Allerdings haben Elektroautos auch einige Nachteile. Erstens sind diese Fahrzeuge eine neue Markteinführung, und die Infrastruktur, die benötigt wird, um sie für den täglichen Bedarf nutzbar zu machen, ist möglicherweise nicht überall leicht verfügbar. Elektroautos benötigen spezielle Ladestationen, um ihre Batterien aufzuladen, und diese Ladestationen können schwer zu finden sein. Darüber hinaus bedeutet dieses Problem auch eine eingeschränkte Reichweite für Ihr Elektroauto, vor allem, wenn eine große Entfernung zwischen zwei Ladepunkten besteht.

Darüber hinaus sind Elektrofahrzeuge nicht ganzheitlich umweltfreundlich, da sie den Einsatz von Akkus erfordern, die teuer zu ersetzen sind. Wenn die Produktion von Autos mit Elektromotoren steigt, wächst auch der Bedarf an Batterien. Diese Fahrzeuge verbrauchen bereits die Hälfte aller Lithium-Ionen-Batterien, die im Umlauf sind. Stattdessen gibt es einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Automobilherstellern um Rohstoffe wie Kobalt.

Während sich die Welt langsam an die Idee von Elektrofahrzeugen gewöhnt, wird die Infrastruktur immer weiter ausgebaut, um sie zu einer praktikablen Option zu machen. Dies wird in einem Forschungspapier mit dem Titel "Barriers to the Adoption of Electric Cars" deutlich, das die Fallstricke dieser Fahrzeuge in Italien analysiert und auch mögliche Lösungen zur Bekämpfung der Probleme vorschlägt.

Diese Analyse kann extrapoliert werden, um Schlüsselbereiche für Verbesserungen in verschiedenen Ländern zu identifizieren, die in naher Zukunft auf Elektroautos umsteigen wollen. Die größte Herausforderung für Elektroautos besteht darin, dass ihre Batterien immer noch auf eine Art und Weise produziert werden, die für die ökologische Nachhaltigkeit ungünstig ist.

Insgesamt gesehen überwiegen bei Elektroautos die Vorteile. Außerdem haben diese Autos bereits bewiesen, dass sie in Sachen Fahrspaß, Komfort, Luxus und Technologie mit ihren benzinbetriebenen Pendants konkurrenzfähig sind. Das ist der Grund, warum Elektroautos die erste Wahl für jeden sein sollten, der ein Fahrzeug kaufen und gleichzeitig seinen ökologischen Fußabdruck minimieren möchte.

Der Einsatz von Elektroautos ist ein wichtiger Schritt bei der Schaffung einer Welt, die Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellt, und sie sind auch ein wichtiger Akteur im Kampf gegen den Klimawandel. Mit der Zeit sollten die erforderlichen Elemente und Komponenten zur Herstellung und Wartung von Elektroautos alltäglicher und akzeptierter werden, was wiederum dazu führen wird, dass sie auch für den Durchschnittsverbraucher erschwinglicher und eine praktikable Option werden.

 

Bildquelle: Pixabay

Talin Tara Aktas, Digistainable 2019

 

 

Quellen: 

BMU. 2021. Wie umweltfreundlich sind Elektroautos? Zarbock GmbH & Co. KG. Frankfurt am Main.

Giansoldati Marco, Adriana Monte, Mariangela Scorrano. 2020. Barriers to the adoption of electric cars: Evidence from an Italian survey. Energy Policy. Science Direct. Elsevier.


Von Einhörnern und Zebras

Von Einhörnern und Zebras: Nachhaltigkeit in der Startup-Szene

 

Die Bezeichnung „Unicorn“ (deutsch: Einhorn) für ein Startup, dessen Marktwert mehr als eine Milliarde US-Dollar beträgt, dürfte vielen Menschen bekannt sein. Schnelles Wachstum und große Exits stehen im Fokus und werden sowohl von Investoren als auch von den Medien belohnt. In den letzten Jahren ist die zoologische Vielfalt in der Startup-Szene jedoch gewachsen: die Zebra-Startups traten an die Bildoberfläche. Doch was hat es damit auf sich?

 

Kritik am Venture-Capital System

Als Zebras werden Startups bezeichnet, die nachhaltig wachsen möchten und dabei soziale bzw. ökologische Ziele verfolgen. Gestartet ist die Zebra-Bewegung in den USA. Ein von den Gründerinnen Astrid Scholz, Mara Zepeda, Jennifer Brandel und Aniyia Williams verfasster Artikel mit dem Titel „Zebras Fix What Unicorns Break“ kritisiert das kaputte Venture-Capital-System. Sie bemängeln, dass Quantität statt Qualität, schnelle Exits statt nachhaltigem Wachstum und Aktionärsgewinn statt Gemeinwohl im Fokus stehen. Dabei wird Unicorns hinterhergejagt, die auf "Disruption" aus sind, anstatt Unternehmen zu unterstützen, die reparieren, kultivieren und verbinden. Ihre Definition von Zebras lautet: „Zebra-Unternehmen sind sowohl schwarz als auch weiß: Sie sind profitabel und verbessern die Gesellschaft. Sie werden das eine nicht für das andere opfern.“

 

Es geht nicht nur um Investments

Doch nicht nur, dass häufiger in Startups investiert wird, die auf schnelles Wachstum aus sind, kritisieren die Autorinnen. Sie zeigen auch auf, dass Geschäftsmodelle der erste Dominostein in einer Reihe von Konsequenzen sind, und, dass ein Geschäftsmodell allein schon eine Botschaft sendet und Verhalten erzeugt, welches in großem Umfang zu weitreichenden, manchmal destruktiven Ergebnissen führen kann. Als Beispiele werden der Missbrauch von Facebook zur Verbreitung von Fakenews sowie Uber, welches unter anderem eine toxische Arbeitskultur toleriert, genannt.

Aus Geschäftsmodellen ergeben sich die Unternehmenskultur, Überzeugungen, Erfolgsstrategien, die Erfahrungen der Nutzer und letztlich die Gestaltung der Gesellschaft. Die Autorinnen glauben, dass alternative Geschäftsmodelle ein Gleichgewicht zwischen Profit und Zweck schaffen werden, sich für Demokratie einsetzen und einen Schwerpunkt auf das Teilen von Macht und Ressourcen legen. So kann eine gerechtere und verantwortungsvollere Gesellschaft geschaffen werden.

 

Warum Zebras?

Verschiedene Gründe sprechen für das Zebra als Symbol für die alternativen Geschäftsmodelle:

  1. Im Gegensatz zu Einhörnern sind Zebras real.
  2. Zebras sind sowohl schwarz als auch weiß – sowohl profitabel als auch Gesellschaft-verbessernd.
  3. Zebras sind Herdentiere. Sie schließen sich in Gruppen zusammen, schützen und erhalten sich gegenseitig. Ihr individueller Input führt zu einem stärkeren kollektiven Output.
  4. Zebras verfügen über eine unvergleichliche Ausdauer und Zebra-Startups erweitern dies um eine hohe Kapitaleffizienz, solange die Bedingungen ihr Überleben ermöglichen.

 

Eine Gegenüberstellung zwischen Einhörnern und Zebra-Startups zeigt das folgende Bild:

Entwicklung der Zebra-Bewegung

Seit Erscheinen des Artikels hat sich die Startup-Szene weiterentwickelt. Zwar hat sich der Begriff des Zebras im Unternehmenskontext noch nicht so stark durchgesetzt, wie der des Unicorns, dennoch ist festzustellen, dass der „Trend“ Nachhaltigkeit sowohl bei vielen Konsumenten als auch bei Investoren langsam anzukommen scheint. Dies wird auch anhand der Initiative Zebras Unite  deutlich, die mittlerweile in sogenannten „Chaptern“ auf der ganzen Welt vertreten ist. Und auch die Corona-Krise hat mehr als deutlich gemacht, dass gemeinschaftliches Handeln und das Übernehmen von gesellschaftlicher Verantwortung wichtiger sind denn je – und Zebra-Unternehmen können einen großen Teil dazu beitragen.

 

Bildquelle: Pixabay

Antonia von der Beeck, Digistainable 2019

 


Social Entrepreneurship – Ein Bindeglied zwischen Wirtschaft und Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit und Wirtschaft schließen sich auf den ersten Blick aus. Während es bei Nachhaltigkeit häufig um Verzicht geht, ist unsere kapitalistische Wirtschaft vom Streben nach Konsum, Gewinn- und Nutzenmaximierung geprägt. Ein Konzept, dass eine Brücke zwischen beiden Welten herstellt und damit eine Anlaufstelle für viele gesellschaftliche Fragen bietet, ist die Bewegung des Social Entrepreneurships.

 

Nachhaltigkeit und Wirtschaft – wie passt das zusammen?

Wenn man sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, beginnt man schnell, bestehende Wirtschaftsmechanismen zu hinterfragen. Das Streben nach stetigem Wachstum und steigende Erträge ist für Unternehmen entscheidend, um überlebensfähig zu sein und im Wettbewerb zu bestehen. Es geschieht jedoch häufig zulasten der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit. Unternehmen verschmutzen unsere Umwelt, Ressourcen werden schneller verbraucht, als sie regenerieren können und soziale Missstände und Ungleichheiten werden z.B. durch unfaire Bezahlung, weiter ausgebaut. Im Vordergrund stehen die Effizienz und Nutzenmaximierung.

Gleichzeitig versetzt uns der durch unsere Wirtschaft geschaffene Wohlstand in die Lage, uns mit eben diesen Themen zu beschäftigen. Bei uns geht es nichtmehr um das Überleben und die Nahrungsbeschaffung. Stattdessen haben wir den Luxus, uns mit uns selbst und den Konsequenzen unseres Handelns auseinander setzten zu können – und angesichts der teilweisen prekären Lage, in die wir uns gebracht haben, auch die Pflicht dazu, betrachtet man z.B. den Klimawandel. Als Folge dessen werden Umweltprobleme zunehmend thematisiert und rücken in das Umwelt- und Konsumbewusstsein der Gesellschaft.

 

Welche Rolle spielt dabei das Social Entreprenuership?

Eine Brücke zwischen der klassischen Wirtschaftswelten und den Umweltschützern und Gesellschaftsaktivisten bildet die Bewegung des Social Entrepreneurship. Darin setzen es sich Gründer oder Unternehmen zum Ziel, gesellschaftliche Probleme unternehmerisch anzugehen und zu lösen.

Im Rahmen einer Forschungsarbeit hat sich mein Projektteam mit dem Thema Social Entrepreneurship auseinandergesetzt. Im Fokus steht dabei das Thema Wirkungsmessung. Diese hilft den Unternehmen, ihren Impact auf die Umwelt zu analysieren und so gezielt Maßnahmen zu ergreifen, diesen zu verbessern. Sei es nun, negative Auswirkungen, wie z.B. CO2 Emissionen zu minimieren, oder positive Wirkungen zu maximieren. Dies kann auch bedeuten, andere Marktteilnehmer zu ermöglichen, Methoden oder Geschäftskonzepte zu kopieren oder zu adaptieren, sodass diese ebenfalls bestehenden Missstände entgegenwirken.

Die aktuelle Fachliteratur beschäftigt sich häufig mit dem wie, da die Wirkungsmessung ein sehr komplexes Konstrukt ist und viele, teilweise unbekannte und nicht eindeutige Wirkungszusammenhänge bestehen. Auch die mit der Wirkungsmessung einhergehenden Herausforderungen, wie z.B. die Methodenauswahl oder Ressourcenprobleme werden viel beleuchtet und Lösungsansätze gesucht.

In unserer Forschungsarbeit haben wir verschiedene Unternehmen nach den positiven Auswirkungen der Wirkungsmessung befragt und wie sie davon profitieren. Dabei konnten viele spannende Erkenntnisse generiert werden. Die Ergebnisse des Projektes haben wir in einem Whitepaper zusammengefasst und mit der Holistic Foundation veröffentlicht. Neben grundlegende Informationen zum Thema Wirkungsmessung sind darin die wichtigsten Tipps zur Implementierung zu finden. Bei wem nun das Interesse geweckt wurde: Hier geht es zum Link.

 

Was macht die Menschen aus, die in den Social Enterprises arbeiten?

Das spannendsten an diesem Projekt waren die Interviews mit den jeweiligen Gründern oder Mitarbeitern der For-Profit Social Enterprises selber. Wir haben mit insgesamt sieben inspirierenden Personen aus sechs Unternehmen gesprochen, die in unterschiedlichen Branchen tätig sind.

Das alte Öko-Vorurteil von einer Person mit ungewaschenen Haaren, abgelatschten Sandalen und kratziger Bio-Kleidung könnte dabei nicht ferner sein. Vielmehr sind uns sehr motivierte, aufgeschlossene und moderne junge Menschen begegnet. Sie alle vereint der Wille zu einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen. Die Selbstreflexion des eigenen Handelns und der Wunsch nach stetiger Verbesserung und sinnstiftender Arbeit steht für sie im Zentrum.

Im Rahmen der Interviews haben wir tolle Einblicke in unterschiedliche Geschäftsmodelle erhalten und festgestellt, wie viel Anstrengungen und welche Vielschichtigkeit und Komplexität hinter den Unternehmungen stehen. Sie alle haben kleinere oder größere Herausforderungen auf dem Weg zur Nachhaltigkeit. Was die Social Enterprises aber von anderen Marktteilnehmern unterscheidet ist, dass sie sich mit den unbequemen Fragen auseinandersetzten und den Mut und die Entschlossenheit aufbringen, diese Themen anzugehen.

 

Welche Chancen bietet die Bewegung des Social Entrepreneurship?

Ich persönlich sehe in dem Konzept des Social Entrepreneurships eine ganz neue Chance, unsere Arbeitswelt zu revolutionieren. Angefangen bei dem Impact, den unsere Wirtschaft auf die Umwelt und Gesellschaft hat, bis hin zur Einstellung, welche Aufgabe und welchen Stellenwert die Arbeit selbst in unserem Leben einnimmt.

Der Kapitalismus hat uns viel Wohlstand gebracht. Nun gilt es aber, statt nach noch mehr Konsum und Reichtümern zu streben, diesen Wohlstand mit anderen zu teilen. Wir müssen unser Wirtschaftssystem dahingehend verändern und es nutzen, dass Umwelt und Gesellschaft gleichermaßen davon profitieren. Im Gegenzug dafür erhalten wir ein Geschenk was viel besser ist als Konsum: Das Gefühl, einer wirklich sinnstiftenden Aufgabe nachzugehen. Ganz nach dem Ansatz des Social Entrepreneurship.

Photo by Ian Schneider on Unsplash

 

Anna Zeller, Digistainable 2019


Social Entrepereneurship – Whitepaper zum Thema Wirkungsmessung in For-Profit Social Enterprises

Im Zuge gesellschaftlicher Entwicklungen und ökologischer Herausforderungen ist es für Unternehmen immer wichtiger, ihre Wirkung auf die Umwelt zu kennen und beschreiben zu können. Darum hat sich unser Projektteam, bestehend aus Jérôme Cron, Sophia Bartsch und mir, Anna Zeller, im Rahmen des Forschungsprojektes II mit dem Thema Wirkungsmessung in For-Profit Social Enterprises auseinandergesetzt. Neben den Herausforderungen lag der Fokus der Arbeit auf den positiven Auswirkungen der Wirkungsmessung mit dem Ziel, die bestehende Forschungslücke zu schließen und Unternehmen fundierte Gründe für die Wirkungsmessung aufzuzeigen. Neben einer umfassenden Forschungsarbeit ist das Ergebnis dieses Projektes ein Whitepaper, das die wichtigsten Erkenntnisse anschaulich zusammenfasst und wertvolle Tipps zum Thema Wirkungsmessung bereitstellt.

In Kooperation mit der Holistic Foundation veröffentlicht, möchten wir es natürlich auch hier im digitalsustainable Blog teilen. Hier geht es zum Download: Link. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen! Whitepaper Wirkungsmessung in For-Profit Social Enterprises


Vegan für die Umwelt

Ist eine vegane Ernährung für die Umwelt besser?

Diese Frage beantworten Viele von uns pauschal mit einem Ja. Auf diversen Blogpost stoßen wir immer wieder auf die Aussage, dass eine vegane Ernährung umweltschonender sei als eine fleischhaltige oder vegetarische Ernährung. Befeuert wird dies durch Dokumentationen auf Netflix wie z. B. „Game Changers“ und „What the Health“. Der Veganimus ist inzwischen längst keine Seltenheit mehr. In vielen Lebensmittelgeschäften sind immer mehr vegane Alternativen zu finden. Doch nicht nur die vegane Ernährung gewinnt an Beliebtheit. Im Rahmen des aktuellen Sport- und Fitnesstrends steigen auch Angebot und Nachfrage von proteinreichen Produkten. Im Supermarkt sind viele Lebensmittel mit einer extra Portion Protein bereichert worden, wie z. B. den „High Protein“ Schokoladen-Pudding oder das „Protein-Brot“. Und genau diese beiden Food-Trends haben wir uns in Kombination angeschaut.

Wir haben uns im Rahmen des Forschungsprojekts die Frage gestellt, ob eine vegane Ernährung unter der Prämisse des gleichen Proteinlevels umweltschonender ist. Als Parameter haben wir geringe Treibhausgas-Emissionen und einen niedrigeren Wasser-Fußabdruck definiert.

Im Rahmen einer ausführlichen Literatur Review haben wir herausgefunden, dass es zu dieser Frage tatsächlich noch keine ausreichend erforschte Antwort gibt. Daraufhin haben wir selbst für unterschiedliche Lebensmittel berechnet, wie hoch die Treibhausgas-Emissionen [in kg CO2e] und der Wasser-Fußabdruck [m3 pro Tonne] je aufnehmbares Gramm Protein sind.

Die drei „besten“ Lebensmittel aus unserer Analyse in Bezug auf THG-Emissionen waren Erbsen, Erdnüsse und Kartoffeln. Unter Betrachtung des Wasser-Fußabdrucks sind Erbsen, Geflügelfleisch und Käse an der Spitze der Auswertung.

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass es unter Betrachtung des Wasser-Fußabdrucks besser für die Umwelt ist, Geflügelfleisch und Käse zu essen anstatt Erdnüsse. Es zeigt exemplarisch, dass eine vegane Ernährung nicht zwangsläufig eine Verbesserung des Klimas herbeiführt, sondern ggf. nur eine Verschiebung von geringeren THG-Emissionen zu einem höheren Wasser-Fußabdruck.

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass viele pflanzliche Lebensmittel weniger Protein enthalten und dementsprechend mehr von ihnen konsumiert werden müsste, um den Proteinbedarf zu decken. Dies wird auch als direkter Rebound-Effekt bezeichnet und bewirkte in Bezug auf unsere Analyse, dass teilweise sogar Fleisch (trotz hoher THG-Emissionen) besser geeignet war, um den Proteinbedarf umweltfreundlich zu decken als z. B. Reis oder Sojamilch.

 

Zusammenfassend können wir festhalten, dass eine rein pflanzliche Ernährung, gemessen an den THG-Emissionen und dem Wasser-Fußabdruck unter Einbezug des Proteinlevels nicht grundsätzlich umweltschonender als eine omnivore Ernährungsweise ist. Vielmehr kommt es darauf an, welche Lebensmittel konsumiert werden.

Doch auf was können wir als Konsumenten achten?

Bei unseren Kaufentscheidungen sollten wir nicht nur ausschließlich auf Treibhausgas-Emissionen achten, sondern auch den Wasser-Fußabdruck berücksichtigen. Weiterhin können wir beim Kauf von Lebensmitteln stets auf deren Herkunft achten und wasserknappe Regionen für Lebensmittel, die in ihrer Produktion wasserintensiv sind, zu meiden. Konkret bedeutet dies z. B., dass Avocados lieber aus Brasilien statt aus Chile gekauft werden sollten. Diese Empfehlung sollte jedoch nicht als pauschale Kaufaufforderung für ausschließlich regionale Produkte verstanden werden, denn auch hier können je nach Produkt hohe Wasserverbräuche auftreten.

Neben der Herkunft beeinflusst vor allem die Anbauweise, ökologisch oder nicht-ökologisch, die Umwelteinflüsse pflanzlicher Lebensmittel. Daher empfiehlt es sich auch bei tierischen Produkten diese aus ökologischer Haltung zu erwerben.

Und das Wichtigste zum Schluss: Mehr Erbsen essen! 😉

Bild von Pixabay(Jill Wellington)

 

Kristina Verhasselt, Digistainable 2019


Working @ Home

Working@home – Ein Forschungsprojekt in Zeiten von der ersten Corona-Welle

Mit Beginn der ersten Corona-Welle im April 2020 befand sich plötzlich die ganze Welt in einem unfreiwilligen und ungeplanten Homeoffice-Experiment. Diesen Moment haben wir genutzt, um die rasanten Änderungen in der Arbeitswelt und dessen Auswirkungen genauer zu erforschen.

Wir haben uns das Ziel gesetzt die gewonnen Erkenntnisse aus unserer Literatur-Recherche mit den aktuellen Herausforderungen von Homeoffice während der Corona-Pandemie abzugleichen und bestehende Annahmen zu überprüfen. Unter Homeoffice haben wir in unserer Forschung das Arbeiten von Zuhause untersucht und das mobile Arbeiten ausgeschlossen.

 

Aus unserer Literatur-Recherche haben wir fünf Dimensionen definiert, welche bei der Umsetzung von Homeoffice beachtet werden müssen. Diese sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, technische Voraussetzungen, Führung & HR, virtuelle Zusammenarbeit und die individuelle Arbeitsleistung. In unserer Forschung haben wir Hypothesen zu den Bereichen individuelle Zufriedenheit, individuelle Arbeitsleistung und virtuelle Zusammenarbeit formuliert. Um diese Hypothesen zu überprüfen haben wir eine quantitative Umfrage mit 385 relevanten Teilnehmern durchgeführt.

Aus unserer Forschung geht hervor, dass eine gute technische Ausstattung sowie eine gute Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben die Zufriedenheit im Homeoffice signifikant erhöht. Weiterhin wirkt sich das Arbeiten von Zuhause positiv auf die Produktivität und die Arbeitsleistung aus. Allerdings zieht das Arbeiten von Zuhause auch Einschränkungen in Bezug auf die Zusammenarbeit im Team mit sich. Diesem Effekt kann entgegengewirkt werden, wenn das Vertrauen im Team hoch ist und ein guter sozialer sowie professioneller Austausch stattfindet.

Eine überraschende Erkenntnis war außerdem, dass lediglich zehn Prozent der Befragten unzufrieden mit der aktuellen Situation im Homeoffice sind. Viele möchten auch nach der Corona-Pandemie regelmäßig von Zuhause arbeiten.

Aus unserer Forschung ließ sich schlussfolgern, dass die Kombination aus Homeoffice und Arbeiten im Büro am erfolgreichsten in Bezug auf die Zusammenarbeit im Team und die individuelle Arbeitsleistung sein wird. Idealerweise sollten feste Team- und Homeoffice-Tage eingeführt werden. Team- Tage können im Büro dazu genutzt werden, den regelmäßigen Austausch untereinander aufrecht zu erhalten, während an den Homeoffice-Tagen produktiv von Zuhause gearbeitet werden kann.

Hinweis: Die Auswertung der Umfrage im Rahmen dieser Projektarbeit ist nur als erste Stichprobe und Zwischenstand zu verstehen und ist nicht repräsentativ für die gesamten Personen, die während der Corona-Pandemie im Homeoffice arbeiten.

Bild von Pixabay

 

Katharina Körber, Digistainable 2019


Digital Lounge

Nach einer längeren Pause, war es am 07. April 2021 wieder soweit und die 5. Digital Lounge des Masterstudiengangs Digital Transformation and Sustainability hat stattgefunden. In Zeiten von Corona selbstverständlich vollumfänglich digital und unter dem Motto Connecting the Dots. Neben Vorträgen der Studierenden über ihre Forschungsprojekte, hielt Christoph Quarch, Philosoph und Autor, eine inspirierende Keynote über die Verschränkung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Dem Motto des Abends folgend, gab es zunächst einen Vortrag aus dem Bereich der Nachhaltigkeit, anschließend folgte ein Vortrag aus dem Bereich Digitalisierung und beide Themen wurden dann durch die Keynote sowie einer weiteren Projektvorstellung durch die Studierenden miteinander verknüpft. Durch den Abend haben Annabelle Dirks, Susanne Engelhardt und Katharina Körber geführt.

Nachhaltigkeit – Anna Zeller und Jérôme Cron stellten das Projekt Wirkungsmessung in
For-Profit Social Enterprises
vor. Dabei zeigten sie auf, warum das Thema Wirkungsmessung so relevant für gesellschaftlich engagierte Unternehmen ist und in welchen Bereichen die Ergebnisse helfen können. Die Kenntnis über die Ergebnisse der eigenen Bemühungen kann helfen, den eigenen Impact zu verbessern, in der Unternehmenskommunikation eingesetzt werden und so die Kundenbindung stärken als auch die Motivation der Mitarbeiter erhöhen. Wer mehr erfahren möchte, kann sich hier das Whitepaper des Projektteams anschauen.

Digitalisierung – Antonia von der Beek und Saskia Harger haben das Forschungsprojekt zur Ambidextrie in Krisenzeitenvorgestellt. Ambidextrie steht für Beidhändigkeit und meint in diesem Zusammenhang die Fähigkeit von Unternehmen, trotz kurzfristiger notwendiger Aktivitäten zur Sicherung des bestehenden Geschäfts, auch Ressourcen für die Weiterentwicklung oder Neuorientierung bereitzustellen. In ihrer Forschung haben die Studierenden Einblicke in die unterschiedlichsten Unternehmen erhalten und konnten die Erfolgsfaktoren Kapital, Flexibilität, Vertrauen und Mitarbeiter herausarbeiten. Die Coronakrise hat dabei sowohl Defizite aufgedeckt als auch neue Impulse gesetzt.

Digitalisierung & Nachhaltigkeit – Zunächst hielt Christoph Quarch seine Keynote zur Verknüpfung der beiden Themen. Hierbei zeigte er die oft vergessenen Auswirkungen der zunächst immateriellen Digitalwirtschaft auf. Denn auch, wenn die Digitalwirschaft Wertschöpfung durch Nutzbarmachung der nicht-materiellen Ressource Daten betreibt, erfordert die Digitalisierung einen außerordentlich hohen Verbrauch physischer Ressourcen. Und auch die menschliche Psyche leidet unter der grenzenlosen Datengenerierung und –verarbeitung. Wie also kann eine Lösung aussehen? Nach Christoph Quarch ist dazu ein neues ökonomisches Paradigma sowie ein anderes Mindset, eines, das der Digitalisierung geistige Grenzen setzt, notwendig.

Abschließend haben Lena Becker, Julia Rahn und Marie-Lou Beth das Forschungsprojekt Digitale Plattform für Second-Life Batteriespeicher vorgestellt. Das Second-Life einer Batterie, kann sich an die Erstnutzung im Elektroauto anschließen, da diese bereits bei einer Kapazität von ca. 80% der ursprünglichen Speicherfähigkeit endet. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden potentielle Kund:innen befragt, diese zeigten sich interessiert und äußerten Bedürfnisse, Anforderungen aber auch Bedenken. Die Studierenden zeigten auf, dass die Umsetzung einer solchen Plattform positive Auswirkungen auf die Energie- und Mobilitätswende haben könnte und ein weiterer Baustein der Kreislaufwirtschaft ist.

Zur Auflockerung des digitalen Formats, hat das Organisations-Team der Studierenden interaktive Quizblöcke zu den Sustainable Development Goals veranstaltet. Dadurch konnten die Zuhörenden ihr Wissen zu Themen wie dem Armutsaufkommen, der Verteilung von Analphabet:innen und dem Anteil erneuerbarer Energien testen. Letzterer wurde deutlich unterschätzt, so dass die meisten eine wohl positive Überraschung erlebten.

Im Anschluss gab es die Möglichkeit Fragen zu den Vorträgen zu stellen und zu diskutieren. Hierbei wurde darüber diskutiert, welche Impulse es braucht, damit Nachhaltigkeit umgesetzt wird und ob diese vom Individuum ausgehen müssen oder die Verantwortung doch auf der institutionellen Ebene liegt. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden und die spannende Diskussion.

Falls Sie ein tiefergehendes Interesse an den Themen Digitalisierung & Nachhaltigkeit oder an unserem Studiengang haben, dann folgen Sie uns auf LinkedIn oder auf Instagram (@digistainables).

 

 

Marie-Lou Beth, Digistainable 2019


Meine Woche als Gründer

Es ist zehn Uhr an einem sonnigen Samstagmorgen - wir stehen nach einer anstrengenden Woche mit unserem Pitchdeck für unsere Nachhaltigkeitsapp SUSH im Seminarraum der HSBA. Ein Pitchdeck, das sind die Präsentationsfolien eines Start-Up Gründers, mithilfe welcher dieser Investoren von seinem Start-Up überzeugen möchte. Wie sind wir bis dahin gekommen? Wir haben uns für das Modul Intrapreneurship der Digital Toolbox angemeldet und wollten ein wenig Gründerluft schnuppern.  

Ganz am Anfang eines Startups muss es ein Problem geben. Einen sogenannten needwelcher gelöst werden muss und dabei obendrein noch in einer Art und Weise, die sich rentiert. Genau damit haben wir uns am Montag und Dienstag im Rahmen eines Design Thinking Workshops beschäftigt. Hier haben wir mithilfe verschiedenster Methoden wie der Erstellung von Personas, Segmentierung von potenziellen Kunden und Brainwriting versucht, im ersten Schritt ein Problem zu verstehen und im zweiten Schritt Ideen zu kreieren, wie sich dieses Problem lösen lässt. Das Ergebnis unseres Design Thinking Workshops zum Thema Kauf von nachhaltigeren Lebensmittelprodukten im Supermarkt war es, dass der Kunde im Moment der Kaufentscheidung häufig nicht die Informationen zur Verfügung hat, welche dieser benötigt, um sich für die CO2 reduzierte Option zu entscheidenDarüber hinaus können wir nicht tracken, wie viel CO2 wir durch unseren Konsum verbrauchen. Aus diesem Grund wollten wir eine App namens SUSH entwickeln, welche genau das ermöglicht.  

Eine Erkenntnis möchte ich euch mitgeben, die mir insbesondere während der ersten beiden Tage gekommen ist: Wir sind durch die Art und Weise wie wir arbeiten nicht mehr gewohnt, ein Problem wirklich zu verstehen, sondern versuchen immer sofort in Lösungen denken. Um bis zu dem Kern eines Problems zu gelangen, ist es häufig hilfreich, sich selbst mehrmals die gleiche Frage zu stellen. So beginnt man damit zu fragen „Was ist das Problem?“. Anschließend sollte man sich dann fragen „Warum ist das genau ein Problem?. Wenn man darauf eine Antwort hat, muss man wieder fragen „Warum ist das ein Problem?“ und anschließend wieder „Warum ist das ein Problem?“. Auf diese Weise gelangt man durch mehrere Iterationen vom offensichtlichen und sichtbaren Problem auf den Kern und damit häufig die Ursache des Problems. Probiert es selbst mal aus! 

Aber nun zurück zu unserer App. Nachdem wir uns für die App entschieden hatten, haben wir am Mittwoch und Donnerstag an dem Prototyp gearbeitet. Dabei haben uns folgende Fragen begleitet: 

  • Wie soll die App aussehen?  
  • Wie soll diese funktionieren?  
  • Wie können wir die Idee am besten einem Investor verkaufen?  

Parallel dazu haben wir eine Echtzeit-Onlineumfrage mit über 1000 Personen zur Idee unserer App durchgeführt. Die Idee wurde von den Teilnehmern sehr positiv bewertet. Doch was wir im Laufe der Woche von diversen Venture Capital Firmen hörten war: Eine gute Idee haben viele, aber die Herausforderung besteht darin, von einer Idee zu einem rentablen Geschäftsmodell zu kommen, welches sich am Markt etabliert. Dort scheitern die meisten. 

Freitagmorgen haben wir uns dann dem Storytelling gewidmetDas bedeutet wir haben uns damit beschäftigt, wie man eine gute Geschichte erzählt und wie man überzeugend präsentiert. Dabei haben wir gute Vorträge von unter anderem Steve Jobs analysiert. Der Nachmittag und die Abendstunden gehörten dann dem Business Model. Dabei kamen fragen hoch wie: 

  • Wie machen wir die App rentabel?  
  • Welche Kosten haben wir?  
  • Welchen Revenue Stream haben wir?  
  • Was sind unsere KundenPartner und Konkurrenten?  

Natürlich alles sehr skizzenhaft. In ein paar Stunden entwickelt man in der Regel kein funktionierendes Geschäftsmodell. Dennoch war es lange genug, um einen Eindruck davon zu bekommen, womit man sich als Gründer alles beschäftigen muss. 

Nun sind wir am besagten Samstagmorgen angekommen – wir stehen kurz vor unserem Pitch. Wir sind als dritte Gruppe dran und pitchen. Unser Pitch besteht aus einem kurzen Intro, welches den need unserer App aufzeigen sollte. Anschließend wird die Funktionsweise und das grobe Layout unserer App vorgestellt. Darauf aufbauend wird das Marktpotenzial, die Kostenund Umsatzstrukturen und eine Wettbewerbsanalyse präsentiert. Der Pitch schließt mit der Vorstellung unseres Teams sowie einem Call to Action. Eine ganze Menge Inhalte für streng beäugte zehn Minuten. Auch bei uns gilt wie im echten Startup leben: Jede Sekunde im Pitch zählt. Glücklicherweise ist alles gut gelaufen und wir haben unsere Dozenten überzeugen können. 

Insgesamt ist zu diesem Modul zu sagen, dass man in einer Woche ein gutes Bild darüber bekommt, was es heißt ein Unternehmen zu gründen. Darüber hinaus ist das Modul begleitet von vielen spannenden Praxisvorträgen zu aktuellen Themen wie Agilität, Echtzeit Online Befragungen und Geschäftsmodellen von Venture Capital Firmen 

Zum Abschluss gibt es für euch (wie in jedem guten Pitch) noch den Call to Action: Wenn ihr auch Lust darauf habt ein wenig Gründerluft zu schnuppern oder euch in anderen Themen praxisnah weiterzubilden, dann schaut gerne mal vorbei. Es lohnt sich auf jeden Fall. 

 

Jérôme CronDigistainable 2019 

Foto: Pixabay © Gerd Altmann


Stewart Brand – eine inspirierende Persönlichkeit

Vor ein paar Wochen habe ich in der ZEIT ein Interview mit Stewart Brand gelesen, welches ich so inspirierend fand, dass ich den amerikanischen Autor und Ökologen hier auf der Website vorstellen möchte.

Für alle, denen der Name genauso wie mir bisher noch nichts sagt: Brand ist mittlerweile 81 Jahre alt, jedoch noch voll und ganz in seiner Arbeit gefangen und ist vielleicht einer der wichtigsten Neudenker und Macher unserer Zeit, wenn es um Klimaschutz und gesellschaftlichen Wandel geht. Bekanntere Gesichter, wie Steve Jobs, Jeff Bezos und Chris Anderson beschreiben ihn als Helden ihrer Generation.

Aber was hat dieser Mann gemacht – und was tut er immer noch – was so heldenhaft ist? Er entwickelt nicht nur Visionen, er setzt sie eine nach der anderen um und hat damit keinen geringeren Anspruch, als unsere Gesellschaft zum Umdenken zu bringen und unseren Planeten zu retten.

In den sechziger Jahren war Brand die treibende Kraft, der Initiator einer Kampagne, die die NASA dazu brachte, Bilder von der Erde aus dem Weltraum zu veröffentlichen. Auf sein Engagement hin wurde das erste Farbfoto unseres Planeten aus dem All geschossen und veröffentlicht (bekannt geworden unter dem Titel „Earthrise“). Brand war der festen Überzeugung, dass die Schönheit des Blauen Planeten, umgeben vom schwarzen Nichts, das Bewusstsein der Menschen verändern würde; dass ihnen klar würde, dass es sich lohnt ihn zu schützen. Später gründete er die Zeitschrift „Whole Earth Catalog“, in dessen Mittelpunkt Themen wie Selbstversorgung, Ökologie, DIY und Alternativpädagogik standen. Steve Jobs bezeichnete das Magazin einst als „Die Bibel unserer Zeit“.

Derzeit arbeitet er an einem seiner vermutlich letzten und wie ich finde unfassbar beeindruckendem Projekt: The Clock of the Long Now (https://longnow.org/clock/). Seit mittlerweile über 25 Jahren arbeiten er, der Informatiker Daniel Hillis, der Musiker Brian Eno und ein Team von Technikern an dieser Uhr, die über 10.000 Jahre lang laufen soll. Die ewig laufende Uhr soll unser Bewusstsein für langfristiges und nachhaltiges Denken (und Handeln) schärfen. Die Notwendigkeit über viele Jahrzehnten und Generationen hinweg zu denken soll uns bewusst gemacht werden, das Augenmerk wird darauf gerichtet, dass was wir heute tun noch in vielen, vielen Jahren Auswirkungen haben wird. „Was schnell geschieht ist nicht so wichtig (…). Was sich hingegen langsam und auf der Ebene der Infrastruktur, der Governance, der kulturellen Veränderung und schließlich der großen Menschheitsmythen und der biologischen Evolution vollzieht, besitzt Realität, Relevanz und Macht“.

Quelle: https://longnow.org/clock/

Ebenso ehrgeizig und visionär ist ein weiteres seiner aktuellen Projekte, dessen Ziel es ist, ausgestorbene Tierarten wie das Wollhaarmammut wiederzubeleben. Auch in diesem Projekt sieht er eine Symbolwirkung und geht davon aus, dass die erfolgreiche Auferstehung der Mammuts etwas tief drinnen in den Menschen auslösen wird. Dass sie verstehen, dass es sich lohnt, sich für unsere Natur einzusetzen und sie zu schützen. Und vor allem auch, dass man etwas tun kann, die Dinge nicht als gegeben hinnehmen sollte!

Abgesehen von Brands Fähigkeit zum Anders-Denken und seinem Mut zum Vorangehen finde ich es äußerst bewundernswert, dass er trotz der intensiven Auseinandersetzung mit Themen wie dem Klimawandel und der Schwerfälligkeit der Menschen einen sehr positiven Blick auf die Dinge behält. So zeigt er sich in dem Interview überzeugt davon, dass wir das Steuer noch herumreißen können, dass unsere Gesellschaft die Fähigkeit und den Willen besitzt, diese Erde (und sich selbst) zu schützen.

Jeder der in seinem Handeln gegen die Krisen unserer Zeit einen Schub Motivation und Hoffnung gebrauchen kann, sollte sich mit dem Leben und der Arbeit dieses Mannes einmal auseinandersetzen.

 

Sophia Bartsch, Digistainable 2019

Foto: Stewart Brand ©Robert Stone


Im Einklang: Digitale Transformation & Nachhaltigkeit

Digitale Transformation und Nachhaltigkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung – für die Gesellschaft, die Politik sowie die Wirtschaft. Häufig werden beide Megatrends in einem Satz genannt. Doch nicht immer führt Digitalisierung automatisch zu mehr Nachhaltigkeit. „Der Rebound-Effekt endet schlimmstenfalls in einer digitalen Wachstumsökonomie. Neben Effizienz ist Suffizienz das Wort der Stunde. Digitalisierung kann ein Weg zu mehr Nachhaltigkeit sein, aber nur wenn die Weichen richtig gestellt werden,“ so Sebastian Backhaus, Experte für nachhaltige Unternehmen, Startups, NGOs, Ministerien und Kommunen.

Die folgenden fünf Beispiele aus dem #SMARTer2030 Report zeigen auf, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit sich erfolgreich vereinen lassen und inwiefern innovative Technologien zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der UN beitragen können. In den Fokus rücken hierbei die SDGs Nummer 7, 9, 11, 12 und 13.

1. Emissionenreduzieren
Dem #SMARTer2030 Report zufolge kann der Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) die globalen CO2-Emissionen bis 2030 effektiv um rund 20 Prozent senken. Dabei wird das durch ICT verursachte Emissionslevel von 2015 gehalten (GeSI 2015, 10). Auf diese Wiese stellen moderne Technologien eine Möglichkeit dar, wirtschaftlichen Fortschritt und Umweltschutz zu verbinden, vorausgesetzt mögliche Rebound-Effekte wie beispielsweise eine Erhöhung der Nutzungsintensität aufgrund vorangegangener Effizienzsteigerung bleiben aus.

2. SmartEnergy
Auch für den Energiesektor zeichnen sich im Zuge der Digitalisierung Chancen für mehr Nachhaltigkeit ab. So werden Entwicklungen zur Nutzung erneuerbarer Energien vorangetrieben und der Ausbau intelligenter Stromnetze, sogenannten Smart Grids, gefördert. In Zahlen gesprochen können auf diese Weise bis zu 6,3 Milliarden Kilowattstunden Energie eingespart werden, wie der Report belegt. Darüber hinaus spielen soziale Aspekte eine Rolle wie z.B. die flexible Auswahl des Stromanbieters, geringere Kosten sowie die Kontrolle und Übersicht über das eigene Verbrauchsverhalten (GeSI 2015, 54). Diese neu gewonnene Transparenz ermöglicht ggf. sogar eine Reduktion der individuellen Stromverbräuche, da Ausreißer je nach Tages- und Jahreszeit sichtbar werden.

3. SmartAgriculture
Smart Agriculture steht für erhöhte Produktivität, gesteigerte Effizienz und weniger Lebensmittelverschwendung in der Landwirtschaft. In diesem Bereich sorgen modernste Technik, teilweise künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen für exakte Prognosen sowie z.B. einen optimalen Wasserverbrauch ohne Verschwendung. So können Ressourcen geschont und die Produktion anhand vorhergesagter Werte geplant werden. Auch hier legt der #SMARTer2030 Report Zahlen vor: 20 Prozent weniger Foodwaste und ein um 250 Billionen Liter geringerer Wasserfußabdruck (GeSI 2015, 11).

4. SmartBuildings
35 Prozent am gesamten deutschen Energieverbrauch entfallen auf Gebäude (dena 2020). Bis 2050 soll der Gebäudebestand laut Bundesregierung nahezu klimaneutral sein. Eine Lösung sind intelligente Gebäude, Smart Buildings. Hier steigern digitale Technologien und intelligente Vernetzung Komfort, Lebensqualität und Effizienz. Smarte Gebäude „denken“ selbst, sobald alle Komponenten installiert sind. Sie lassen sich zentral, orts- und zeitunabhängig steuern. Vor allem im Hinblick auf die Erfassung von Strom-, Heiz- und Wasserverbräuchen lassen sich dank digitaler Messtechniken, wie oben bereits erwähnt, individuelle Verbrauchswerte anpassen, was langfristig zu einem nachhaltigeren Umgang und Kosteneinsparungen führen kann (GeSI 2015, 41).

5. SharingEconomy
Last but not least: Sharing Economy, oder auch Share Economy. Vor allem der Car Sharing Markt ist innerhalb der letzten Jahre rasant gewachsen. Allgemein sorgen Sharing-Angebote für eine besser Auslastung bestehender Kapazitäten und senken in diesem Zuge den Ressourcenverbrauch. Das Umweltbundesamt empfiehlt maximal 150 PKW pro 1.000 Einwohner für einen umweltfreundlicheren Verkehr. Dies ist mit privaten Autos nicht zu erreichen. Car Sharing Plattformen aber haben das Potential. Hier gilt es allerdings erneut, vor möglichen Rebound-Effekten zu warnen. Denn Sinn und Zweck ist es nicht aufgrund von Ressourceneinsparungen von privaten Autos, den Car Sharing Markt über Bedarf auszubauen.

Diese Beispiele belegen, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit ein Duett bilden können. Allerdings sollten wir uns nicht vormachen, allein durch den Einsatz innovativer Technologien den Klimawandel stoppen und eine bessere Welt schaffen zu können. Das wäre zu einfach gedacht. Die 17 Nachhaltigkeitsziele können nur erreicht werden, wenn jeder einzelne seinen Beitrag dazu leistet – ganz egal welcher Art.

 

Jana Beckmann, Digistainable 2019

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