Von Einhörnern und Zebras: Nachhaltigkeit in der Startup-Szene

 

Die Bezeichnung „Unicorn“ (deutsch: Einhorn) für ein Startup, dessen Marktwert mehr als eine Milliarde US-Dollar beträgt, dürfte vielen Menschen bekannt sein. Schnelles Wachstum und große Exits stehen im Fokus und werden sowohl von Investoren als auch von den Medien belohnt. In den letzten Jahren ist die zoologische Vielfalt in der Startup-Szene jedoch gewachsen: die Zebra-Startups traten an die Bildoberfläche. Doch was hat es damit auf sich?

 

Kritik am Venture-Capital System

Als Zebras werden Startups bezeichnet, die nachhaltig wachsen möchten und dabei soziale bzw. ökologische Ziele verfolgen. Gestartet ist die Zebra-Bewegung in den USA. Ein von den Gründerinnen Astrid Scholz, Mara Zepeda, Jennifer Brandel und Aniyia Williams verfasster Artikel mit dem Titel „Zebras Fix What Unicorns Break“ kritisiert das kaputte Venture-Capital-System. Sie bemängeln, dass Quantität statt Qualität, schnelle Exits statt nachhaltigem Wachstum und Aktionärsgewinn statt Gemeinwohl im Fokus stehen. Dabei wird Unicorns hinterhergejagt, die auf „Disruption“ aus sind, anstatt Unternehmen zu unterstützen, die reparieren, kultivieren und verbinden. Ihre Definition von Zebras lautet: „Zebra-Unternehmen sind sowohl schwarz als auch weiß: Sie sind profitabel und verbessern die Gesellschaft. Sie werden das eine nicht für das andere opfern.“

 

Es geht nicht nur um Investments

Doch nicht nur, dass häufiger in Startups investiert wird, die auf schnelles Wachstum aus sind, kritisieren die Autorinnen. Sie zeigen auch auf, dass Geschäftsmodelle der erste Dominostein in einer Reihe von Konsequenzen sind, und, dass ein Geschäftsmodell allein schon eine Botschaft sendet und Verhalten erzeugt, welches in großem Umfang zu weitreichenden, manchmal destruktiven Ergebnissen führen kann. Als Beispiele werden der Missbrauch von Facebook zur Verbreitung von Fakenews sowie Uber, welches unter anderem eine toxische Arbeitskultur toleriert, genannt.

Aus Geschäftsmodellen ergeben sich die Unternehmenskultur, Überzeugungen, Erfolgsstrategien, die Erfahrungen der Nutzer und letztlich die Gestaltung der Gesellschaft. Die Autorinnen glauben, dass alternative Geschäftsmodelle ein Gleichgewicht zwischen Profit und Zweck schaffen werden, sich für Demokratie einsetzen und einen Schwerpunkt auf das Teilen von Macht und Ressourcen legen. So kann eine gerechtere und verantwortungsvollere Gesellschaft geschaffen werden.

 

Warum Zebras?

Verschiedene Gründe sprechen für das Zebra als Symbol für die alternativen Geschäftsmodelle:

  1. Im Gegensatz zu Einhörnern sind Zebras real.
  2. Zebras sind sowohl schwarz als auch weiß – sowohl profitabel als auch Gesellschaft-verbessernd.
  3. Zebras sind Herdentiere. Sie schließen sich in Gruppen zusammen, schützen und erhalten sich gegenseitig. Ihr individueller Input führt zu einem stärkeren kollektiven Output.
  4. Zebras verfügen über eine unvergleichliche Ausdauer und Zebra-Startups erweitern dies um eine hohe Kapitaleffizienz, solange die Bedingungen ihr Überleben ermöglichen.

 

Eine Gegenüberstellung zwischen Einhörnern und Zebra-Startups zeigt das folgende Bild:

Entwicklung der Zebra-Bewegung

Seit Erscheinen des Artikels hat sich die Startup-Szene weiterentwickelt. Zwar hat sich der Begriff des Zebras im Unternehmenskontext noch nicht so stark durchgesetzt, wie der des Unicorns, dennoch ist festzustellen, dass der „Trend“ Nachhaltigkeit sowohl bei vielen Konsumenten als auch bei Investoren langsam anzukommen scheint. Dies wird auch anhand der Initiative Zebras Unite  deutlich, die mittlerweile in sogenannten „Chaptern“ auf der ganzen Welt vertreten ist. Und auch die Corona-Krise hat mehr als deutlich gemacht, dass gemeinschaftliches Handeln und das Übernehmen von gesellschaftlicher Verantwortung wichtiger sind denn je – und Zebra-Unternehmen können einen großen Teil dazu beitragen.

 

Bildquelle: Pixabay

Antonia von der Beeck, Digistainable 2019