Meine Woche als Gründer

Es ist zehn Uhr an einem sonnigen Samstagmorgen - wir stehen nach einer anstrengenden Woche mit unserem Pitchdeck für unsere Nachhaltigkeitsapp SUSH im Seminarraum der HSBA. Ein Pitchdeck, das sind die Präsentationsfolien eines Start-Up Gründers, mithilfe welcher dieser Investoren von seinem Start-Up überzeugen möchte. Wie sind wir bis dahin gekommen? Wir haben uns für das Modul Intrapreneurship der Digital Toolbox angemeldet und wollten ein wenig Gründerluft schnuppern.  

Ganz am Anfang eines Startups muss es ein Problem geben. Einen sogenannten needwelcher gelöst werden muss und dabei obendrein noch in einer Art und Weise, die sich rentiert. Genau damit haben wir uns am Montag und Dienstag im Rahmen eines Design Thinking Workshops beschäftigt. Hier haben wir mithilfe verschiedenster Methoden wie der Erstellung von Personas, Segmentierung von potenziellen Kunden und Brainwriting versucht, im ersten Schritt ein Problem zu verstehen und im zweiten Schritt Ideen zu kreieren, wie sich dieses Problem lösen lässt. Das Ergebnis unseres Design Thinking Workshops zum Thema Kauf von nachhaltigeren Lebensmittelprodukten im Supermarkt war es, dass der Kunde im Moment der Kaufentscheidung häufig nicht die Informationen zur Verfügung hat, welche dieser benötigt, um sich für die CO2 reduzierte Option zu entscheidenDarüber hinaus können wir nicht tracken, wie viel CO2 wir durch unseren Konsum verbrauchen. Aus diesem Grund wollten wir eine App namens SUSH entwickeln, welche genau das ermöglicht.  

Eine Erkenntnis möchte ich euch mitgeben, die mir insbesondere während der ersten beiden Tage gekommen ist: Wir sind durch die Art und Weise wie wir arbeiten nicht mehr gewohnt, ein Problem wirklich zu verstehen, sondern versuchen immer sofort in Lösungen denken. Um bis zu dem Kern eines Problems zu gelangen, ist es häufig hilfreich, sich selbst mehrmals die gleiche Frage zu stellen. So beginnt man damit zu fragen „Was ist das Problem?“. Anschließend sollte man sich dann fragen „Warum ist das genau ein Problem?. Wenn man darauf eine Antwort hat, muss man wieder fragen „Warum ist das ein Problem?“ und anschließend wieder „Warum ist das ein Problem?“. Auf diese Weise gelangt man durch mehrere Iterationen vom offensichtlichen und sichtbaren Problem auf den Kern und damit häufig die Ursache des Problems. Probiert es selbst mal aus! 

Aber nun zurück zu unserer App. Nachdem wir uns für die App entschieden hatten, haben wir am Mittwoch und Donnerstag an dem Prototyp gearbeitet. Dabei haben uns folgende Fragen begleitet: 

  • Wie soll die App aussehen?  
  • Wie soll diese funktionieren?  
  • Wie können wir die Idee am besten einem Investor verkaufen?  

Parallel dazu haben wir eine Echtzeit-Onlineumfrage mit über 1000 Personen zur Idee unserer App durchgeführt. Die Idee wurde von den Teilnehmern sehr positiv bewertet. Doch was wir im Laufe der Woche von diversen Venture Capital Firmen hörten war: Eine gute Idee haben viele, aber die Herausforderung besteht darin, von einer Idee zu einem rentablen Geschäftsmodell zu kommen, welches sich am Markt etabliert. Dort scheitern die meisten. 

Freitagmorgen haben wir uns dann dem Storytelling gewidmetDas bedeutet wir haben uns damit beschäftigt, wie man eine gute Geschichte erzählt und wie man überzeugend präsentiert. Dabei haben wir gute Vorträge von unter anderem Steve Jobs analysiert. Der Nachmittag und die Abendstunden gehörten dann dem Business Model. Dabei kamen fragen hoch wie: 

  • Wie machen wir die App rentabel?  
  • Welche Kosten haben wir?  
  • Welchen Revenue Stream haben wir?  
  • Was sind unsere KundenPartner und Konkurrenten?  

Natürlich alles sehr skizzenhaft. In ein paar Stunden entwickelt man in der Regel kein funktionierendes Geschäftsmodell. Dennoch war es lange genug, um einen Eindruck davon zu bekommen, womit man sich als Gründer alles beschäftigen muss. 

Nun sind wir am besagten Samstagmorgen angekommen – wir stehen kurz vor unserem Pitch. Wir sind als dritte Gruppe dran und pitchen. Unser Pitch besteht aus einem kurzen Intro, welches den need unserer App aufzeigen sollte. Anschließend wird die Funktionsweise und das grobe Layout unserer App vorgestellt. Darauf aufbauend wird das Marktpotenzial, die Kostenund Umsatzstrukturen und eine Wettbewerbsanalyse präsentiert. Der Pitch schließt mit der Vorstellung unseres Teams sowie einem Call to Action. Eine ganze Menge Inhalte für streng beäugte zehn Minuten. Auch bei uns gilt wie im echten Startup leben: Jede Sekunde im Pitch zählt. Glücklicherweise ist alles gut gelaufen und wir haben unsere Dozenten überzeugen können. 

Insgesamt ist zu diesem Modul zu sagen, dass man in einer Woche ein gutes Bild darüber bekommt, was es heißt ein Unternehmen zu gründen. Darüber hinaus ist das Modul begleitet von vielen spannenden Praxisvorträgen zu aktuellen Themen wie Agilität, Echtzeit Online Befragungen und Geschäftsmodellen von Venture Capital Firmen 

Zum Abschluss gibt es für euch (wie in jedem guten Pitch) noch den Call to Action: Wenn ihr auch Lust darauf habt ein wenig Gründerluft zu schnuppern oder euch in anderen Themen praxisnah weiterzubilden, dann schaut gerne mal vorbei. Es lohnt sich auf jeden Fall. 

 

Jérôme CronDigistainable 2019 

Foto: Pixabay © Gerd Altmann


Stewart Brand – eine inspirierende Persönlichkeit

Vor ein paar Wochen habe ich in der ZEIT ein Interview mit Stewart Brand gelesen, welches ich so inspirierend fand, dass ich den amerikanischen Autor und Ökologen hier auf der Website vorstellen möchte.

Für alle, denen der Name genauso wie mir bisher noch nichts sagt: Brand ist mittlerweile 81 Jahre alt, jedoch noch voll und ganz in seiner Arbeit gefangen und ist vielleicht einer der wichtigsten Neudenker und Macher unserer Zeit, wenn es um Klimaschutz und gesellschaftlichen Wandel geht. Bekanntere Gesichter, wie Steve Jobs, Jeff Bezos und Chris Anderson beschreiben ihn als Helden ihrer Generation.

Aber was hat dieser Mann gemacht – und was tut er immer noch – was so heldenhaft ist? Er entwickelt nicht nur Visionen, er setzt sie eine nach der anderen um und hat damit keinen geringeren Anspruch, als unsere Gesellschaft zum Umdenken zu bringen und unseren Planeten zu retten.

In den sechziger Jahren war Brand die treibende Kraft, der Initiator einer Kampagne, die die NASA dazu brachte, Bilder von der Erde aus dem Weltraum zu veröffentlichen. Auf sein Engagement hin wurde das erste Farbfoto unseres Planeten aus dem All geschossen und veröffentlicht (bekannt geworden unter dem Titel „Earthrise“). Brand war der festen Überzeugung, dass die Schönheit des Blauen Planeten, umgeben vom schwarzen Nichts, das Bewusstsein der Menschen verändern würde; dass ihnen klar würde, dass es sich lohnt ihn zu schützen. Später gründete er die Zeitschrift „Whole Earth Catalog“, in dessen Mittelpunkt Themen wie Selbstversorgung, Ökologie, DIY und Alternativpädagogik standen. Steve Jobs bezeichnete das Magazin einst als „Die Bibel unserer Zeit“.

Derzeit arbeitet er an einem seiner vermutlich letzten und wie ich finde unfassbar beeindruckendem Projekt: The Clock of the Long Now (https://longnow.org/clock/). Seit mittlerweile über 25 Jahren arbeiten er, der Informatiker Daniel Hillis, der Musiker Brian Eno und ein Team von Technikern an dieser Uhr, die über 10.000 Jahre lang laufen soll. Die ewig laufende Uhr soll unser Bewusstsein für langfristiges und nachhaltiges Denken (und Handeln) schärfen. Die Notwendigkeit über viele Jahrzehnten und Generationen hinweg zu denken soll uns bewusst gemacht werden, das Augenmerk wird darauf gerichtet, dass was wir heute tun noch in vielen, vielen Jahren Auswirkungen haben wird. „Was schnell geschieht ist nicht so wichtig (…). Was sich hingegen langsam und auf der Ebene der Infrastruktur, der Governance, der kulturellen Veränderung und schließlich der großen Menschheitsmythen und der biologischen Evolution vollzieht, besitzt Realität, Relevanz und Macht“.

Quelle: https://longnow.org/clock/

Ebenso ehrgeizig und visionär ist ein weiteres seiner aktuellen Projekte, dessen Ziel es ist, ausgestorbene Tierarten wie das Wollhaarmammut wiederzubeleben. Auch in diesem Projekt sieht er eine Symbolwirkung und geht davon aus, dass die erfolgreiche Auferstehung der Mammuts etwas tief drinnen in den Menschen auslösen wird. Dass sie verstehen, dass es sich lohnt, sich für unsere Natur einzusetzen und sie zu schützen. Und vor allem auch, dass man etwas tun kann, die Dinge nicht als gegeben hinnehmen sollte!

Abgesehen von Brands Fähigkeit zum Anders-Denken und seinem Mut zum Vorangehen finde ich es äußerst bewundernswert, dass er trotz der intensiven Auseinandersetzung mit Themen wie dem Klimawandel und der Schwerfälligkeit der Menschen einen sehr positiven Blick auf die Dinge behält. So zeigt er sich in dem Interview überzeugt davon, dass wir das Steuer noch herumreißen können, dass unsere Gesellschaft die Fähigkeit und den Willen besitzt, diese Erde (und sich selbst) zu schützen.

Jeder der in seinem Handeln gegen die Krisen unserer Zeit einen Schub Motivation und Hoffnung gebrauchen kann, sollte sich mit dem Leben und der Arbeit dieses Mannes einmal auseinandersetzen.

 

Sophia Bartsch, Digistainable 2019

Foto: Stewart Brand ©Robert Stone


Im Einklang: Digitale Transformation & Nachhaltigkeit

Digitale Transformation und Nachhaltigkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung – für die Gesellschaft, die Politik sowie die Wirtschaft. Häufig werden beide Megatrends in einem Satz genannt. Doch nicht immer führt Digitalisierung automatisch zu mehr Nachhaltigkeit. „Der Rebound-Effekt endet schlimmstenfalls in einer digitalen Wachstumsökonomie. Neben Effizienz ist Suffizienz das Wort der Stunde. Digitalisierung kann ein Weg zu mehr Nachhaltigkeit sein, aber nur wenn die Weichen richtig gestellt werden,“ so Sebastian Backhaus, Experte für nachhaltige Unternehmen, Startups, NGOs, Ministerien und Kommunen.

Die folgenden fünf Beispiele aus dem #SMARTer2030 Report zeigen auf, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit sich erfolgreich vereinen lassen und inwiefern innovative Technologien zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der UN beitragen können. In den Fokus rücken hierbei die SDGs Nummer 7, 9, 11, 12 und 13.

1. Emissionenreduzieren
Dem #SMARTer2030 Report zufolge kann der Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) die globalen CO2-Emissionen bis 2030 effektiv um rund 20 Prozent senken. Dabei wird das durch ICT verursachte Emissionslevel von 2015 gehalten (GeSI 2015, 10). Auf diese Wiese stellen moderne Technologien eine Möglichkeit dar, wirtschaftlichen Fortschritt und Umweltschutz zu verbinden, vorausgesetzt mögliche Rebound-Effekte wie beispielsweise eine Erhöhung der Nutzungsintensität aufgrund vorangegangener Effizienzsteigerung bleiben aus.

2. SmartEnergy
Auch für den Energiesektor zeichnen sich im Zuge der Digitalisierung Chancen für mehr Nachhaltigkeit ab. So werden Entwicklungen zur Nutzung erneuerbarer Energien vorangetrieben und der Ausbau intelligenter Stromnetze, sogenannten Smart Grids, gefördert. In Zahlen gesprochen können auf diese Weise bis zu 6,3 Milliarden Kilowattstunden Energie eingespart werden, wie der Report belegt. Darüber hinaus spielen soziale Aspekte eine Rolle wie z.B. die flexible Auswahl des Stromanbieters, geringere Kosten sowie die Kontrolle und Übersicht über das eigene Verbrauchsverhalten (GeSI 2015, 54). Diese neu gewonnene Transparenz ermöglicht ggf. sogar eine Reduktion der individuellen Stromverbräuche, da Ausreißer je nach Tages- und Jahreszeit sichtbar werden.

3. SmartAgriculture
Smart Agriculture steht für erhöhte Produktivität, gesteigerte Effizienz und weniger Lebensmittelverschwendung in der Landwirtschaft. In diesem Bereich sorgen modernste Technik, teilweise künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen für exakte Prognosen sowie z.B. einen optimalen Wasserverbrauch ohne Verschwendung. So können Ressourcen geschont und die Produktion anhand vorhergesagter Werte geplant werden. Auch hier legt der #SMARTer2030 Report Zahlen vor: 20 Prozent weniger Foodwaste und ein um 250 Billionen Liter geringerer Wasserfußabdruck (GeSI 2015, 11).

4. SmartBuildings
35 Prozent am gesamten deutschen Energieverbrauch entfallen auf Gebäude (dena 2020). Bis 2050 soll der Gebäudebestand laut Bundesregierung nahezu klimaneutral sein. Eine Lösung sind intelligente Gebäude, Smart Buildings. Hier steigern digitale Technologien und intelligente Vernetzung Komfort, Lebensqualität und Effizienz. Smarte Gebäude „denken“ selbst, sobald alle Komponenten installiert sind. Sie lassen sich zentral, orts- und zeitunabhängig steuern. Vor allem im Hinblick auf die Erfassung von Strom-, Heiz- und Wasserverbräuchen lassen sich dank digitaler Messtechniken, wie oben bereits erwähnt, individuelle Verbrauchswerte anpassen, was langfristig zu einem nachhaltigeren Umgang und Kosteneinsparungen führen kann (GeSI 2015, 41).

5. SharingEconomy
Last but not least: Sharing Economy, oder auch Share Economy. Vor allem der Car Sharing Markt ist innerhalb der letzten Jahre rasant gewachsen. Allgemein sorgen Sharing-Angebote für eine besser Auslastung bestehender Kapazitäten und senken in diesem Zuge den Ressourcenverbrauch. Das Umweltbundesamt empfiehlt maximal 150 PKW pro 1.000 Einwohner für einen umweltfreundlicheren Verkehr. Dies ist mit privaten Autos nicht zu erreichen. Car Sharing Plattformen aber haben das Potential. Hier gilt es allerdings erneut, vor möglichen Rebound-Effekten zu warnen. Denn Sinn und Zweck ist es nicht aufgrund von Ressourceneinsparungen von privaten Autos, den Car Sharing Markt über Bedarf auszubauen.

Diese Beispiele belegen, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit ein Duett bilden können. Allerdings sollten wir uns nicht vormachen, allein durch den Einsatz innovativer Technologien den Klimawandel stoppen und eine bessere Welt schaffen zu können. Das wäre zu einfach gedacht. Die 17 Nachhaltigkeitsziele können nur erreicht werden, wenn jeder einzelne seinen Beitrag dazu leistet – ganz egal welcher Art.

 

Jana Beckmann, Digistainable 2019

Foto: Pixabay © Gerd Altmann