Meine Sustainability Challenge: Hotels for Homeless

Worum geht’s? Das „Hotel for Homeless”

Anfang des Jahres habe ich das wunderbare Projekt „Hotels for Homeless“ des StrassenBLUES e.V. unterstützen dürfen. Darin wurden über die Wintermonate 70 obdachlosen Menschen ein Zimmer im Hostel bedpark in Altona und in der Jugendherberge auf dem Stintfang bereitgestellt, um sie vor der Kälte und den Gefahren des Coronavirus zu bewahren.

Die Unterkunft wurde den obdachlosen Menschen ohne Bedingungen gewährt. Lediglich gewisse Regeln, wie z.B. das Tragen der bereitgestellten Masken im Innenraum, mussten eingehalten werden. Mit eigenem Zimmer, Essen, Hygieneartikeln und Wäschegeld konnten sie so für vier Wochen in der Jugendherberge und sechs Monate im Hostel bedpark ihre Privatsphäre zurückgewinnen und in der kalten Jahreszeit zur Ruhe kommen. Darüber hinaus konnten sie zu jeder Zeit die Unterstützung von Sozialarbeiter:innen in Anspruch nehmen und wurden beispielweise in ihren Bemühungen, einen Job oder eine Unterkunft zu finden, tatkräftig unterstützt. Fehlte etwas, wie z.B. Kleidungsstücke, wurde das Netzwerk der Unterstützer:innen aktiviert und wo möglich entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt.

Initiiert wurde das Projekt vom StrassenBLUES e.V. und dessen Gründer Nikolas Migut. Die Unterbringung in der Jugendherberge auf dem Stintfang wurde gemeinsam mit Hanseatic Help e.V. realisiert.  Das Projekt „bedpark Altona“ wurde ermöglicht durch die Gemeinschaftsaktion von Hamburger Gabenzaun e.V., Hanseatic Help e.V., JesusCenter e.V., Pfand gehört daneben und StrassenBLUES e.V..

Wie kam ich dort hin? Mein Weg zu StrassenBLUES

Bevor ich über die Erfahrungen dort berichte, noch einmal auf Anfang: Wie bin ich dort hingekommen? Und wieso das Thema Obdachlosigkeit?

In der Großstadt werden wir häufig damit konfrontiert: Vor dem Supermarkt, in der Bahn, auf großen Plätzen oder unter Brücken – hier kann man diese Problematik nur schwer ignorieren. Ich gehöre zu der Gruppe Menschen, denen die Schicksale und Probleme dieser Menschen sehr nahe gehen, die aus Unsicherheit, Scham oder Ratlosigkeit bis auf kleine Geldspenden aber nicht wirklich etwas tun und Gesprächen aus dem Weg gehen. Im Rahmen der Aktivitätsspende Sustainability Challenge des DTS-Studiengangs wollte ich dies ändern und endlich aktiv werden. Über einen Bekannten und die Onlinepräsenz von StrassenBLUES bin ich auf den Verein aufmerksam geworden.

Was habe ich erlebt? Meine gewonnenen Erfahrungen

Hotels for Homeless war zu dieser Zeit das zentrale Projekt des Vereins. An einem Samstagabend habe ich meine erste Schicht in der Jugendherberge auf dem Stintfang mit einer Ehrenamtlichen von Hanseatic Help, einer Mitarbeiterin der Jugendherberge und zwei Security Mitarbeiter:innen dort angetreten.

Die Haupttätigkeit der fünf-Stunden Schicht war, für die Bewohner da zu sein, ein offenes Ohr zu haben und Fragen zu beantworten. Letzteres ging teilweise mit Recherchearbeiten einher (bekommt man am Samstagabend einen vorläufigen Personalausweis für das Bewerbungsgespräch am Montagnachmittag?). Zudem gab es organisatorische Tätigkeiten, z.B. sicherzustellen, dass immer Snacks bereitstehen oder auf Nachfrage im Lager fehlende Kleidung raussuchen. Dazu muss ich aber sagen, dass mir als Neuling die schwierigeren Aufgaben, wie etwa die Suche nach Unterkünften, abgenommen wurden.

Die Bewohner waren sehr ruhig und gingen den gesamten Abend ein und aus. Ich hatte weniger Kontakt zu ihnen, als ich erwartet habe. Gleichzeitig erhielt ich aber einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben. Von den Ehrenamtlichen oder von ihnen selbst, erfuhr ich ihre Geschichten, die teilweise extrem und allesamt bewegend sind.

So gab es eine Familie mit zwei kleinen Kindern, die aufgrund der Wirtschaftskrise in Italien durch Corona obdachlos wurden und nun dem Bürokratie-Dschungel in Deutschland gegenüberstehen – ohne Arbeitserlaubnis. Ich erfuhr über die Herausforderungen, mit denen Frauen in der Obdachlosigkeit konfrontiert werden. Ich lernte, was die Platten sind, Gruppierungen von Obdachlosen in den unterschiedlichen Stadtgebieten. Ich bekam mit, wie der Teufelskreis Wohnungslosigkeit und Joblosigkeit, wobei das eine das andere bedingt, den Ausweg aus der Obdachlosigkeit erschwerte. Genau wie das Sprachproblem: Viele der obdachlosen Menschen sprechen weder Deutsch noch Englisch.

Und dann gibt es noch die Süchte und Abhängigkeiten. Der Alkohol- oder Drogenkonsum können Sorgen und die Kälte zumindest kurzzeitig überblenden. Dies ist auch eine Ursache, warum manche nicht in die wenigen Obdachlosenunterkünfte untergebracht werden wollen. Hier dürfen sie nicht konsumieren. Andere möchten nicht dorthin, weil sie Angst vor Mitbewohnern haben, oder ihren Gefährten wie z.B. einen Hund nicht mitnehmen dürfen.

Ich habe verstanden, dass vielen obdachlosen Menschen um das nackte Überleben heute kämpfen. Für Gedanken an ein Morgen ist in so einer Situation keinen Platz.

Hotels for Homeless hat einigen geholfen, wieder weiter in die Zukunft blicken zu können. Ein tolles Erlebnis war, als in meiner zweiten Schicht ein Mitbewohner, der während seiner Zeit in der Jugendherberge einen Job gefunden hatte, von seinem Wandel erzählte. Als er eingezogen ist, war er fertig mit der Welt. Nun hat er einen Job, ein Bett für die Zeit nach dem Hotels for Homeless und eine Zukunft.

Fazit: Es gibt noch viel Arbeit!

Das Projekt Hotels for Homeless wurde mit den wärmeren Temperaturen und den anhaltenden Kosten schließlich beendet. Mein Fazit: Eine wirklich tolle Sache, die ein paar Menschen temporär, in einigen Fällen hoffentlich auch langfristig geholfen hat, wieder auf die Beine zu kommen. Dennoch bleibt es ein Tropfen auf den heißen Stein. Knapp 2.000 obdachlose Menschen1 leben in Hamburg. Wir müssen mehr tun, um diesen Menschen eine Perspektive zu geben. Und der nächste Winter kommt.

 

Anna Zeller, Digistainable 2019

Photo by Halszka Nazarczuk

 

Quellen:

Webseite zum Projekt: www.hotelsforhomeless.de

1Hinz&Kunzt; abgerufen 18.06.2021; http://wohnungslose.de/data/aktuell/HINZKUNZT_ZahlenObdachlosigkeit.pdf

HINTERGRUND

Die Sustainability Challenge ist ein fester Bestandteil unseres Studiums. Das Modul liegt zwischen dem dritten und vierten Semester und lässt uns vom Reden ins Handeln kommen. Die Idee dahinter ist, dass jede/r Studierende sich eine soziale Initiative oder Nachhaltigkeitsorganisation aussucht und diese kurz- oder langfristig unterstützt. Über sich hinauszuwachsen, ist dabei vorprogrammiert – und ausdrücklich erwünscht. Teil der Sustainability Challenge ist außerdem die anschließende Reflexion der gesammelten Erfahrungen sowie der gemeinsame Austausch. Denn unser Ziel ist es, unsere Erlebnisse mit allen Interessierten zu teilen und vielfältige Möglichkeiten eines nachhaltigen Engagements aufzuzeigen.


Meine Sustainability Challenge: Impulsgeber zur digitalen Transformation der Bahnhofsmission Hamburg

Ich studiere im Master Digital Transformation & Sustainability. Wenn ich das erzähle, kommt immer die Frage „Und was macht man da so?“ Obwohl mir die Frage bestimmt schon 100-mal gestellt wurde, gelingt es mir noch nicht, diese Frage präzise und erschöpfend in ein paar Sätzen zu beantworten. Das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die beiden Themen so komplex sind und unser Master so vielseitig ist, dass dieser sich schlichtweg nicht in ein paar Sätzen beschreiben lässt.

Ein Ziel kann ich jedoch klar benennen. Und zwar, dass die Studieninhalte nicht in dem Kreis unserer 17 Studierenden und Dozenten bleiben. Wir sollen als Multiplikatoren wirken, Impulsgeber werden und einen Austausch in unserer Gesellschaft zu diesen Themen fördern. Allerdings ist unsere Gesellschaft groß und die verfügbare Zeit mit Familie, Freunden, Arbeit, Studium und Hobbys häufig gering. Wo fängt man da jetzt an? Insbesondere bei den Themen Nachhaltigkeit und digitaler Transformation darf man sich meiner Meinung nach nicht von dem Anspruch entmutigen lassen, als Einzelperson die Welt zu verändern. Wenn jedoch jede Person ihren Beitrag leistet, erreicht man im Kollektiv so einiges.

Ich hatte im Rahmen meiner Sustainability Challenge die Möglichkeit einen kleinen Beitrag zu leisten. Ich habe meine Sustainability Challenge bei der Bahnhofsmission Hamburg absolviert. In diesem Verein stehen seit 1895 ein Mix aus freiwilligen Helfern, FSJlern und Festangestellten bereit, um Menschen in Not zu helfen. Ich durfte in mehreren Schichten unterstützen und so Themen wie Obdachlosigkeit, Drogenabhängigkeit und Orientierungslosigkeit hautnah miterleben. Die Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Es geht mir eher darum aufzuzeigen, wie ein Austausch in der Gesellschaft angeregt werden kann.

Häufig ist hierbei die beste Strategie einfach mal anzufangen, etwas auszuprobieren und zu sehen, ob es funktioniert. Gesagt, getan. Und so habe ich gemeinsam mit dem Leiter der Bahnhofsmission ein „Kamingespräch“ organisiert. Daran teilgenommen haben unterschiedliche Vertreter der Bahnhofsmission und des Trägervereins wie z.B. der Geschäftsführer, eine festangestellte Helferin, der Datenschutzbeauftragte und einige Weitere. Ziel dieses Gesprächs war es, meine Erfahrungen bei der Bahnhofsmission mit meinem Wissen im Bereich der digitalen Transformation als Impulse in die bunt gemischte Runde zu geben. Dies sollte als Anregung dazu dienen, dass sich jeder Einzelne mit der digitalen Transformation der Bahnhofsmission aus seinem individuellen Blickwinkel auseinandersetzt. Das war für mich eine Möglichkeit, der Bahnhofsmission für die spannenden Einblicke etwas zurückzugeben.

Im Vorfeld war ich unsicher, ob das Kamingespräch funktionieren wird. Ich hatte mir natürlich Impulse und Inhalte überlegt, allerdings lebt eine Diskussion von dem Input der Beteiligten. Glücklicherweise waren alle Beteiligten interessiert, reflektiert und haben sich auf die Perspektiven des jeweils anderen eingelassen. Dadurch sind viele interessante Ideen entstanden, wie die Bahnhofsmission zukünftig gestaltet werden kann. Unter anderem die Digitalisierung bestehender Services wie der Informationsausgabe von Essens- und Schlafplätzen, das Angebot neuer Services wie die Verwahrung persönlicher digitaler Dokumente oder die Eröffnung einer neuen Institution mit dem Ziel, die Teilhabe von Obdachlosen an der zunehmend digitalen Gesellschaft zu verbessern.

Was von diesen Ideen umgesetzt wird, hängt von den Mitgliedern der Bahnhofsmission selbst ab. Unsere Aufgabe als Studierende verstehe ich vor allem darin, eine Auseinandersetzung mit den Themen anzustoßen.

Abschließend ist mir noch wichtig zu betonen, dass sich bei der Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation immer explizit die Frage gestellt werden sollte, was nicht digitalisierbar ist. Und das ist bei der Bahnhofsmission in meinen Augen die uneingeschränkte Hilfe, welche jedem Menschen in Not dort widerfährt.

 

Jérôme Cron, Digistainable 2019

Foto: pexels © Pavel Danilyuk

HINTERGRUND

Die Sustainability Challenge ist ein fester Bestandteil unseres Studiums. Das Modul liegt zwischen dem dritten und vierten Semester und lässt uns vom Reden ins Handeln kommen. Die Idee dahinter ist, dass jede/r Studierende sich eine soziale Initiative oder Nachhaltigkeitsorganisation aussucht und diese kurz- oder langfristig unterstützt. Über sich hinauszuwachsen, ist dabei vorprogrammiert – und ausdrücklich erwünscht. Teil der Sustainability Challenge ist außerdem die anschließende Reflexion der gesammelten Erfahrungen sowie der gemeinsame Austausch. Denn unser Ziel ist es, unsere Erlebnisse mit allen Interessierten zu teilen und vielfältige Möglichkeiten eines nachhaltigen Engagements aufzuzeigen.


Sind Elektroautos die neuen Umwelthelden?

Da die Welt weiterhin mit den anhaltenden Problemen der globalen Erwärmung und des Klimawandels zu kämpfen hat, ist eine der beliebtesten Möglichkeiten, mit diesem Problem umzugehen, die Reduzierung der Emissionen fossiler Brennstoffe. Dies ist genau der Grund, warum wir in den letzten Jahren einen Anstieg der Popularität von Elektroautos erlebt haben.

Die Idee des Elektroautos wurde erstmals mit dem Toyota Prius, einem Hybridfahrzeug, in den Mainstream eingeführt. Heutzutage ist Tesla das Unternehmen, das am bekanntesten für seine Elektrofahrzeuge ist, da diese ausschließlich mit elektrischer Energie angetrieben werden. Einige der größten und etabliertesten Namen in der Autoindustrie haben in den letzten Jahren ebenfalls begonnen, ihre eigenen Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Zu diesen Unternehmen gehören prominente deutsche Hersteller wie BMW, Mercedes, Volkswagen und Audi.

Darüber hinaus sind diese Autos auch schnell und bieten ausreichenden Komfort, sodass sie das Konzept der Elektroautos als eine praktikable Alternative zu traditionellen gasbetriebenen Fahrzeugen fest zementiert haben. Allerdings haben Elektroautos auch einige Umweltnachteile.

Aber lassen Sie uns zunächst die Vorteile eines Elektroautos betrachten. Der offensichtlichste Vorteil ist, dass Sie Ihr Auto nicht mehr mit Benzin antreiben müssen, was bedeutet, dass Sie nicht mehr zur Tankstelle fahren müssen.

Außerdem muss man sich auch nicht um Dinge wie Motorölwechsel kümmern, da Elektroautos in der Regel wartungsärmer sind als ihre benzinbetriebenen Gegenstücke. All diese Faktoren sorgen dafür, dass Ihr persönlicher Kohlenstoff-Fußabdruck stark reduziert wird, und das wird sicherlich einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben, egal wie klein er auch erscheinen mag.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Elektroautos komfortabler sind als benzinbetriebene Fahrzeuge, und ihre geringere Umweltbelastung macht sie zu einer günstigen Wahl für jeden, der ein Auto unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit kaufen möchte.

Allerdings haben Elektroautos auch einige Nachteile. Erstens sind diese Fahrzeuge eine neue Markteinführung, und die Infrastruktur, die benötigt wird, um sie für den täglichen Bedarf nutzbar zu machen, ist möglicherweise nicht überall leicht verfügbar. Elektroautos benötigen spezielle Ladestationen, um ihre Batterien aufzuladen, und diese Ladestationen können schwer zu finden sein. Darüber hinaus bedeutet dieses Problem auch eine eingeschränkte Reichweite für Ihr Elektroauto, vor allem, wenn eine große Entfernung zwischen zwei Ladepunkten besteht.

Darüber hinaus sind Elektrofahrzeuge nicht ganzheitlich umweltfreundlich, da sie den Einsatz von Akkus erfordern, die teuer zu ersetzen sind. Wenn die Produktion von Autos mit Elektromotoren steigt, wächst auch der Bedarf an Batterien. Diese Fahrzeuge verbrauchen bereits die Hälfte aller Lithium-Ionen-Batterien, die im Umlauf sind. Stattdessen gibt es einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Automobilherstellern um Rohstoffe wie Kobalt.

Während sich die Welt langsam an die Idee von Elektrofahrzeugen gewöhnt, wird die Infrastruktur immer weiter ausgebaut, um sie zu einer praktikablen Option zu machen. Dies wird in einem Forschungspapier mit dem Titel „Barriers to the Adoption of Electric Cars“ deutlich, das die Fallstricke dieser Fahrzeuge in Italien analysiert und auch mögliche Lösungen zur Bekämpfung der Probleme vorschlägt.

Diese Analyse kann extrapoliert werden, um Schlüsselbereiche für Verbesserungen in verschiedenen Ländern zu identifizieren, die in naher Zukunft auf Elektroautos umsteigen wollen. Die größte Herausforderung für Elektroautos besteht darin, dass ihre Batterien immer noch auf eine Art und Weise produziert werden, die für die ökologische Nachhaltigkeit ungünstig ist.

Insgesamt gesehen überwiegen bei Elektroautos die Vorteile. Außerdem haben diese Autos bereits bewiesen, dass sie in Sachen Fahrspaß, Komfort, Luxus und Technologie mit ihren benzinbetriebenen Pendants konkurrenzfähig sind. Das ist der Grund, warum Elektroautos die erste Wahl für jeden sein sollten, der ein Fahrzeug kaufen und gleichzeitig seinen ökologischen Fußabdruck minimieren möchte.

Der Einsatz von Elektroautos ist ein wichtiger Schritt bei der Schaffung einer Welt, die Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellt, und sie sind auch ein wichtiger Akteur im Kampf gegen den Klimawandel. Mit der Zeit sollten die erforderlichen Elemente und Komponenten zur Herstellung und Wartung von Elektroautos alltäglicher und akzeptierter werden, was wiederum dazu führen wird, dass sie auch für den Durchschnittsverbraucher erschwinglicher und eine praktikable Option werden.

 

Bildquelle: Pixabay

Talin Tara Aktas, Digistainable 2019

 

 

Quellen: 

BMU. 2021. Wie umweltfreundlich sind Elektroautos? Zarbock GmbH & Co. KG. Frankfurt am Main.

Giansoldati Marco, Adriana Monte, Mariangela Scorrano. 2020. Barriers to the adoption of electric cars: Evidence from an Italian survey. Energy Policy. Science Direct. Elsevier.


Von Einhörnern und Zebras

Von Einhörnern und Zebras: Nachhaltigkeit in der Startup-Szene

 

Die Bezeichnung „Unicorn“ (deutsch: Einhorn) für ein Startup, dessen Marktwert mehr als eine Milliarde US-Dollar beträgt, dürfte vielen Menschen bekannt sein. Schnelles Wachstum und große Exits stehen im Fokus und werden sowohl von Investoren als auch von den Medien belohnt. In den letzten Jahren ist die zoologische Vielfalt in der Startup-Szene jedoch gewachsen: die Zebra-Startups traten an die Bildoberfläche. Doch was hat es damit auf sich?

 

Kritik am Venture-Capital System

Als Zebras werden Startups bezeichnet, die nachhaltig wachsen möchten und dabei soziale bzw. ökologische Ziele verfolgen. Gestartet ist die Zebra-Bewegung in den USA. Ein von den Gründerinnen Astrid Scholz, Mara Zepeda, Jennifer Brandel und Aniyia Williams verfasster Artikel mit dem Titel „Zebras Fix What Unicorns Break“ kritisiert das kaputte Venture-Capital-System. Sie bemängeln, dass Quantität statt Qualität, schnelle Exits statt nachhaltigem Wachstum und Aktionärsgewinn statt Gemeinwohl im Fokus stehen. Dabei wird Unicorns hinterhergejagt, die auf "Disruption" aus sind, anstatt Unternehmen zu unterstützen, die reparieren, kultivieren und verbinden. Ihre Definition von Zebras lautet: „Zebra-Unternehmen sind sowohl schwarz als auch weiß: Sie sind profitabel und verbessern die Gesellschaft. Sie werden das eine nicht für das andere opfern.“

 

Es geht nicht nur um Investments

Doch nicht nur, dass häufiger in Startups investiert wird, die auf schnelles Wachstum aus sind, kritisieren die Autorinnen. Sie zeigen auch auf, dass Geschäftsmodelle der erste Dominostein in einer Reihe von Konsequenzen sind, und, dass ein Geschäftsmodell allein schon eine Botschaft sendet und Verhalten erzeugt, welches in großem Umfang zu weitreichenden, manchmal destruktiven Ergebnissen führen kann. Als Beispiele werden der Missbrauch von Facebook zur Verbreitung von Fakenews sowie Uber, welches unter anderem eine toxische Arbeitskultur toleriert, genannt.

Aus Geschäftsmodellen ergeben sich die Unternehmenskultur, Überzeugungen, Erfolgsstrategien, die Erfahrungen der Nutzer und letztlich die Gestaltung der Gesellschaft. Die Autorinnen glauben, dass alternative Geschäftsmodelle ein Gleichgewicht zwischen Profit und Zweck schaffen werden, sich für Demokratie einsetzen und einen Schwerpunkt auf das Teilen von Macht und Ressourcen legen. So kann eine gerechtere und verantwortungsvollere Gesellschaft geschaffen werden.

 

Warum Zebras?

Verschiedene Gründe sprechen für das Zebra als Symbol für die alternativen Geschäftsmodelle:

  1. Im Gegensatz zu Einhörnern sind Zebras real.
  2. Zebras sind sowohl schwarz als auch weiß – sowohl profitabel als auch Gesellschaft-verbessernd.
  3. Zebras sind Herdentiere. Sie schließen sich in Gruppen zusammen, schützen und erhalten sich gegenseitig. Ihr individueller Input führt zu einem stärkeren kollektiven Output.
  4. Zebras verfügen über eine unvergleichliche Ausdauer und Zebra-Startups erweitern dies um eine hohe Kapitaleffizienz, solange die Bedingungen ihr Überleben ermöglichen.

 

Eine Gegenüberstellung zwischen Einhörnern und Zebra-Startups zeigt das folgende Bild:

Entwicklung der Zebra-Bewegung

Seit Erscheinen des Artikels hat sich die Startup-Szene weiterentwickelt. Zwar hat sich der Begriff des Zebras im Unternehmenskontext noch nicht so stark durchgesetzt, wie der des Unicorns, dennoch ist festzustellen, dass der „Trend“ Nachhaltigkeit sowohl bei vielen Konsumenten als auch bei Investoren langsam anzukommen scheint. Dies wird auch anhand der Initiative Zebras Unite  deutlich, die mittlerweile in sogenannten „Chaptern“ auf der ganzen Welt vertreten ist. Und auch die Corona-Krise hat mehr als deutlich gemacht, dass gemeinschaftliches Handeln und das Übernehmen von gesellschaftlicher Verantwortung wichtiger sind denn je – und Zebra-Unternehmen können einen großen Teil dazu beitragen.

 

Bildquelle: Pixabay

Antonia von der Beeck, Digistainable 2019

 


Social Entrepreneurship – Ein Bindeglied zwischen Wirtschaft und Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit und Wirtschaft schließen sich auf den ersten Blick aus. Während es bei Nachhaltigkeit häufig um Verzicht geht, ist unsere kapitalistische Wirtschaft vom Streben nach Konsum, Gewinn- und Nutzenmaximierung geprägt. Ein Konzept, dass eine Brücke zwischen beiden Welten herstellt und damit eine Anlaufstelle für viele gesellschaftliche Fragen bietet, ist die Bewegung des Social Entrepreneurships.

 

Nachhaltigkeit und Wirtschaft – wie passt das zusammen?

Wenn man sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, beginnt man schnell, bestehende Wirtschaftsmechanismen zu hinterfragen. Das Streben nach stetigem Wachstum und steigende Erträge ist für Unternehmen entscheidend, um überlebensfähig zu sein und im Wettbewerb zu bestehen. Es geschieht jedoch häufig zulasten der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit. Unternehmen verschmutzen unsere Umwelt, Ressourcen werden schneller verbraucht, als sie regenerieren können und soziale Missstände und Ungleichheiten werden z.B. durch unfaire Bezahlung, weiter ausgebaut. Im Vordergrund stehen die Effizienz und Nutzenmaximierung.

Gleichzeitig versetzt uns der durch unsere Wirtschaft geschaffene Wohlstand in die Lage, uns mit eben diesen Themen zu beschäftigen. Bei uns geht es nichtmehr um das Überleben und die Nahrungsbeschaffung. Stattdessen haben wir den Luxus, uns mit uns selbst und den Konsequenzen unseres Handelns auseinander setzten zu können – und angesichts der teilweisen prekären Lage, in die wir uns gebracht haben, auch die Pflicht dazu, betrachtet man z.B. den Klimawandel. Als Folge dessen werden Umweltprobleme zunehmend thematisiert und rücken in das Umwelt- und Konsumbewusstsein der Gesellschaft.

 

Welche Rolle spielt dabei das Social Entreprenuership?

Eine Brücke zwischen der klassischen Wirtschaftswelten und den Umweltschützern und Gesellschaftsaktivisten bildet die Bewegung des Social Entrepreneurship. Darin setzen es sich Gründer oder Unternehmen zum Ziel, gesellschaftliche Probleme unternehmerisch anzugehen und zu lösen.

Im Rahmen einer Forschungsarbeit hat sich mein Projektteam mit dem Thema Social Entrepreneurship auseinandergesetzt. Im Fokus steht dabei das Thema Wirkungsmessung. Diese hilft den Unternehmen, ihren Impact auf die Umwelt zu analysieren und so gezielt Maßnahmen zu ergreifen, diesen zu verbessern. Sei es nun, negative Auswirkungen, wie z.B. CO2 Emissionen zu minimieren, oder positive Wirkungen zu maximieren. Dies kann auch bedeuten, andere Marktteilnehmer zu ermöglichen, Methoden oder Geschäftskonzepte zu kopieren oder zu adaptieren, sodass diese ebenfalls bestehenden Missstände entgegenwirken.

Die aktuelle Fachliteratur beschäftigt sich häufig mit dem wie, da die Wirkungsmessung ein sehr komplexes Konstrukt ist und viele, teilweise unbekannte und nicht eindeutige Wirkungszusammenhänge bestehen. Auch die mit der Wirkungsmessung einhergehenden Herausforderungen, wie z.B. die Methodenauswahl oder Ressourcenprobleme werden viel beleuchtet und Lösungsansätze gesucht.

In unserer Forschungsarbeit haben wir verschiedene Unternehmen nach den positiven Auswirkungen der Wirkungsmessung befragt und wie sie davon profitieren. Dabei konnten viele spannende Erkenntnisse generiert werden. Die Ergebnisse des Projektes haben wir in einem Whitepaper zusammengefasst und mit der Holistic Foundation veröffentlicht. Neben grundlegende Informationen zum Thema Wirkungsmessung sind darin die wichtigsten Tipps zur Implementierung zu finden. Bei wem nun das Interesse geweckt wurde: Hier geht es zum Link.

 

Was macht die Menschen aus, die in den Social Enterprises arbeiten?

Das spannendsten an diesem Projekt waren die Interviews mit den jeweiligen Gründern oder Mitarbeitern der For-Profit Social Enterprises selber. Wir haben mit insgesamt sieben inspirierenden Personen aus sechs Unternehmen gesprochen, die in unterschiedlichen Branchen tätig sind.

Das alte Öko-Vorurteil von einer Person mit ungewaschenen Haaren, abgelatschten Sandalen und kratziger Bio-Kleidung könnte dabei nicht ferner sein. Vielmehr sind uns sehr motivierte, aufgeschlossene und moderne junge Menschen begegnet. Sie alle vereint der Wille zu einem nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen. Die Selbstreflexion des eigenen Handelns und der Wunsch nach stetiger Verbesserung und sinnstiftender Arbeit steht für sie im Zentrum.

Im Rahmen der Interviews haben wir tolle Einblicke in unterschiedliche Geschäftsmodelle erhalten und festgestellt, wie viel Anstrengungen und welche Vielschichtigkeit und Komplexität hinter den Unternehmungen stehen. Sie alle haben kleinere oder größere Herausforderungen auf dem Weg zur Nachhaltigkeit. Was die Social Enterprises aber von anderen Marktteilnehmern unterscheidet ist, dass sie sich mit den unbequemen Fragen auseinandersetzten und den Mut und die Entschlossenheit aufbringen, diese Themen anzugehen.

 

Welche Chancen bietet die Bewegung des Social Entrepreneurship?

Ich persönlich sehe in dem Konzept des Social Entrepreneurships eine ganz neue Chance, unsere Arbeitswelt zu revolutionieren. Angefangen bei dem Impact, den unsere Wirtschaft auf die Umwelt und Gesellschaft hat, bis hin zur Einstellung, welche Aufgabe und welchen Stellenwert die Arbeit selbst in unserem Leben einnimmt.

Der Kapitalismus hat uns viel Wohlstand gebracht. Nun gilt es aber, statt nach noch mehr Konsum und Reichtümern zu streben, diesen Wohlstand mit anderen zu teilen. Wir müssen unser Wirtschaftssystem dahingehend verändern und es nutzen, dass Umwelt und Gesellschaft gleichermaßen davon profitieren. Im Gegenzug dafür erhalten wir ein Geschenk was viel besser ist als Konsum: Das Gefühl, einer wirklich sinnstiftenden Aufgabe nachzugehen. Ganz nach dem Ansatz des Social Entrepreneurship.

Photo by Ian Schneider on Unsplash

 

Anna Zeller, Digistainable 2019


Social Entrepereneurship – Whitepaper zum Thema Wirkungsmessung in For-Profit Social Enterprises

Im Zuge gesellschaftlicher Entwicklungen und ökologischer Herausforderungen ist es für Unternehmen immer wichtiger, ihre Wirkung auf die Umwelt zu kennen und beschreiben zu können. Darum hat sich unser Projektteam, bestehend aus Jérôme Cron, Sophia Bartsch und mir, Anna Zeller, im Rahmen des Forschungsprojektes II mit dem Thema Wirkungsmessung in For-Profit Social Enterprises auseinandergesetzt. Neben den Herausforderungen lag der Fokus der Arbeit auf den positiven Auswirkungen der Wirkungsmessung mit dem Ziel, die bestehende Forschungslücke zu schließen und Unternehmen fundierte Gründe für die Wirkungsmessung aufzuzeigen. Neben einer umfassenden Forschungsarbeit ist das Ergebnis dieses Projektes ein Whitepaper, das die wichtigsten Erkenntnisse anschaulich zusammenfasst und wertvolle Tipps zum Thema Wirkungsmessung bereitstellt.

In Kooperation mit der Holistic Foundation veröffentlicht, möchten wir es natürlich auch hier im digitalsustainable Blog teilen. Hier geht es zum Download: Link. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen! Whitepaper Wirkungsmessung in For-Profit Social Enterprises


Vegan für die Umwelt

Ist eine vegane Ernährung für die Umwelt besser?

Diese Frage beantworten Viele von uns pauschal mit einem Ja. Auf diversen Blogpost stoßen wir immer wieder auf die Aussage, dass eine vegane Ernährung umweltschonender sei als eine fleischhaltige oder vegetarische Ernährung. Befeuert wird dies durch Dokumentationen auf Netflix wie z. B. „Game Changers“ und „What the Health“. Der Veganimus ist inzwischen längst keine Seltenheit mehr. In vielen Lebensmittelgeschäften sind immer mehr vegane Alternativen zu finden. Doch nicht nur die vegane Ernährung gewinnt an Beliebtheit. Im Rahmen des aktuellen Sport- und Fitnesstrends steigen auch Angebot und Nachfrage von proteinreichen Produkten. Im Supermarkt sind viele Lebensmittel mit einer extra Portion Protein bereichert worden, wie z. B. den „High Protein“ Schokoladen-Pudding oder das „Protein-Brot“. Und genau diese beiden Food-Trends haben wir uns in Kombination angeschaut.

Wir haben uns im Rahmen des Forschungsprojekts die Frage gestellt, ob eine vegane Ernährung unter der Prämisse des gleichen Proteinlevels umweltschonender ist. Als Parameter haben wir geringe Treibhausgas-Emissionen und einen niedrigeren Wasser-Fußabdruck definiert.

Im Rahmen einer ausführlichen Literatur Review haben wir herausgefunden, dass es zu dieser Frage tatsächlich noch keine ausreichend erforschte Antwort gibt. Daraufhin haben wir selbst für unterschiedliche Lebensmittel berechnet, wie hoch die Treibhausgas-Emissionen [in kg CO2e] und der Wasser-Fußabdruck [m3 pro Tonne] je aufnehmbares Gramm Protein sind.

Die drei „besten“ Lebensmittel aus unserer Analyse in Bezug auf THG-Emissionen waren Erbsen, Erdnüsse und Kartoffeln. Unter Betrachtung des Wasser-Fußabdrucks sind Erbsen, Geflügelfleisch und Käse an der Spitze der Auswertung.

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass es unter Betrachtung des Wasser-Fußabdrucks besser für die Umwelt ist, Geflügelfleisch und Käse zu essen anstatt Erdnüsse. Es zeigt exemplarisch, dass eine vegane Ernährung nicht zwangsläufig eine Verbesserung des Klimas herbeiführt, sondern ggf. nur eine Verschiebung von geringeren THG-Emissionen zu einem höheren Wasser-Fußabdruck.

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass viele pflanzliche Lebensmittel weniger Protein enthalten und dementsprechend mehr von ihnen konsumiert werden müsste, um den Proteinbedarf zu decken. Dies wird auch als direkter Rebound-Effekt bezeichnet und bewirkte in Bezug auf unsere Analyse, dass teilweise sogar Fleisch (trotz hoher THG-Emissionen) besser geeignet war, um den Proteinbedarf umweltfreundlich zu decken als z. B. Reis oder Sojamilch.

 

Zusammenfassend können wir festhalten, dass eine rein pflanzliche Ernährung, gemessen an den THG-Emissionen und dem Wasser-Fußabdruck unter Einbezug des Proteinlevels nicht grundsätzlich umweltschonender als eine omnivore Ernährungsweise ist. Vielmehr kommt es darauf an, welche Lebensmittel konsumiert werden.

Doch auf was können wir als Konsumenten achten?

Bei unseren Kaufentscheidungen sollten wir nicht nur ausschließlich auf Treibhausgas-Emissionen achten, sondern auch den Wasser-Fußabdruck berücksichtigen. Weiterhin können wir beim Kauf von Lebensmitteln stets auf deren Herkunft achten und wasserknappe Regionen für Lebensmittel, die in ihrer Produktion wasserintensiv sind, zu meiden. Konkret bedeutet dies z. B., dass Avocados lieber aus Brasilien statt aus Chile gekauft werden sollten. Diese Empfehlung sollte jedoch nicht als pauschale Kaufaufforderung für ausschließlich regionale Produkte verstanden werden, denn auch hier können je nach Produkt hohe Wasserverbräuche auftreten.

Neben der Herkunft beeinflusst vor allem die Anbauweise, ökologisch oder nicht-ökologisch, die Umwelteinflüsse pflanzlicher Lebensmittel. Daher empfiehlt es sich auch bei tierischen Produkten diese aus ökologischer Haltung zu erwerben.

Und das Wichtigste zum Schluss: Mehr Erbsen essen! 😉

Bild von Pixabay(Jill Wellington)

 

Kristina Verhasselt, Digistainable 2019


Working @ Home

Working@home – Ein Forschungsprojekt in Zeiten von der ersten Corona-Welle

Mit Beginn der ersten Corona-Welle im April 2020 befand sich plötzlich die ganze Welt in einem unfreiwilligen und ungeplanten Homeoffice-Experiment. Diesen Moment haben wir genutzt, um die rasanten Änderungen in der Arbeitswelt und dessen Auswirkungen genauer zu erforschen.

Wir haben uns das Ziel gesetzt die gewonnen Erkenntnisse aus unserer Literatur-Recherche mit den aktuellen Herausforderungen von Homeoffice während der Corona-Pandemie abzugleichen und bestehende Annahmen zu überprüfen. Unter Homeoffice haben wir in unserer Forschung das Arbeiten von Zuhause untersucht und das mobile Arbeiten ausgeschlossen.

 

Aus unserer Literatur-Recherche haben wir fünf Dimensionen definiert, welche bei der Umsetzung von Homeoffice beachtet werden müssen. Diese sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, technische Voraussetzungen, Führung & HR, virtuelle Zusammenarbeit und die individuelle Arbeitsleistung. In unserer Forschung haben wir Hypothesen zu den Bereichen individuelle Zufriedenheit, individuelle Arbeitsleistung und virtuelle Zusammenarbeit formuliert. Um diese Hypothesen zu überprüfen haben wir eine quantitative Umfrage mit 385 relevanten Teilnehmern durchgeführt.

Aus unserer Forschung geht hervor, dass eine gute technische Ausstattung sowie eine gute Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben die Zufriedenheit im Homeoffice signifikant erhöht. Weiterhin wirkt sich das Arbeiten von Zuhause positiv auf die Produktivität und die Arbeitsleistung aus. Allerdings zieht das Arbeiten von Zuhause auch Einschränkungen in Bezug auf die Zusammenarbeit im Team mit sich. Diesem Effekt kann entgegengewirkt werden, wenn das Vertrauen im Team hoch ist und ein guter sozialer sowie professioneller Austausch stattfindet.

Eine überraschende Erkenntnis war außerdem, dass lediglich zehn Prozent der Befragten unzufrieden mit der aktuellen Situation im Homeoffice sind. Viele möchten auch nach der Corona-Pandemie regelmäßig von Zuhause arbeiten.

Aus unserer Forschung ließ sich schlussfolgern, dass die Kombination aus Homeoffice und Arbeiten im Büro am erfolgreichsten in Bezug auf die Zusammenarbeit im Team und die individuelle Arbeitsleistung sein wird. Idealerweise sollten feste Team- und Homeoffice-Tage eingeführt werden. Team- Tage können im Büro dazu genutzt werden, den regelmäßigen Austausch untereinander aufrecht zu erhalten, während an den Homeoffice-Tagen produktiv von Zuhause gearbeitet werden kann.

Hinweis: Die Auswertung der Umfrage im Rahmen dieser Projektarbeit ist nur als erste Stichprobe und Zwischenstand zu verstehen und ist nicht repräsentativ für die gesamten Personen, die während der Corona-Pandemie im Homeoffice arbeiten.

Bild von Pixabay

 

Katharina Körber, Digistainable 2019


Digital Lounge

Nach einer längeren Pause, war es am 07. April 2021 wieder soweit und die 5. Digital Lounge des Masterstudiengangs Digital Transformation and Sustainability hat stattgefunden. In Zeiten von Corona selbstverständlich vollumfänglich digital und unter dem Motto Connecting the Dots. Neben Vorträgen der Studierenden über ihre Forschungsprojekte, hielt Christoph Quarch, Philosoph und Autor, eine inspirierende Keynote über die Verschränkung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Dem Motto des Abends folgend, gab es zunächst einen Vortrag aus dem Bereich der Nachhaltigkeit, anschließend folgte ein Vortrag aus dem Bereich Digitalisierung und beide Themen wurden dann durch die Keynote sowie einer weiteren Projektvorstellung durch die Studierenden miteinander verknüpft. Durch den Abend haben Annabelle Dirks, Susanne Engelhardt und Katharina Körber geführt.

Nachhaltigkeit – Anna Zeller und Jérôme Cron stellten das Projekt Wirkungsmessung in
For-Profit Social Enterprises
vor. Dabei zeigten sie auf, warum das Thema Wirkungsmessung so relevant für gesellschaftlich engagierte Unternehmen ist und in welchen Bereichen die Ergebnisse helfen können. Die Kenntnis über die Ergebnisse der eigenen Bemühungen kann helfen, den eigenen Impact zu verbessern, in der Unternehmenskommunikation eingesetzt werden und so die Kundenbindung stärken als auch die Motivation der Mitarbeiter erhöhen. Wer mehr erfahren möchte, kann sich hier das Whitepaper des Projektteams anschauen.

Digitalisierung – Antonia von der Beek und Saskia Harger haben das Forschungsprojekt zur Ambidextrie in Krisenzeitenvorgestellt. Ambidextrie steht für Beidhändigkeit und meint in diesem Zusammenhang die Fähigkeit von Unternehmen, trotz kurzfristiger notwendiger Aktivitäten zur Sicherung des bestehenden Geschäfts, auch Ressourcen für die Weiterentwicklung oder Neuorientierung bereitzustellen. In ihrer Forschung haben die Studierenden Einblicke in die unterschiedlichsten Unternehmen erhalten und konnten die Erfolgsfaktoren Kapital, Flexibilität, Vertrauen und Mitarbeiter herausarbeiten. Die Coronakrise hat dabei sowohl Defizite aufgedeckt als auch neue Impulse gesetzt.

Digitalisierung & Nachhaltigkeit – Zunächst hielt Christoph Quarch seine Keynote zur Verknüpfung der beiden Themen. Hierbei zeigte er die oft vergessenen Auswirkungen der zunächst immateriellen Digitalwirtschaft auf. Denn auch, wenn die Digitalwirschaft Wertschöpfung durch Nutzbarmachung der nicht-materiellen Ressource Daten betreibt, erfordert die Digitalisierung einen außerordentlich hohen Verbrauch physischer Ressourcen. Und auch die menschliche Psyche leidet unter der grenzenlosen Datengenerierung und –verarbeitung. Wie also kann eine Lösung aussehen? Nach Christoph Quarch ist dazu ein neues ökonomisches Paradigma sowie ein anderes Mindset, eines, das der Digitalisierung geistige Grenzen setzt, notwendig.

Abschließend haben Lena Becker, Julia Rahn und Marie-Lou Beth das Forschungsprojekt Digitale Plattform für Second-Life Batteriespeicher vorgestellt. Das Second-Life einer Batterie, kann sich an die Erstnutzung im Elektroauto anschließen, da diese bereits bei einer Kapazität von ca. 80% der ursprünglichen Speicherfähigkeit endet. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden potentielle Kund:innen befragt, diese zeigten sich interessiert und äußerten Bedürfnisse, Anforderungen aber auch Bedenken. Die Studierenden zeigten auf, dass die Umsetzung einer solchen Plattform positive Auswirkungen auf die Energie- und Mobilitätswende haben könnte und ein weiterer Baustein der Kreislaufwirtschaft ist.

Zur Auflockerung des digitalen Formats, hat das Organisations-Team der Studierenden interaktive Quizblöcke zu den Sustainable Development Goals veranstaltet. Dadurch konnten die Zuhörenden ihr Wissen zu Themen wie dem Armutsaufkommen, der Verteilung von Analphabet:innen und dem Anteil erneuerbarer Energien testen. Letzterer wurde deutlich unterschätzt, so dass die meisten eine wohl positive Überraschung erlebten.

Im Anschluss gab es die Möglichkeit Fragen zu den Vorträgen zu stellen und zu diskutieren. Hierbei wurde darüber diskutiert, welche Impulse es braucht, damit Nachhaltigkeit umgesetzt wird und ob diese vom Individuum ausgehen müssen oder die Verantwortung doch auf der institutionellen Ebene liegt. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden und die spannende Diskussion.

Falls Sie ein tiefergehendes Interesse an den Themen Digitalisierung & Nachhaltigkeit oder an unserem Studiengang haben, dann folgen Sie uns auf LinkedIn oder auf Instagram (@digistainables).

 

 

Marie-Lou Beth, Digistainable 2019


Meine Woche als Gründer

Es ist zehn Uhr an einem sonnigen Samstagmorgen - wir stehen nach einer anstrengenden Woche mit unserem Pitchdeck für unsere Nachhaltigkeitsapp SUSH im Seminarraum der HSBA. Ein Pitchdeck, das sind die Präsentationsfolien eines Start-Up Gründers, mithilfe welcher dieser Investoren von seinem Start-Up überzeugen möchte. Wie sind wir bis dahin gekommen? Wir haben uns für das Modul Intrapreneurship der Digital Toolbox angemeldet und wollten ein wenig Gründerluft schnuppern.  

Ganz am Anfang eines Startups muss es ein Problem geben. Einen sogenannten needwelcher gelöst werden muss und dabei obendrein noch in einer Art und Weise, die sich rentiert. Genau damit haben wir uns am Montag und Dienstag im Rahmen eines Design Thinking Workshops beschäftigt. Hier haben wir mithilfe verschiedenster Methoden wie der Erstellung von Personas, Segmentierung von potenziellen Kunden und Brainwriting versucht, im ersten Schritt ein Problem zu verstehen und im zweiten Schritt Ideen zu kreieren, wie sich dieses Problem lösen lässt. Das Ergebnis unseres Design Thinking Workshops zum Thema Kauf von nachhaltigeren Lebensmittelprodukten im Supermarkt war es, dass der Kunde im Moment der Kaufentscheidung häufig nicht die Informationen zur Verfügung hat, welche dieser benötigt, um sich für die CO2 reduzierte Option zu entscheidenDarüber hinaus können wir nicht tracken, wie viel CO2 wir durch unseren Konsum verbrauchen. Aus diesem Grund wollten wir eine App namens SUSH entwickeln, welche genau das ermöglicht.  

Eine Erkenntnis möchte ich euch mitgeben, die mir insbesondere während der ersten beiden Tage gekommen ist: Wir sind durch die Art und Weise wie wir arbeiten nicht mehr gewohnt, ein Problem wirklich zu verstehen, sondern versuchen immer sofort in Lösungen denken. Um bis zu dem Kern eines Problems zu gelangen, ist es häufig hilfreich, sich selbst mehrmals die gleiche Frage zu stellen. So beginnt man damit zu fragen „Was ist das Problem?“. Anschließend sollte man sich dann fragen „Warum ist das genau ein Problem?. Wenn man darauf eine Antwort hat, muss man wieder fragen „Warum ist das ein Problem?“ und anschließend wieder „Warum ist das ein Problem?“. Auf diese Weise gelangt man durch mehrere Iterationen vom offensichtlichen und sichtbaren Problem auf den Kern und damit häufig die Ursache des Problems. Probiert es selbst mal aus! 

Aber nun zurück zu unserer App. Nachdem wir uns für die App entschieden hatten, haben wir am Mittwoch und Donnerstag an dem Prototyp gearbeitet. Dabei haben uns folgende Fragen begleitet: 

  • Wie soll die App aussehen?  
  • Wie soll diese funktionieren?  
  • Wie können wir die Idee am besten einem Investor verkaufen?  

Parallel dazu haben wir eine Echtzeit-Onlineumfrage mit über 1000 Personen zur Idee unserer App durchgeführt. Die Idee wurde von den Teilnehmern sehr positiv bewertet. Doch was wir im Laufe der Woche von diversen Venture Capital Firmen hörten war: Eine gute Idee haben viele, aber die Herausforderung besteht darin, von einer Idee zu einem rentablen Geschäftsmodell zu kommen, welches sich am Markt etabliert. Dort scheitern die meisten. 

Freitagmorgen haben wir uns dann dem Storytelling gewidmetDas bedeutet wir haben uns damit beschäftigt, wie man eine gute Geschichte erzählt und wie man überzeugend präsentiert. Dabei haben wir gute Vorträge von unter anderem Steve Jobs analysiert. Der Nachmittag und die Abendstunden gehörten dann dem Business Model. Dabei kamen fragen hoch wie: 

  • Wie machen wir die App rentabel?  
  • Welche Kosten haben wir?  
  • Welchen Revenue Stream haben wir?  
  • Was sind unsere KundenPartner und Konkurrenten?  

Natürlich alles sehr skizzenhaft. In ein paar Stunden entwickelt man in der Regel kein funktionierendes Geschäftsmodell. Dennoch war es lange genug, um einen Eindruck davon zu bekommen, womit man sich als Gründer alles beschäftigen muss. 

Nun sind wir am besagten Samstagmorgen angekommen – wir stehen kurz vor unserem Pitch. Wir sind als dritte Gruppe dran und pitchen. Unser Pitch besteht aus einem kurzen Intro, welches den need unserer App aufzeigen sollte. Anschließend wird die Funktionsweise und das grobe Layout unserer App vorgestellt. Darauf aufbauend wird das Marktpotenzial, die Kostenund Umsatzstrukturen und eine Wettbewerbsanalyse präsentiert. Der Pitch schließt mit der Vorstellung unseres Teams sowie einem Call to Action. Eine ganze Menge Inhalte für streng beäugte zehn Minuten. Auch bei uns gilt wie im echten Startup leben: Jede Sekunde im Pitch zählt. Glücklicherweise ist alles gut gelaufen und wir haben unsere Dozenten überzeugen können. 

Insgesamt ist zu diesem Modul zu sagen, dass man in einer Woche ein gutes Bild darüber bekommt, was es heißt ein Unternehmen zu gründen. Darüber hinaus ist das Modul begleitet von vielen spannenden Praxisvorträgen zu aktuellen Themen wie Agilität, Echtzeit Online Befragungen und Geschäftsmodellen von Venture Capital Firmen 

Zum Abschluss gibt es für euch (wie in jedem guten Pitch) noch den Call to Action: Wenn ihr auch Lust darauf habt ein wenig Gründerluft zu schnuppern oder euch in anderen Themen praxisnah weiterzubilden, dann schaut gerne mal vorbei. Es lohnt sich auf jeden Fall. 

 

Jérôme CronDigistainable 2019 

Foto: Pixabay © Gerd Altmann